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Streit um von der Leyen Die SPD sollte mit dem Jammern aufhören

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Ursula von der Leyen: Frau, deutsch - und der SPD dennoch nicht recht.

(Foto: dpa)

Die SPD ist entrüstet: Die Nominierung von der Leyens als EU-Kommissionspräsidentin ist undemokratisch, das Verfahren peinlich. So recht die Sozialdemokraten haben - sie sollten das laute Wehklagen schnellstmöglich einstellen.

Ja, liebe SPD, es stimmt schon: Dass Ursula von der Leyen jetzt EU-Kommissionspräsidentin werden soll, ist für uns Wähler ein schlechter Scherz. Wir haben bei der Europawahl in dem Glauben abgestimmt, dass einer der Spitzenkandidaten den Top-Job bekommt. Und ja, auch das ist richtig: Merkel, Macron und Co. haben beim Kandidaten-Wünsch-Dir-Was ein peinliches Schauspiel aufgeführt. Und trotzdem: Weiter zu jammern bringt der SPD nichts - im Gegenteil.

Schon jetzt kann man sehen, mit welchen Argumenten CDU und CSU den Koalitionspartner spielerisch leicht in die Ecke drängen können: Die SPD wolle wirklich die erste Deutsche an der EU-Spitze seit 1967 verhindern!? Die SPD sei gegen die allererste Frau in dem Amt überhaupt!? Und wollen die Sozialdemokraten im Ernst, dass von der Leyen in zwei Wochen vom EU-Parlament abgelehnt wird? Dann würde die EU in eine noch tiefere Krise stürzen - und mit schuld wäre die SPD.

Noch sagen zwar laut einer Forsa-Umfrage für RTL und n-tv 50 Prozent der Wähler, einer der Spitzenkandidaten hätte Kommissionschef werden sollen - und nicht Ursula von der Leyen. Doch je länger diese Diskussion läuft, umso mehr bekommt der Wähler mal wieder den Eindruck, in der Großen Koalition gehe es nur um Personen, nicht um Inhalte. Am Ende schadet das dem, der die Diskussion führt: der SPD.

Deshalb kann man der SPD gerade nur eines raten: Das Thema nicht weiter aufblasen, die Diskussion auskugeln lassen - oder echte Konsequenzen ziehen, also die Große Koalition verlassen. Doch das wird die Partei mit Recht nicht tun - denn dafür taugt das Thema von der Leyen zu wenig zum Aufreger. Die SPD sollte also die Finger lassen von einem Streit, in dem sie Recht hat - und den sie doch nicht gewinnen kann.

Quelle: n-tv.de