Kommentare

Trump und sein "Friedensrat"Der Kaiser ist nicht nackt, eine Witzfigur ist er trotzdem

22.01.2026, 13:22 Uhr b58b01e6-b3b2-4108-ace9-39b8c6dbd390Ein Kommentar von Hubertus Volmer
00:00 / 03:06
US-Praesident-Donald-Trump-hoert-nach-der-Unterzeichnung-einer-Charta-des-Board-of-Peace-waehrend-des-Jahrestreffens-des-Weltwirtschaftsforums-Rednern-zu
Donald Trump bei der Unterzeichnung der "Charta" seines "Board of Peace", seines Friedensrates. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

In Davos lässt US-Präsident Trump von 19 Staats- und Regierungschefs die "Charta" seines "Friedensrats" unterzeichnen. Es ist die peinliche Vorstellung eines Mannes, der immer nur über sich selbst spricht.

Das Wappen dürften zeigen, worum es eigentlich geht: Nordamerika in Gold. Donald Trump will sich mit seinem "Friedensrat" mutmaßlich bereichern, auf jeden Fall aber seiner Selbstverliebtheit neue Nahrung geben. Und so sprach er in seiner wieder einmal sehr assoziativen Rede davon, wie großartig er selbst ist.

Trump sprach sogar über seinen Wahlsieg von 2024 und dass er dabei alle sieben Swing States gewonnen habe. Er behauptete sogar, wieder einmal, sein Vorgänger Joe Biden habe vier Jahre zuvor nur durch "Betrug" gewonnen.

"Wir haben Frieden im Nahen Osten, niemand hielt das für möglich", sagte Trump und meinte den Gazastreifen. "Wir haben acht Kriege beendet." Wie schon am Vortag und viele Male zuvor sagte Trump, er habe gedacht, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden sei am einfachsten, aber da habe er sich geirrt. Später sagte er noch, es sei schwierig, Frieden im Gazastreifen zu schaffen.

Die Welt sei friedlicher und sicherer als vor einem Jahr, sagte Trump wahrheitswidrig. "Viele Leute, mich eingeschlossen, wussten gar nicht, wie viele Kriege da am Laufen waren", und dann habe er eigenhändig "acht Kriege in neun Monaten" beendet.

"Ihr seid Stars", sagt Trump seinen Claqueuren

Dass Trump bei der Gründung eines "Friedensrats" Militäraktionen lobte, fiel da kaum noch auf - darunter auch den Angriff auf Venezuela, bei dem das US-Militär großartige Arbeit geleistet habe. "Der Schlag war unglaublich."

Über seinen "Friedensrat" behauptete Trump: "So ziemlich jedes Land will da mitmachen." Tatsächlich saßen 19 Staats- und Regierungschefs auf der Bühne und beklatschten Trump artig. Kein relevanter Europäer war darunter. Lediglich Außenseiter Viktor Orbán gehörte zu der Gruppe, die sich bereitwillig von Trump vorführen ließ. "Einige davon mag ich, einige mag ich nicht so", sagte Trump über seine Gäste, bevor er hinzufügte, eigentlich möge er doch alle. Ziel sei der Weltfrieden. "Ihr seid Stars, ihr seid die mächtigsten Leute der Welt."

Das alles war so lächerlich, dass man Witze darüber machen müsste, wäre der Initiator nicht die mächtigste Person der Welt. Ein Vergleich zum Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen wäre falsch: Dieser Kaiser ist nicht nackt, er ist sehr mächtig.

Schließlich gratuliert ihm seine eigene Sprecherin Karoline Leavitt. Sie ist es auch, die verkündet, dass die "Charta" des "Friedensrats" nun in Kraft getreten sei. Der Imperator mag mächtig sein. Eine Witzfigur ist er trotzdem.

Quelle: ntv.de

Weltwirtschaftsforum DavosDonald TrumpDavos