Politik

Team mit Totschlägern attackiert ZDF-Angreifer sind wieder auf freiem Fuß

132112119.jpg

Der Kameramann, der Tonassistent und auch die Sicherheitsleute wurden bei dem Angriff verletzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehrere Vermummte gehen am Rande einer Demonstration am 1. Mai auf ein Kamerateam der ZDF "heute-show" los. Sie benutzen dabei auch Totschläger. Der "feige Angriff" löst bundesweit Entsetzen aus. Haftbefehle werden jedoch nicht erlassen.

Nach dem Angriff auf ein Kamerateam des ZDF sind alle Festgenommenen auf freien Fuß gekommen. Es sei kein Haftbefehl erlassen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mit. Bei vier der Festgenommenen habe kein dringender Tatverdacht vorgelegen, bei zwei seien keine Haftgründe gegeben gewesen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich nicht weiter zu möglichen Hintergründen der Tat oder der Identität der Festgenommenen äußern.

Das Team der ZDF-Satiresendung "heute-show" war am Maifeiertag in Berlin angegriffen worden. Laut Polizei waren am Freitag deshalb sechs Menschen festgenommen worden. Der Staatsschutz ermittelt. Wie die dpa und die "Bild"-Zeitung berichten, sind die sechs nun Freigekommenen dem linken Spektrum zuzurechnen. Entgegen erster Berichte handelt es sich dabei um vier Männer im Alter von 24, 25 und 31 Jahren sowie um zwei 25 beziehungsweise 27 Jahre alte Frauen. In ersten Mitteilungen am Freitag war von fünf Männern und einer Frau die Rede gewesen.

Das siebenköpfige ZDF-Team hatte am Freitagnachmittag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln, an der auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien teilgenommen hatten, gefilmt. Auf dem Rückweg zu ihren Fahrzeugen wurden sie aus einer Gruppe von etwa 20 Vermummten heraus angegriffen. Die Angreifer traten nach ersten Erkenntnissen das Team und schlugen es mit einer Metallstange. In der Nähe des Tatorts in der Rochstraße - nahe Hackeschen Höfen und Alexanderplatz gelegen - nahmen Polizisten die sechs Verdächtigen in Gewahrsam. "Das war ein feiger Angriff", sagte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik im RBB-"Inforadio".

Der Redakteur, der Kameramann und der Kameraassistent sowie drei Security-Mitarbeiter, die das Kamerateam begleitet hatten, mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie das ZDF mitteilte. Eine Polizeisprecherin hatte zunächst von vier Verletzten gesprochen. Alle sechs hätten das Krankenhaus bereits am Freitag wieder verlassen, hieß es weiter vom ZDF.

Das ZDF zitierte auf seiner Homepage Harald Ortmann, den Geschäftsführer der beteiligten Produktionsfirma. Für den Dreh seien vorab drei Sicherheitsleute engagiert worden, erklärte er demnach. Mittlerweile sei dies bei Filmdrehs bei Demonstrationen Standard. Sie seien schwer verletzt worden, als sie dem Tonassistenten und dem Kameramann helfen wollten, sagte Ortmann. "Unserem Tonassistenten wurde ins Gesicht getreten - mit einer Brutalität, mit der man in Kauf genommen hat, dass es ein Mensch nicht überlebt." Die Angreifer seien mit sogenannten Totschlägern auf das Team losgegangen.

"Das Ganze hätte auch viel tragischer enden können"

Reporter und Kabarettist Abdelkarim Zemhoute, der bei dem Angriff unverletzt blieb, bedankte sich auf Twitter bei den Sicherheitsleuten, Zeugen, Polizisten und Rettungssanitätern für ihre Hilfe. "Nach Einschätzung eines Sicherheitsmannes hatten wir Glück im Unglück. Das Ganze hätte auch viel tragischer enden können", schrieb er.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands, Frank Überall, nannte den Überfall einen Angriff auf die Pressefreiheit. Ähnlich hatte zuvor ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler den Angriff verurteilt. "Die Pressefreiheit ist - gerade in diesen Tagen - ein hohes Gut. Unsere Sorge gilt nun jedoch zuallererst den Teammitgliedern und ihrer Gesundheit."

Mehr zum Thema

Auch zahlreiche Politiker äußerten sich zu dem Vorfall. Außenminister Heiko Maas wünschte dem Team bei Twitter gute Besserung. "Wir stehen an Eurer Seite! Lasst Euch Euren Humor und Eure Leidenschaft nicht nehmen von feigen Gewalttätern", schrieb er weiter. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak äußerte: "Ich bin fassungslos über den feigen Angriff auf das Team der 'heute-show' und damit auch auf die Pressefreiheit in unserem Land. Den Verletzten wünsche ich eine baldige Genesung!"

Der rheinländische AfD-Fraktionsvorsitzende Uwe Junge teilte einen Bericht mit den Worten: "Geht gar nicht! Schonungslose Aufklärung und umfassende Berichterstattung, bitte!" Andere Menschen kommentierten Berichte zustimmend: "Ich gehe davon aus, dass sie es verdient hatten", hieß es etwa.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP