Politik

Auch nach Jahren des KriegsZwölf Prozent der Ukrainer halten Widerstand für sinnlos

16.01.2026, 20:09 Uhr
00:00 / 04:14
Ukrainische-Soldaten-beim-Beschuss-russischer-Stellungen-nun-mussten-sie-sich-aus-der-Stadt-Siwersk-im-Norden-der-Region-Donbass-zurueckziehen
Ukrainische Soldaten beim Beschuss russischer Stellungen (Foto: Roman Chop/AP/dpa)

Eine Umfrage unter Ukrainern zeigt: Von den derzeitigen Verhandlungen erhoffen sie sich nicht viel, von den Amerikanern auch nicht. Und dass Russland künftig Ruhe gibt, erwarten nur die wenigsten. Den meisten Ukrainern zufolge hat der Kreml ein klares Ziel.

Der Widerstandswille der Ukrainer ist auch nach fast vier Jahren Vollinvasion ungebrochen. Dies ergibt eine Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS). Demnach gehen 77 Prozent der Befragten davon aus, dass Russland zwar an der Front vorrückt, dies jedoch langsam und unter schweren Verlusten geschieht, und dass die Ukraine ihren Widerstand fortsetzen kann. Lediglich zwölf Prozent der Befragten halten den Widerstand der Ukraine für hoffnungslos.

Der Kampfgeist dürfte auch bestärkt werden durch die Ansichten über die Russen. So glauben 69 Prozent der Ukrainer, dass Russland die ukrainische Nation zerstören oder vorher einen Völkermord begehen will. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Hinweise darauf, dass Moskau die ukrainische Kultur vernichten will. So wurden ukrainische Denkmäler geschleift und Schulen, Bibliotheken, Theater und Museen massiv zerstört. Insgesamt rechnen 83 Prozent der Befragten damit, dass Russland nicht nur die den gesamten Donbass kontrollieren will, sondern die Ziele des Kreml noch weitergehen - wie es auch russische Hardliner wie etwa Ex-Präsident Dmitri Medwedew propagieren.

Eine Mehrheit der Ukrainer ist zudem gegen einen Rückzug der eigenen Truppen aus dem noch kontrollierten Teil der östlichen Region Donezk im Gegenzug für Sicherheitsgarantien der USA und Europas. Rund 54 Prozent der Ukrainer lehnen dies kategorisch ab. Etwa 39 Prozent würden dies widerstrebend akzeptieren. "Zudem erwarten diejenigen, die zu einer Zustimmung bereit sind, recht umfassende Sicherheitsgarantien", sagte der geschäftsführende Direktor des KIIS, Anton Hruschezkyj. "Sollte das Niveau der Garantien also niedriger ausfallen als erwartet, wird die Zustimmung zu einem solchen Vorschlag noch geringer sein."

Die Ukraine dringt auf rechtsverbindliche Garantien, um künftige russische Aggressionen zu verhindern, da sie früheren Zusagen misstraut. Die Regierung in Kiew steht zudem unter dem Druck der USA, rasch einem Friedensabkommen zuzustimmen.

Ukrainer sehen Verhandlungen skeptisch

Die Umfrage von Anfang Januar unter 601 Personen auf ukrainisch-kontrolliertem Gebiet zeigt zudem eine generelle Skepsis gegenüber den laufenden Verhandlungen und den Verbündeten. Fast 70 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die Gespräche zu einem dauerhaften Frieden führen werden. Rund 57 Prozent gehen davon aus, dass Russland im Falle eines Waffenstillstands an den jetzigen Frontlinien und mit Sicherheitsgarantien erneut angreifen würde. Selbst wenn Garantien gegeben würden, glauben 40 Prozent, dass die USA im Falle einer neuen russischen Invasion keine Unterstützung leisten würden, während 39 Prozent vom Gegenteil ausgehen.

Die Ukraine weigert sich, den russischen Forderungen nachzugeben und Gebiete abzutreten, die sie im Osten des Donbass noch kontrolliert. Russland beherrscht fast die gesamte Region Luhansk, während Kiew noch etwa 20 Prozent von Donezk mit strategisch wichtigen Garnisonsstädten und Verteidigungslinien hält. Russland hat öffentlich wenig Interesse gezeigt, seine Forderungen zu verringern. Stattdessen haben die russischen Streitkräfte ihre Luftangriffe verstärkt und die bereits stark beschädigte Energieinfrastruktur weiter zerstört.

Quelle: ntv.de, ghö/rts

RusslandKriegsverbrechenFriedensgesprächeAngriff auf die UkraineUSAKriege und Konflikte