Politik

Erstes TV-Duell vor US-Wahl Wie weit geht Trump?

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Trump und Clinton: Einer der beiden beerbt Barack Obama im Weißen Haus.

(Foto: imago/UPI Photo)

Noch vor einigen Wochen lag Hillary Clinton in Umfragen deutlich vor Donald Trump. Aber der Republikaner hat aufgeholt, es ist wieder spannend. Umso wichtiger werden die TV-Duelle der beiden US-Präsidentschaftskandidaten.

Ein US-Präsident Donald Trump? Kevin Spacey kann sich das nicht vorstellen. "Ich glaube nicht, dass er gewinnt", sagte der Schauspieler am Wochenende der Deutschen Presse Agentur in einem Interview. Spacey, der bei der US-Wahl am 8. November für Hillary Clinton stimmen will, kennt sich ein bisschen aus mit dem Weißen Haus. In der TV-Serie "House of Cards" spielt er einen besonders gerissenen US-Präsidenten – mit etwas Phantasie könnte man sich manchmal auch an Trump erinnert fühlen.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner greift vor dem ersten TV-Duell (Dienstagmorgen ab 3 Uhr live bei n-tv) zu ähnlichen Psychotricks wie Spacey in der Fernsehserie. Trump drohte seiner Rivalin Hillary Clinton am Wochenende damit, zu der Fernsehdebatte Gennifer Flowers, eine frühere Geliebte ihres Mannes Bill, mitzubringen. Flowers twitterte am Samstag: "Hi Donald. Du weißt, dass ich in Deiner Ecke bin und definitiv bei der Debatte sein werde."

Mit dem ersten TV-Duell biegt der US-Wahlkampf auf die Zielgerade ein. Bis zur Wahl sind es nur noch gut sechs Wochen. In der 90-minütigen Fernsehdebatte auf dem Campus der Hofstra University in Hempstead wird mit mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauern gerechnet. Trump genießt bei dem Aufeinandertreffen wegen seiner zuletzt so erfolgreichen Aufholjagd zumindest einen psychologischen Vorteil. Im Lager der früheren Außenministerin dürfte die Nervosität deshalb besonders groß sein. Clintons Zusammenbruch Anfang September hat ihrer Kampagne nicht geholfen. Dass sie nicht offen mit ihrer Erkrankung umging, bestätigte nicht nur viele Amerikaner in ihren Vorbehalten, sondern auch Trump in seinen öffentlichen Unterstellungen, die Rivalin sei nicht fit genug für das Weiße Haus.

Springsteen: Trump ist "ein Idiot"

Die beiden Kandidaten bereiteten sich unterschiedlich auf die TV-Debatte vor. Clinton zog sich in den vergangenen Tagen zurück und übte intensiv in Probedebatten. Trump verzichtete darauf und schaute zur Vorbereitung Videos von Clintons besten und schlechtesten Auftritten. In puncto Erfahrung ist Clinton im Vorteil. Sie hat schon mehr TV-Debatten absolviert. Als ehemalige Außenministerin wurde sie im Oktober im Kongress elf Stunden zu einem Anschlag in Libyen befragt und ließ sich dabei nicht aus der Ruhe bringen.

Mit Spannung wird vor allem Trumps Auftritt erwartet. Er, der als Kind des Reality-Fernsehens gilt, dürfte sich in dem Format jedoch keineswegs unwohl fühlen. Die wichtige Frage ist nur: Wie weit geht Trump? Gibt er sich präsidial und kann damit auch die überzeugen, die ihm die Eignung bisher absprechen? Oder lässt sich der 70-Jährige gar wieder zu einer Pöbelattacke hinreißen und bestätigt so wieder mal seine Kritiker? Trump muss Clinton angreifen, aber er darf nicht überdrehen. Die Demokratin macht sich offensichtlich auf alles gefasst. "Du musst auf verrücktes Zeug vorbereitet sein. Ich werde auf meine Erfahrungen aus der Grundschule zurückgreifen", sagte sie vor einigen Tagen.

Kurz vor der Wahl schließen sich die Reihen hinter den beiden Kandidaten. Die traditionell den Demokraten zugeneigte "New York Times" hat sich in einer Empfehlung für Clinton ausgesprochen. Der Republikaner Ted Cruz, der Trump im innerparteilichen Vorwahlkampf unterlegen war, hat sich nun dazu durchgerungen, Trump zu unterstützen. Noch beim Nominierungsparteitag im Juli hatte Cruz ihm die Gefolgschaft verweigert. US-Rocklegende Bruce Springsteen will bei der Wahl derweil für Hillary Clinton stimmen. Trump sei ein "Idiot" und seine Bewegung "äußerst gefährlich".

Aktenordner voller Frauen

Die insgesamt drei TV-Duelle – das zweite ist am 9. Oktober, das dritte am 19. Oktober – können die Wahl mitentscheiden. Barack Obama legte in der ersten Debatte vor vier Jahren einen durchwachsenen Auftritt hin, konnte bei den folgenden Aufeinandertreffen mit seinem Konkurrenten Mitt Romney jedoch zulegen. Als der Republikaner beim Thema Gleichberechtigung von "Aktenordnern voller Frauen" sprach, die für Kabinettsposten bereitstünden, löste er im Internet viel Häme aus - und Obamas schwacher Start war vergessen.

Einer Umfrage zufolge sind die Fernsehdebatten für die Hälfte der US-Wähler ausschlaggebend für die Wahlentscheidung. Rund 22 Prozent sind bisher noch keinem Kandidaten zugeneigt. 43 Tage vor der Wahl ist das Rennen so knapp wie lange nicht. In den Umfragen gelang es Trump in den vergangenen Wochen, den Rückstand zu Clinton deutlich zu verkürzen. In den wichtigen Swingstates Florida und Ohio überholte er die Demokratin zuletzt. In einer der jüngsten landesweiten Umfragen der "LA Times" lag Trump mit 46 Prozent sogar vier Punkte vor Clinton, die seit Ende Juli deutlich vorn gelegen hatte.

Alles scheint also möglich. Auch jenes Szenario, an das TV-US-Präsident Spacey nicht glauben kann.

Quelle: n-tv.de

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