Politik

Mordauftrag und Geldspenden Wie sich die deutsche IS-Zelle finanzierte

86eb547e854450a0575ac2f6ab71e13c.jpg

Vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe sollen die Verdächtigen dem Haftrichter vorgeführt werden.

(Foto: dpa)

Im Januar 2019 gründen fünf Tadschiken in Nordrhein-Westfalen eine Terrorzelle des Islamischen Staates. Um die Dschihadisten in Syrien mit Geld zu versorgen, nehmen sie einen 40.000-Dollar-Mordauftrag an - doch die Ausführung scheitert. Geld für ihre Sache erhalten sie allerdings auch von anderer Stelle.

Die fünf terrorverdächtigen Tadschiken, die wegen konkreter Anschlagspläne auf US-Soldaten und einen Islamkritiker in U-Haft sitzen, kamen nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul als Flüchtlinge nach Deutschland. Ihnen sei es mit ihren Anschlagsplänen "sehr ernst" gewesen, erklärte der Minister. Azizjon B., Muhammadali G., Farhodshoh K., Sunatullokh K. waren am frühen Morgen von Spezialkräften festgenommen worden. Der fünfte Mann, Ravsan B., saß bereits wegen anderer Vergehen im Gefängnis.

Seit über einem Jahr planten die Verdächtigen den Ermittlern zufolge, Anschläge auf zwei US-Luftwaffenstützpunkte und eine namentlich nicht genannte Zielperson zu verüben. Demnach schlossen sie sich im Januar 2019 dem Islamischen Staat (IS) an und bildeten im Auftrag des IS seither eine Unterstützerzelle der Terrormiliz in Deutschland. Laut Bundesanwaltschaft standen die Männer in Kontakt mit zwei ranghohen IS-Führungsmitgliedern in Syrien und Afghanistan, von denen sie entsprechende Anweisungen erhielten.

Mordanschlag in Albanien

Zur Finanzierung ihrer Pläne sowie zur Unterstützung des IS in Syrien sammelten die Verdächtigen zunächst Geld in Deutschland ein. Über Finanzagenten in der Türkei transferierten sie es dann an die Dschihadistenmiliz. Doch das allein reichte ihnen offenbar nicht: Um dem IS weitere Mittel zukommen zu lassen, soll Ravsan B. zudem einen mit 40.000 Dollar dotierten Auftrag für einen Mordanschlag in Albanien angenommen haben.

Dazu reisten B. und einer seiner Komplizen laut Bundesanwaltschaft auch tatsächlich nach Albanien. Dort scheiterte die Ausführung des Auftrags jedoch kurzfristig, woraufhin beide Männer nach Deutschland zurückkehrten. Zuvor hatten sie bereits den gemeinsamen Plan verworfen, in Tadschikistan am bewaffneten Dschihad gegen die Regierung teilzunehmen.

Stattdessen konzentrierten sie sich anschließend auf ihre Anschlagspläne in Deutschland. Scharfe Schusswaffen und Munition hatten sich die Männer bereits beschafft. Zudem verfügte Ravsan B. laut den Ermittlern über Anleitungen für die Herstellung sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen. Einige der hierfür notwendigen Komponenten seien bereits im Internetversandhandel erworben worden.

Quelle: ntv.de, jug/AFP