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Kandidat von Söders Gnaden Laschet hat den Job, die Macht hat er nicht

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Laschet erwähnte Söder in seinem Statement mehrfach und dankte ihm ausdrücklich - es ist klar, wer hier von wem abhängig ist.

(Foto: picture alliance/dpa)

Armin Laschet hat den Machtkampf gegen Markus Söder gewonnen. Seine Position als Kanzlerkandidat der Union muss er allerdings erst noch durchsetzen. Das dürfte schwer werden, sehr schwer.

Wenn deutsche Kaiser des Mittelalters die Reichsinsignien entgegennahmen, waren sie keineswegs auf dem Höhepunkt ihrer Macht angekommen. Das Reich war zwar eine Wahlmonarchie. Aber die Frage, ob ein Herrscher sich durchsetzen konnte, hing nicht allein von der Entscheidung der Kurfürsten oder von der Krönung ab. Ein Kaiser war dann mächtig, wenn er auf die Unterstützung der Reichsfürsten zählen konnte. Er musste sie unterwerfen oder ausschalten.

Viel geändert hat sich seither eigentlich nicht. Auch in der Demokratie wird Macht durch formale Akte verliehen, durch freie, allgemeine und gleiche Wahlen. Aber wirklich mächtig ist nur, wer seine Gegner einbinden oder beseitigen kann. Das gilt auch für Armin Laschet. Der CDU-Chef ist heute zwar von seinem Kontrahenten Markus Söder zum Kanzlerkandidaten ausgerufen worden. Unterworfen hat sich der bayerische Landesfürst jedoch ganz und gar nicht. Laschets Macht als Kanzlerkandidat und damit auch als Parteivorsitzender ruht auf einem höchst wackeligen Fundament.

Wohl hat ihm Söder die Unterstützung der CSU zugesichert. Aber er hat dies auf eine Art und Weise getan, die keinen Zweifel daran lässt, dass er sich selbst noch immer für den weitaus besseren Kandidaten hält. Söder zählte bei seinem kurzen Auftritt am Vormittag nicht nur ausführlich auf, wie groß und wie breit die Unterstützung für ihn aus der Bevölkerung und aus der CDU war. Er sagte auch, für ihn sei es wichtig, "dass wir als neue CSU in diesen schwierigen Zeiten Anstand und Stil zu einem Grundprinzip der Gemeinsamkeit setzen".

Darth Söder scheint tatsächlich tot zu sein

"Neue CSU", das kann man problemlos übersetzen mit "der neue Söder". 2018 wechselte der "Star Wars"-Fan bekanntlich auf die "helle Seite der Macht"; er selbst hat diese Metapher mehrfach verwendet, natürlich ohne darauf hinzuweisen, dass er zuvor ausführlich auf der dunklen Seite unterwegs gewesen ist. So lange ist das noch nicht her. In den Tagen des Machtkampfes gegen Laschet fühlten sich nicht wenige an den alten "Darth Söder" erinnert, wie er damals mitunter genannt wurde.

So skrupellos wie in der Zeit, als er Horst Seehofer erst als Ministerpräsident, dann als CSU-Chef aus dem Weg räumte, war Söder dieses Mal nicht. Unabhängig davon, wie man zu ihm oder zu Laschet steht: Für die Union ist das eine gute Nachricht. Denn nicht nur für Laschet, auch für die CDU stand zu viel auf dem Spiel. Was hätte es für das ohnehin schon komplizierte Verhältnis von CDU und CSU bedeutet, wenn die kleine Schwester den Kanzler stellt? Fragen wie diese müssen, Stand jetzt, nicht beantwortet werden.

Das ändert nichts daran, dass Laschet es zwar geschafft hat, den Job des Kanzlerkandidaten zu erringen. Die Macht, die er braucht, um diese Position auszufüllen, hat er jedoch nicht. In den Statements der beiden Parteivorsitzenden kam das sehr deutlich zum Ausdruck. Während Söder Laschet eigentlich nur erwähnte, weil es sich nicht vermeiden ließ, hat der CDU-Vorsitzende dem Bayern mehrfach und ausführlich gedankt. "Gemeinsam werden wir dieses Land in die Zukunft führen und Markus Söder wird eine zentrale Rolle dabei spielen", sagte Laschet. Er werde sich weiterhin "täglich, zweitäglich, wöchentlich, wann immer es nötig ist, mit ihm abstimmen".

Es ist klar, wer hier von wem abhängig ist, klar, bei wem die Macht liegt - mit seiner neugewonnenen Macht in der Union kann Söder Laschet jederzeit vor sich hertreiben. Um die Union nun zusammenzuführen, um die Umfragen zu drehen und die Wahl zu gewinnen, ist Laschet auf all jene angewiesen, die ihn gern verhindert hätten - allen voran auf Söder. "Die CDU gewinnt diese Wahl nicht ohne CSU und umgekehrt", sagte Laschet heute. Er ist, jedenfalls vorläufig, ein Kanzlerkandidat von Söders Gnaden. Wenn dessen Statement von heute einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf gegeben hat, dann hat Laschet durchaus Grund zur Nervosität.

Quelle: ntv.de

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