Politik

Absturz von Egypt-Air-Maschine Wie wahrscheinlich ist eine Terror-Attacke?

Kurz bevor Flug MS804 vom Radar verschwindet, melden die Piloten keinerlei Probleme: Was in den folgenden Minuten an Bord der Egypt-Air-Maschine passiert, weiß niemand. Nun verdichten sich die Hinweise, dass es sich um einen Anschlag gehandelt haben könnte.

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Der ägyptische Premier Scherif Ismail.

(Foto: AP)

Mittlerweile gilt als sicher, was seit den frühen Morgenstunden nur befürchtet wurde. Die vermisste Egypt-Air-Maschine, die um 2.30 Uhr Ortszeit 280 Kilometer vor der ägyptischen Küste vom Radar verschwand, ist mit 66 Menschen an Bord ins östliche Mittelmeer gestürzt. Das ägyptische Außenministerium schickte am späten Vormittag ein Beileidsschreiben an Frankreich. Es wird als der erste offizielle Hinweis darauf gewertet, dass der Airbus tatsächlich abgestürzt ist. Auch der französische Präsident François Hollande bestätigte den Absturz.

Beide Länder hatten zuvor vereinbart, eng bei der Suche nach den Unglücksursachen zusammenzuarbeiten. Such- und Rettungskräfte aus Ägypten und Griechenland sind mittlerweile am Absturzort eingetroffen. Auch Frankreich kündigte an, Flugzeuge und Boote in die Region zu entsenden. Bisher kann über die Hintergründe für das Unglück jedoch nur spekuliert werden. Der ägyptische Premier Scherif Ismail sagte vor Journalisten, es werde keine mögliche Ursache ausgeschlossen - weder technisches Versagen noch eine Terror-Attacke.

Für letztere Theorie spricht laut Terrorismus-Experte Michael Ortmann vor allem die Tatsache, dass die Piloten vor dem Verschwinden der Maschine kein Notsignal abgesetzt haben. Wäre an Bord des Flugzeugs ein Feuer ausgebrochen oder ein technisches Problem aufgetreten, hätten die Piloten erfahrungsgemäß noch Zeit gehabt, über Funk Hilfe anzufordern. Dass dies nicht geschehen sei, spreche für ein unvorhergesehenes Ereignis, "und da kommen natürlich auch Anschläge in Betracht", sagte Ortmann bei n-tv.

Experte: Wetter spielte keine Rolle

Dass Terroristen am Abflughafen Charles de Gaulle, wo die Maschine am Mittwoch um 23.09 Uhr Ortszeit gestartet war, eine Bombe an Bord schmuggeln konnten, sei trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich nicht auszuschließen. Auch am bestbewachten Flughafen der Welt gebe es keine absolute Sicherheit, erklärte Ortmann. Menschen seien käuflich, "überall dort, wo Menschen arbeiten, gibt es Schwachstellen".

Ähnlich äußerte sich auch Jean-Paul Troadec, der frühere Chef der französischen Untersuchungsbehörde BEA, im Interview mit dem Radiosender Europe1. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sich um eine Explosion an Bord gehandelt hat - entweder durch eine platzierte Bombe oder einen Selbstmordattentäter", sagte Troadec. Zudem könnten schlechte Wetterbedingungen keine Rolle für das Verschwinden der Maschine gespielt haben, so der Experte. Der Himmel über dem südöstlichen Mittelmeer war nahezu wolkenlos. "Auch ein technischer Defekt kommt infrage, aber er ist nicht sehr wahrscheinlich."

Augenzeugen sprechen von Feuerball

Berichte griechischer Medien, wonach Augenzeugen auf einer griechischen Insel zum Zeitpunkt des Verschwindens von Flug MS804 einen Feuerball am Himmel gesehen haben, bestätigten die Behörden weiterhin nicht. Ein Vertreter der griechischen Zivilluftfahrt erklärte lediglich, dass das Flugzeug etwa 240 Kilometer von der Insel Karpathos entfernt abgestürzt sei.

An Bord der Maschine befanden sich neben 15 Franzosen auch 30 Ägypter sowie Angehörige zehn weiterer Nationalitäten. Deutsche Staatsangehörige sind nicht unter den Vermissten. Die Maschine war aus Paris kommend in der Nacht über dem Mittelmeer vom Radar verschwunden. Sie war nach Kairo unterwegs gewesen.

Mehr zu dem Flugzeugabsturz auch im Liveticker.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/rts

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