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Serbien schürt den Kosovo-Konflikt Zeuge berichtet über Organhandel

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Hashim Thaci steht im Fokus der Vorwürfe und Ermittlungen.

(Foto: REUTERS)

Serbien präsentiert am Feiertag für das Kosovo einen Zeugen, der die Entnahme eines Herzens von einem serbischen Gefangenen durch die Kosovarische Befreiungsarmee UCK bezeugen kann. Die Regierung in Pristina widerspricht den Anschuldigungen. Das Herz soll dem Gefangenen ohne Narkose entnommen worden sein.

Viereinhalb Jahre nach der Ausrufung seiner Unabhängigkeit hat das Kosovo de facto die volle Souveränität erlangt. Die serbischen Nachbarn und die in Norden des Landes lebenden Serben reagierten ablehnend und wollen das Kosovo auch weiterhin nicht als Staat anerkennen.

Das serbische Fernsehen strahlte am Feiertag für die Kosovaren ein Interview mit einem mutmaßlichen Zeugen eines illegalen Organhandels während des Kosovo-Konflikts aus. Kosovos Außenminister Enver Hoxhaj bezeichnete die Vorwürfe als "Propaganda".

Der vermeintliche Zeuge berichtete im staatlichen Fernsehsender RTS, er selbst habe einem "nicht unter Betäubung stehenden Gefangenen das Herz herausgeschnitten". Er sei dazu ausgebildet worden, wie ein Herz zu entnehmen sei, berichtete der Mann offenbar in albanischer Sprache mit serbischen Untertiteln. Das Gesicht des Interviewten war in dem Bericht nicht zu sehen, seine Stimme wurde verzerrt.

Der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, hatte zuvor gesagt, sein Land habe einen Zeugen, der die Entnahme eines Herzen von einem serbischen Gefangenen durch die Kosovarische Befreiungsarmee (UCK) bestätigen könne.

Hoxhaj sagte, es handele sich um einen Versuch, "einen sehr großen Tag für das Kosovo" zu verdunkeln. Es habe zuvor bereits Informationen gegeben, dass Serbien an diesem "Feiertag für das Kosovo" schlechte Nachrichten veröffentlichen werde.

Europarat weist auf Missstände hin

Der Sonderberichterstatter des Europarats, Dick Marty, warf UCK-Kommandeuren, einschließlich des aktuellen kosovarischen Regierungschefs Hashim Thaci, im Jahr 2010 vor, während des Kosovokrieges 1998-1999 am Handel mit den Organen serbischer Gefangener beteiligt gewesen zu sein. Thaci wies dies stets zurück. Laut Marty gibt es einen engen Zusammenhang zwischen den Vorwürfen gegen Thaci und dem Skandal um die Medicus Klinik in Pristina, die seit Oktober im Zentrum eines Prozesses wegen illegalen Organhandels steht.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP

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