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Hamas fordert Häftlingsaustausch Zwei Israelis in Gaza verschollen

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Wie und warum die beiden Männer die hochgesicherte Grenze überwanden, ist unklar.

(Foto: AP)

Die Grenze zwischen Israel und Gaza gilt als hermetisch abgeriegelt. Was zwei Israelis in dem Palästinensergebiet wollten, ist unklar. Offenbar gerieten sie dort in Gefangenschaft. Die Regierung hat Angst vor einer Wiederholung des Falls Schalit.

Zwei israelische Staatsbürger werden offenbar seit Monaten im Gazastreifen festgehalten, davon einer durch die radikalislamische Hamas. "Laut glaubwürdigen Geheimdiensterkenntnissen" werde Abraham Mengistu, ein aus Äthiopien eingewanderter Jude, "gegen seinen Willen von der Hamas festgehalten", teilte das israelische Verteidigungsministerium mit. Offenbar wird auch ein israelischer Araber von Unbekannten in dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen festgehalten.

Demnach überquerte der 28-jährige Mengistu aus dem nahegelegenen Aschkelon am 7. September vergangenen Jahres heimlich und aus eigenem Antrieb die nahegelegenen Grenzanlagen zu dem abgeriegelten Palästinensergebiet. Das war keine zwei Wochen nach dem Ende des Gazakriegs im vergangenen Sommer. Die Behörden verhängten eine Nachrichtensperre über den Fall, die ein Richter jetzt auf Antrag aufhob. Im Fall des vermissten Arabers, galt die Sperre weiter, weshalb hier keine Details bekannt wurden.

Israel hat das schmale Palästinensergebiet an der Mittelmeerküste seit der Entführung des Soldaten Gilad Schalit im Jahr 2006 strikt abgeriegelt und verbietet seinen Staatsbürgern, es zu betreten. Es wird befürchtet, dass sie von islamistischen Gruppen zur Freipressung von palästinensischen Gefangenen entführt werden könnten.

Internationale Vermittler eingeschaltet

"Israel hat sich an internationale und regionale Vermittler gewendet, um die sofortige Freilassung von Mengistu zu erreichen und sich nach seinem Wohlergehen zu erkundigen", erklärte das Verteidigungsministerium. Der Bruder des Vermissten, Ascho Mengistu, sagte Journalisten, sein Bruder sei in schlechtem Gesundheitszustand. Ein Freund der Familie erklärte, die israelischen Behörden hätten bislang darauf gedrängt, den Fall nicht publik zu machen, weil dies die Chancen für eine Freilassung erhöhe.

Der frühere Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes, Avi Dichter, sagte im Armee-Radio, es sei eventuell möglich, die Freilassung der beiden Israelis mit der Überstellung der Leichen von zwei vergangenes Jahr im Gazastreifen gefallenen Soldaten zu verknüpfen. "Wenn wir das in indirekten Verhandlungen mit der Hamas erreichen könnten, wäre es ein großer Erfolg", sagte der heutige Abgeordnete der regierenden Likud-Partei.

Ein Hamas-Sprecher in Gaza, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Nichts ist umsonst. Bevor aber überhaupt darüber diskutiert werden kann, verlangt die Hamas die Freilassung der Gefangenen, die 2001 für Gilad Schalit auf freien Fuß kamen, 2014 aber wieder festgenommen wurden."

Im Gegenzug für Schalit kamen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge frei. Obwohl es sich bei den Vermissten nicht um Soldaten handelt, fürchtet Israel nun ein ähnliches Szenario.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP/dpa

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