Politik

Bericht zu Kontakten nach MoskauWie Epstein versuchte, an Putin heranzukommen

06.02.2026, 19:09 Uhr
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Finanzier und Sexualstraftäter Epstein pflegte mit vielen einflussreichen Personen Kontakte. (Foto: via REUTERS)

Über viele Jahre baut sich Jeffrey Epstein ein verzweigtes Netzwerk mit mächtigen und reichen Personen auf. Der pädophile Sexualstraftäter schafft es, hochrangige Entscheidungsträger für seine Zwecke einzubinden. Doch an einen kommt er offenbar trotz jahrelanger Bemühungen nicht heran: Wladimir Putin.

Der kürzlich veröffentlichte Datensatz zu Jeffrey Epstein und seinem Umfeld offenbart vielfältige geschäftliche und private Beziehungen des verurteilten Sexualstraftäters. Neben seinen prominenten Kontakten in den USA und Europa rückt dabei auch Russland in den Fokus. Wie die "Washington Post" nach einer Auswertung des massiven Datensatzes mit drei Millionen Dokumenten berichtet, bemühte sich Epstein mehrmals, Kremlchef Wladimir Putin zu treffen. Offenbar vergeblich.

Demnach unterhielt Epstein Kontakte zu mehreren hochrangigen Russen und Politikern, die er wiederholt und über mehrere Jahre hinweg darum bat, ein Treffen mit Putin zu arrangieren. Der Name des russischen Machthabers soll mehr als 1000 Mal in den Dokumenten auftauchen. Die Mehrheit dieser Erwähnungen stammt laut "Washington Post" allerdings aus Zeitungsausschnitten und Medienberichten und nicht etwa aus der persönlichen Korrespondenz Epsteins.

In den 2010er Jahren versuchte der private Finanzier laut den veröffentlichten E-Mails mehrmals, an Putin heranzukommen, oft über den ehemaligen norwegischen Premierminister Thorbjørn Jagland. In den Akten des Justizministeriums gebe es allerdings keine Hinweise darauf, dass ein solches Treffen jemals stattgefunden hat, heißt es in dem Bericht. Jagland selbst sieht sich in seinem Heimatland momentan massivem Druck und Ermittlungen wegen Korruption ausgesetzt.

In einer E-Mail aus dem Jahr 2013 an den ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Barak soll Epstein überdies geschrieben haben, er sei zur Teilnahme am Sankt Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) eingeladen worden. Der Investmentbanker behauptete aber, die Einladung abgelehnt zu haben. In Bezug auf Putin schrieb er: "Wenn er sich treffen will, muss er sich Zeit nehmen und Privatsphäre schaffen."

"Würde mich sehr über ein Treffen mit Putin freuen"

Aus der Korrespondenz mit dem Norweger Jagland aus diesem Jahr geht laut "Washington Post" hervor, dass Epstein ihn drängte, während eines bevorstehenden Besuchs in Moskau die Möglichkeit eines Treffens anzusprechen. "Ich weiß, dass Sie sich am 20. mit Putin treffen werden. Er ist verzweifelt auf der Suche nach westlichen Investoren für sein Land … Ich habe seine Lösung." Fortschritte diesbezüglich gab es demnach aber nicht, wie aus nachfolgenden E-Mails hervorgehen soll. Später habe sich Epstein vielmehr beklagt, dass er keine Antwort erhalten habe.

Im Januar 2014 teilte Jagland Epstein schließlich mit, dass er Putin in Sotschi treffen werde. Er fragte ihn laut dem Bericht: "Warum kommen Sie nicht mit?" Ob der New Yorker die Einladung annahm, ist unklar. Dadurch, dass er sich im Juli desselben Jahres aber weiterhin um eine Kontaktvermittlung bemühte, lässt darauf schließen, dass es kein Treffen mit Putin gab. Im Juli 2015 bat Epstein Jagland laut "Washington Post" erneut um Hilfe bei der Organisation eines Treffens, "um über Wirtschaft zu sprechen". Ähnliche Anfragen seien vereinzelt in den Jahren 2016 und 2017 aufgetaucht. Im Juni 2018 schrieb Epstein demach: "Würde mich sehr über ein Treffen mit Putin freuen."

Auch in Russland selbst pflegte der umtriebige Epstein Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten, etwa zum kremlnahen Oligarchen Oleg Deripaska oder dem langjährigen russischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin. Auch Sergej Beljakow, ein hochrangiger Absolvent der Akademie des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, soll darunter gewesen sein. Die beiden Männer pflegten zwischen Mai 2014 und 2018 einen engen Kontakt. So sollen die beiden 2016 Geschäftsgespräche geführt haben. Beljakow teilte Epstein demnach mit, dass er eine neue Position beim Russian Direct Investment Fund, dem russischen Staatsfonds unter der Leitung des einflussreichen Putin-Gesandten Kirill Dmitrijew, angetreten habe.

Und genau dieser Kirill Dmitrijew wies am Mittwoch mit scharfen Worten Verdächtigungen, es habe Verstrickungen des russischen Geheimdienstes in den Epstein-Skandal gegeben, als Lüge zurück. "Die verzweifelten, verkommenen und verlogenen linken Eliten verfallen in Panik und versuchen, in die Irre zu führen", schrieb er auf der Plattform X. Die Welt sei der Lügen "satanistischer liberaler Eliten" aber überdrüssig und durchschaue sie. Damit kommentierte er Vermutungen des polnischen Regierungschefs Donald Tusk, dass der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Verbindungen zum russischen Geheimdienst hatte. Tusk kündigte dahingehende Untersuchungen an.

Junge Frauen aus Russland

Auch der Kreml wies Mutmaßungen über eine Agententätigkeit Epsteins für Russland zurück. Auf die Frage, ob Epstein ein russischer Spion war, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag, er sei versucht, "viele Witze über diese Version" der Dinge zu machen, "aber das wäre Zeitverschwendung". Peskow hatte russischen Staatsmedien bereits zuvor gesagt, der Kreml habe nie eine Anfrage Epsteins für ein Treffen erhalten.

Während Dmitrijew Vermutungen über eine Spur nach Russland zurückwies, spekulierte er in anderen Posts bei X über Verbindungen Epsteins unter anderem zum Nobelpreiskomitee. Der Mann, der dafür verantwortlich gewesen sei, dass US-Präsident Barack Obama 2009 überraschend den Friedensnobelpreis zuerkannt bekam, sei häufig Gast bei Epstein gewesen, behauptete er. Damit zielte er vermutlich auf den oben genannten Thorbjørn Jagland ab, der von Januar 2009 bis März 2015 Vorsitzender des Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet, war.

Weder für die von dem Putin-Vertrauten Dmitrijew geäußerten Verdächtigungen, noch für eine mögliche Verbindung Epsteins zum russischen Geheimdienst finden sich bislang Belege in dem Datensatz. Klar ist: Epstein versuchte häufig, junge Frauen aus Russland nach Europa und in die Vereinigten Staaten zu bringen. Epstein soll Tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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