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Keine einfachen Lösungen Wie geht es in der Nordkorea-Krise weiter?

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Freut sich über den neuesten erfolgreichen Raketentest: Kim Jong Un.

(Foto: AP)

Mit seinem Raketenprogramm hält Nordkoreas Diktator Kim Jong Un die Welt in Atem, manche befürchten gar einen Atomkrieg. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Ein Überblick für die nahe Zukunft.

Nichts hat Nordkorea bislang von seinem Kurs abbringen können. Im Streben nach Atomwaffen setzt sich Pjöngjang seit Jahren über alle Proteste der internationalen Gemeinschaft hinweg, feuert Raketen ab und übt sich in Kriegsrhetorik. Auch US-Präsident Donald Trump - nicht gerade für seine Besonnenheit bekannt - findet auf Twitter klare Worte. Südkorea und die USA halten aktuell ihr jährliches Großmanöver ab und lassen zusätzlich Kampfjets aufsteigen. Eine rasche Lösung der Krise um das nordkoreanische Raketen- und Atomprogramm rückt damit in die Ferne. Was sind die möglichen Entwicklungen?

Was könnte Nordkorea als nächstes tun?

Nordkoreas Führer Kim Jong Un hat angekündigt, weitere Raketen über den Pazifik abfeuern lassen, und es gibt wenig Gründe, daran zu zweifeln. Insbesondere, weil es seit Jahren zu den Grundkonstanten nordkoreanischer Rüstungspolitik zählt, die Vorgaben der internationalen Gemeinschaft zu ignorieren. Nordkorea-Experten erwarten deshalb eine weitere Eskalation: Beispielsweise könnte das Land demnächst mehrere Raketen gleichzeitig über japanisches Territorium hinweg abfeuern. Denkbar wäre auch der Start einer Rakete, deren Flugweite an jene 3400 Kilometer heranreicht, die zwischen Nordkorea und der US-Insel Guam im Pazifik liegen, auf der Tausende US-Soldaten stationiert sind.

Analysten registrierten allerdings, dass die Flugbahn der am Dienstag getesteten Rakete offenbar bewusst jede Annäherung an Guam vermied. Und Nordkoreas Staatsagentur KCNA erklärte beschwichtigend: "Die Übung hat keine Auswirkung auf die Sicherheit benachbarter Länder." Nordkoreas Eskalationsbereitschaft bewegt sich derzeit also offenbar noch innerhalb bestimmter Grenzen.

Wie realistisch ist eine militärische Intervention der USA?

Experten halten ein solches Szenario derzeit für unwahrscheinlich. Die US-Regierung schließt eine Intervention allerdings nicht grundsätzlich aus. US-Präsident Trump drohte den Nordkoreanern bereits mit "Feuer und Wut".  Theoretisch denkbar wären in diesem Rahmen etwa gezielte Angriffe auf Nordkoreas Atomeinrichtungen oder so genannte Enthauptungsschläge - also gezielte Angriffe, die Kim und andere nordkoreanische Anführer töten sollen.

Ein solcher Angriff brächte allerdings schwer kalkulierbare Risiken mit sich. Die Nordkoreaner sind Meister im Tunnelbau, ihr Atomwaffenarsenal und viele konventionelle Waffen dürften unterirdisch gelagert sein. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass ein einziger US-Angriff alle Waffen Nordkoreas außer Gefecht setzen könnte. Damit hätte Nordkorea die Möglichkeit, nach einem Angriff zurückzuschlagen. Auch ohne den Einsatz einer Atomwaffe wären die Folgen verheerend. Insbesondere die südkoreanische Zehn-Millionen-Metropole Seoul liegt nur 55 Kilometer von der Grenze entfernt und damit in Reichweite nordkoreanischer Artillerie.

Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert und üben seit Jahrzehnten gemeinsam mit Südkorea eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Norden.

Machen weitere Sanktionen Sinn?

Erst im aktuellen August hat der UN-Sicherheitsrat neue Sanktionen verhängt. Es war die siebte und bislang schärfste Sanktionsrunde. Die Strafmaßnahmen sollen Nordkoreas Exporte blockieren und dem Land so Einnahmen entziehen. Auch China, Nordkoreas einziger Verbündeter, stimmte dafür. Der Erfolg der Sanktionen ist noch nicht abzusehen. Ihre Schlagkraft hängt insbesondere davon ab, ob China sie wirklich umsetzt, oder Nordkoreas Handel weiter duldet.

Die USA setzen gemeinsam mit Japan zusätzlich auf eigene Strafmaßnahmen: Vergangene Woche verhängten sie Sanktionen gegen 16 Unternehmen und Einzelpersonen in China und Russland, die Nordkoreas Raketenprogramm unterstützen sollen. China und Russland schlagen vor, dass Nordkorea seine Waffentests aussetzt und die USA im Gegenzug ihre Militärmanöver mit Südkorea stoppen. Die USA lehnen dies ab, weil sie den Eindruck vermeiden wollen, dass sie sich Zugeständnisse von Nordkorea abringen lassen.

Wie sieht es mit diplomatischen Gesprächen aus?

Direkte Verhandlungen sind derzeit nicht in Sicht. Die Sechs-Länder-Gespräche mit Nordkorea sind seit 2009 ausgesetzt, seither hat das Land fünf Atomwaffen und zahlreiche Raketen getestet. Gesprächsbereitschaft ist in Pjöngjang nicht zu erkennen.

Experten vermuten, dass das Land sich erst dann an den Verhandlungstisch setzen wird, wenn es über eine Interkontinentalrakete verfügt, die Atomsprengköpfe bis in die USA bringen könnte. So könnte Nordkorea aus einer Position der Stärke heraus in die Gespräche gehen. Die USA wollen ein solches Szenario auf jeden Fall verhindern. Und daraus erwächst die derzeitige Krise.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP

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