Politik

US-Talk bei "Anne Will" Wie gefährlich ist Trumps Außenpolitik?

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Wills Gäste, von links nach rechts: Stefan Niemann, Michael Wolffsohn, Jean Asselborn, Cem Özdemir, Irene Dische.

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Der US-Präsident löst ein Versprechen an ultrareligiöse Wählergruppen ein, im Nahen Osten sterben dafür Menschen: Donald Trumps Entscheidungen sind zutiefst erratisch. Was bedeutet die US-Außenpolitik für die restliche Welt?

Mal angenommen, Donald Trump stünde vor dem gordischen Knoten. Der US-Präsident würde das Problem weder elegant lösen noch den Knoten á la Alexander der Große einfach durchschlagen - stattdessen würde er wohl kurzerhand einen zweiten Knoten dazu basteln. Den Eindruck muss jedenfalls bekommen, wer sieht, wie Trump durch seine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels den schwelenden Nahost-Konflikt ohne jede Not wieder neu entflammt hat.

Der jüngste Streich ist dabei nur die Spitze eines Eisbergs aus erratischen außenpolitischen Entscheidungen des US-Präsidenten. Unter dem Eindruck ebendieser möchte Anne Will von ihren Studiogästen am Sonntagabend wissen, wie gefährlich Trumps Außenpolitik wirklich ist. Gekommen sind der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir, der Historiker Michael Wolffsohn, die deutsch-amerikanische Schriftstellerin Irene Dische, der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios Washington Stefan Niemann sowie Jean Asselborn.

Der luxemburgische Außenminister kommt wegen des Schneechaos zwar arg verspätet im Studio an, hat dafür aber einen hochroten Kopf und wahnsinnig viel Text im Gepäck. Der allerdings kann problemlos auf ein paar kurze Sätze eingedampft werden: Die EU bringe keine Erklärung fertig, weil die Uneinigkeit innerhalb der Union so groß sei. Außerdem wünscht sich Asselborn, dass Netanjahu die israelische Siedlungspolitik einstellt, um Palästinenserpräsident Abbas für Gespräche an den Tisch zu bekommen. "Die Siedlungspolitik ist gegen die Würde der Palästinenser. Das hat Netanjahu in der Hand."

Wolffsohn verteidigt Trump-Politik

An Gespräche ist in der momentanen Situation aber ohnehin nicht zu denken. Für "sehr gefährlich" hält Özdemir deswegen auch die derzeitige Lage, weil jetzt "die USA als Makler zwischen Israel und Palästina ausfallen." Die Anerkennung sei lediglich die Einlösung eines Wahlversprechens an die Evangelikalen gewesen. "Für den Frieden im Nahen Osten bringt das nichts." Ganz anders sieht das Wolffsohn, was er auch genauso sagt. Westjerusalem sei doch de facto ohnehin schon seit den 1950er Jahren die Hauptstadt Israels: "Wenn man den Kriegszustand überwinden will, muss man die Realität anerkennen." Deshalb halte er die Entscheidung für sinnvoll, "auch wenn sie von Trump kommt."

Der Historiker ist so offensiv in sich selbst verliebt, dass man seinen Ausführungen nur schwerlich neutral folgen kann. Wenn Wolffsohn redet, verdrehen einige der anderen Gäste deshalb auch in schöner Regelmäßigkeit die Augen: Einer von ihnen ist der ARD-Journalist Niemann, der auch inhaltlich fundamental anderer Meinung als Wolffsohn ist. Mit der Anerkennung habe Trump den Trumpf verspielt, von beiden Seiten gehört zu werden. Und er stellt eine Frage, die er sich einfach gleich mal selbst beantwortet: "Kann Amerika jetzt noch vermitteln? Ich bezweifle das."

Jared Kushner - "ein schlechter Witz"

Auf eines können sich indes alle fünf Gäste einigen: Der Mann, der den Frieden im Nahen Osten bringen soll, ist die denkbar schlechteste Besetzung für den Job. Den Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, als "Allzweckwaffe zu verkaufen, ist ein schlechter Witz", sagt Wolffsohn.

Am Nahost-Konflikt beißen sich die Diskussionsteilnehmer solange fest, dass die anderen beiden Themenkomplexe im Anschluss in nicht einmal zehn Minuten abgerissen werden müssen. Viel kommt dabei nicht heraus, die Gäste können sich aber immerhin darauf einigen, dass Trump der dramatischen Rhetorik zum Trotz einen Krieg gegen Nordkorea wohl eigentlich vermeiden möchte. Und, dass es ein kapitaler Fehler wäre, den Irandeal seines Vorgängers Obama zu zerstören. Aber wie gefährlich ist sie denn nun, die Außenpolitik des US-Präsidenten? "Sehr gefährlich, weil sie erratisch ist", schließt Özdemir. So richtig beruhigend klingt das nicht.

Quelle: ntv.de

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