Kommentare

AKK hatte keinen Plan Merkel korrigiert ihren krassen Fehler

127001477.jpg

Schon da schwer angeschlagen: Kramp-Karrenbauer neben Merkel auf dem CDU-Parteitag im November 2019.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Kanzlerin hat Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden gemacht. Schon wenige Wochen nach der Wahl kamen Zweifel auf, ob Merkel ihren untrüglichen Instinkt verloren hatte. Nun half sie, ihre Nachfolgerin abzusägen. Gut so.

Wer Annegret Kramp-Karrenbauer erlebt hat, wie sie nach dem Thüringen-Debakel wortlos an einem Kamerateam vorbeiging und später - völlig verunsichert - von einem Sprechzettel ablas, was sie zur Lage in Erfurt zu erklären hatte, wusste: Die CDU-Vorsitzende ist massiv angeschlagen. Während in Deutschland der Sturm der Entrüstung losgebrochen war, schwieg sie, ehe sie im EU-Parlament nach Rücksprache mit der Berliner Parteizentrale ein paar Worte haspelte. Kramp-Karrenbauer wirkte ängstlich, ja nichts Falsches zu sagen, um nicht selbst Opfer des Debakels zu werden.

Nach klarer Haltung, die sie zur AfD eigentlich hat, und Führungsstärke sah das nicht aus. Das EU-Parlament und später ein Millionenpublikum vor den Fernsehern wurden Zeugen von Kramp-Karrenbauers Hilflosigkeit und Überforderung. Es war zu spüren: Sie hatte keinen Plan. Obwohl sie selbst davor gewarnt hatte, dass Erfurt zu einer Zäsur werden könnte, blieb sie nicht in Berlin - schon das war ein fataler Fehler. Ihr Handeln war ein Beleg für das, was schon immer im Raum stand: Kramp-Karrenbauer kann es nicht, sie war nie in der Lage, eine Partei von der Größe der CDU zu führen und die Fliehkräfte an den Flügeln zu mildern. Nein, die Frau hatte nie und nimmer das Zeug zur Kanzlerin.

Die mediale Wucht Berlins hatte die nun schon wieder scheidende CDU-Chefin fatal unterschätzt. Dass in der Bundeshauptstadt - das kann man beklagen, aber als Politiker muss man damit umgehen - jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, erfuhr sie spätestens nach ihren Aussagen zu dem Spott-Video des Youtubers Rezo. Die Unterstellung, Kramp-Karrenbauer wolle das Internet zensieren, war boshaft. Doch hätte sie ihre Kritik dann anders und eindeutiger formulieren müssen. So wurde ihr Kauderwelsch zum PR-Desaster in eigener Sache, von dem sie sich nicht erholte. Von da an haftete an ihr das Image der Dilettantin.

Bald benahm sich Kramp-Karrenbauer nur noch wie das Kaninchen vor der Schlange. Sie handelte zaghaft und unbeholfen - oder schwieg. Dabei versuchte Merkel alles, ihr zu helfen, verschaffte ihr sogar einen Posten im Kabinett, bei dem Kramp-Karrenbauer immerhin eine gute Figur machte und zeigte, dass sie längst nicht so ungeschickt ist, wie sie öffentlich rüberkam. In der Bundeswehr jedenfalls ist die Verteidigungsministerin beliebt.

Merkel riskierte sogar, ihr eigenes Image als kühle und kluge Strategin zu zerstören. Denn sie war es, die Kramp-Karrenbauer auf den Schild gehoben und gegen Friedrich Merz im Ringen um den CDU-Vorsitz durchgesetzt hatte. Jetzt sägte die Kanzlerin ihren Schützling eiskalt wieder ab. Dass sie auf die falsche Person gesetzt hatte, muss der Regierungschefin schon früher gedämmert haben. Doch als Merkel spürte, dass Kramp-Karrenbauer die Erfurter Lage nicht in den Griff bekommen würde, zog sie die Reißleine und stellte ihre Nachfolgerin im Parteivorsitz öffentlich bloß. Kramp-Karrenbauer hatte den Parteifreunden in Erfurt mit Konsequenzen gedroht - was denen ziemlich egal war. Die Christdemokraten in Thüringen korrigierten erst ihren Kurs, als Merkel aus Afrika quasi intervenierte und nebenbei auch gleich noch den bisherigen Ostbeauftragten der Bundesregierung, Christian Hirte, feuerte, weil der sich nicht zur AfD abgrenzte.

Klare Kritik von Merkel

Was für den rechten Rand der CDU und für AfD-Sympathisanten als Politik nach DDR-Vorbild erschien, war für Merkels Anhänger klare Kante. Ihre Äußerung vom "unverzeihlichen Vorgang" galt den Christdemokraten in Erfurt und bewirkte mehr als alle Statements Kramp-Karrenbauers, deren Ende damit gekommen war. Man muss davon ausgehen, dass der Rücktritt nicht ohne Rücksprache mit Merkel erfolgte. Insofern hat die Kanzlerin ihren krassen innenpolitischen Fehler korrigiert, eine ungeeignete Nachfolgerin aufgebaut zu haben.

Der Rücktritt Kramp-Karrenbauers war unausweichlich und richtig. Nun muss die CDU aufpassen, nicht den Fehler der SPD zu begehen und in endlose Personaldebatten zu verfallen, wer die Partei übernehmen soll. Es darf in der Unionspartei kein Vakuum entstehen, das vor allem mit quälender Kakofonie gefüllt wird. Wahrscheinlich wäre eine Einigung auf nur einen Kandidaten die richtige Entscheidung. Eine weitere Kampfabstimmung würde zu neuem Zoff führen, der nur Schaden anrichtet. Denn die Flügel- und Richtungskämpfe dürften jetzt ohnehin in der Union schärfer werden. Offener monatelanger Streit wäre fatal. Bis zur nächsten Bundestagswahl ist Zeit genug, auch den nächsten Parteichef - es wird garantiert ein Mann - zu zerlegen. Das darf nicht passieren. Sonst erleidet die CDU endgültig das Schicksal der SPD.

Quelle: ntv.de