Politik

UN lieferten Geodaten Zivile Ziele in Syrien gezielt attackiert?

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Möglicherweise haben die UN die Angriffe unfreiwillig erleichtert.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Gezielte Angriffe auf Zivilisten sind laut Kriegsrecht verboten. Um Orte wie Schulen oder Krankenhäuser zu schützen, informieren die UN Kriegsparteien über die Standorte. Doch im Syrienkonflikt wurden diese Informationen womöglich missbraucht.

Bei den Vereinten Nationen wächst die Sorge, dass geografische Koordinaten beispielsweise von Schulen und Krankenhäusern im Bürgerkriegsland Syrien gezielt für Angriffe benutzt worden sind. Seit April seien Berichten zufolge 37 Schulen und 26 Gesundheitszentren im Nordwesten Syriens attackiert worden, sagte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. "Es ist schrecklich, dass diese Orte überhaupt angegriffen worden sind", sagte Lowcock. "Aber einen Ort anzugreifen, dessen Koordinaten als Teil des UN-Konflikt-Deeskalierungssystems geteilt wurden, ist einfach nicht zu tolerieren."

Um zivile Infrastruktur zu schützen, werden geografische Koordinaten bestimmter Orte von den UN mit den Kriegsparteien geteilt. "Jetzt fühlen einige Beteiligte sich so, als ob sie das quasi zum Angriffsziel macht. Einige sind zu dem Schluss gekommen, dass die Bombardierung von Krankenhäusern eine gezielte Taktik ist, um Menschen zu terrorisieren."

Die Provinz Idlib und Teile der angrenzenden Provinz Hama sind die letzten Gebiete des Bürgerkriegslandes, die noch von Aufständischen kontrolliert werden. Dort sind vor allem islamistische Gruppierungen aktiv. Russland als Verbündeter der syrischen Regierung sowie die Türkei als Verbündeter der Opposition hatten die Region zur "Deeskalationszone" erklärt. Trotzdem begannen Assads Truppen dort Anfang Mai eine Bodenoffensive.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind seit Ende April in Idlib und Hama 443 Zivilisten getötet worden, darunter 108 Kinder. Seit der Eskalation der Gewalt seien mehr als 300.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden.

Quelle: ntv.de, ino/dpa