Politik

UN verurteilen Taliban-Gewalt Zweiter Charterflug aus Kabul mit Deutschen

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Die letzten Momente vor dem Abflug aus Afghanistan.

(Foto: via REUTERS)

Auch auf dem zweiten zivilen Evakuierungsflug aus Kabul befinden sich katarischen Angaben zufolge Deutsche. Die USA loben die Taliban für ihre Kooperation beim Ausfliegen. Die Vereinten Nationen werfen ihnen hingegen die brutale Unterdrückung von Demonstranten vor.

Mit dem zweiten Start einer Chartermaschine in Kabul seit dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan wächst die Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs. Nach Angaben eines katarischen Offiziellen flog die Maschine von Qatar Airways am Freitag 158 Ausländer und Afghanen in Katars Hauptstadt Doha aus. Neben Deutschen seien US-Bürger, Franzosen, Kanadier, Briten sowie Niederländer und Belgier an Bord. Eine Bestätigung des Auswärtigen Amtes stand noch aus. Nach Angaben des Pariser Außenministeriums waren 49 französische Staatsbürger und deren Angehörige im Flieger. Am Vortag war der erste Evakuierungsflug nach dem Abzug der US-Truppen Ende August mit mehr als 100 Menschen an Bord in Kabul gestartet, darunter 15 Deutsche.

Während die USA die Taliban für ihre professionelle und kooperative Unterstützung beim Ausfliegen weiterer US-Bürger lobten, verurteilten die Vereinten Nationen die zunehmenden gewalttätigen Reaktionen der neuen Machthaber auf friedliche Proteste. "Wir fordern die Taliban auf, Gewalt gegen die unverzüglich einzustellen, die ihr Recht auf friedliche Versammlung wahrnehmen", sagte Ravina Shamdasani, Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros.

Auch Journalisten würden ins Visier genommen, die versuchten, "einfach nur ihrer Arbeit nachzugehen". Bei den Protesten seien von bewaffneten Kämpfern scharfe Munition und Peitschen eingesetzt worden, um die Menschenmenge auseinander zu treiben. Nach UN-Angaben wurden seit Mitte August vier Menschen bei Protesten getötet. Die Islamisten hatten am Mittwoch ein Demonstrationsverbot verhängt, nachdem es in den Tagen zuvor in mehreren Städten einzelne Demonstrationen gegen die neuen Herrscher gegeben hatte.

"Du hast Glück, dass du nicht geköpft wurdest"

Zwei afghanische Journalisten sagten gegenüber Journalisten, wie sie nach Protesten, über die sie berichtet hatten, abgeführt und stundenlang festgehalten und geschlagen wurden. "Einer der Taliban stellte seinen Fuß auf meinen Kopf und drückte mein Gesicht gegen den Beton. Sie traten mir gegen den Kopf. Ich dachte, sie würden mich umbringen", sagte der Fotograf Nematullah Nakdi. Auf die Frage, warum er geschlagen werde, sei ihm gesagt worden: "Du hast Glück, dass du nicht geköpft wurdest."

Nakdi wurde schließlich in eine überfüllte Zelle gebracht, wo er seinen Kollegen Taki Darjabi fand, der ebenfalls festgenommen und geschlagen worden war. "Wir hatten so große Schmerzen, dass wir uns nicht bewegen konnten", sagte Darjabi.

Der afghanische UN-Botschafter Ghulam Isacsai forderte bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats, die Taliban-Regierung in Kabul nicht anzuerkennen und die bestehenden Sanktionen zu verschärfen. Er warf den Taliban "Gräueltaten in großem Umfang" im Pandschir-Tal vor.

Guterres: wirtschaftlichen Kollaps Afghanistans verhindern

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich dennoch für einen "Dialog" mit den radikalislamischen Taliban aus. Auf alle Fälle müsse ein wirtschaftlicher Kollaps Afghanistans verhindert werden. Die UN-Bildunsgorganisation Unesco warnte vor einem enormen Rückschritt bei der Schulbildung insbesondere von Mädchen.

Unterdessen konnten Journalisten der Deutschen Welle (DW) aufatmen. Neun Korrespondenten und die einzige Korrespondentin der DW in Afghanistan durften am Donnerstag mit ihren Familien nach Pakistan ausreisen, wie der Sender mitteilte. Insgesamt seien 72 Menschen ausgereist, erklärte die DW.

Angesichts der Lage für Journalisten vor Ort forderte der Deutsche Journalistenverband (DJV) Bundesaußenminister Heiko Maas auf, sich aktiv für Reporter und ehemalige Mitarbeiter westlicher Medien einzusetzen. Die Verzweiflung bei den afghanischen Medienschaffenden sei "so groß wie die Todesangst", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

Quelle: ntv.de, James Edgar, AFP

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