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Bloß kein "Weiter so" SPD sucht Führung - jetzt ist die Basis dran

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Nun soll es die Basis richten und der SPD wieder eine Führung verpassen.

(Foto: www.imago-images.de)

Die SPD sucht eine neue Führung und will ihre Mitglieder beteiligen. Auch eine Doppelspitze soll möglich sein. Bewerben kann sich jeder, der genügend Unterstützung mitbringt. Der Schritt ist nach dem Debakel um Andrea Nahles richtig und wichtig.

Parteivorsitzender der SPD war mal das "schönste Amt neben Papst". Gesagt hat das der ehemalige Parteichef Franz Müntefering. Diese Zeiten sind zumindest erstmal vorbei. Heute ist die Jobbeschreibung ziemlich anspruchsvoll. "Herausfordernd" hat es Manuela Schwesig, Teil der Interims-Führung, genannt. Mission: Rettung der Sozialdemokratie. Aber ohne die letzten Stammwähler zu verprellen. Unverbraucht soll die neue Führung sein, aber nicht unerfahren. Und die SPD soll für die jungen Wähler wieder attraktiv werden, ohne dabei die älteren zu verschrecken.

Eine große Aufgabe also. Warum die nicht auf mehrere Schultern verteilen? Dass die SPD jetzt eine Doppelspitze ermöglichen will, ist vor diesem Hintergrund konsequent. Eine Führungsfigur drängt sich bei der SPD ohnehin momentan nicht auf. Erst recht nicht, seit Spitzen-Genossen reihenweise abgewinkt haben. Bundesfinanzminister Olaf Scholz sowie die Länderchefs Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Stephan Weil - sie alle haben das Amt des Parteichefs abgelehnt.

Die Grünen machen es gerade vor

Eine Doppelspitze aus Mann und Frau wirkt nicht nur modern. Sie bringt auch den Vorteil, unterschiedliche Strömungen in der SPD zu verkörpern und unter einen Hut zu bringen sowie eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Die Grünen machen ja gerade vor, wie es erfolgreich gehen kann.

Bewerben kann sich bei den Sozialdemokraten nun jeder, der sich den Job zutraut. Teams aus Mann und Frau können antreten und Einzelpersonen. Voraussetzung ist ausreichend Unterstützung. Von einem Landesverband zum Beispiel. Bewerbungsschluss ist der 1. September. Die Bewerber stellen sich dann auf sogenannten Regionalkonferenzen vor und am Ende entscheiden die Mitglieder. Gut so!

Alles andere wäre unglaubwürdig gewesen, zumindest dann, wenn es die Partei diesmal mit der oft bemühten Floskel "Es darf kein 'Weiter so' geben" ernst meint. Kein "Geklüngel" in Hinterzimmern, kein Proporz, keine Taktiererei. Jetzt entscheidet die Basis! Der ausgelaugten SPD dürfte das gut tun, auch weil es die Mitglieder motiviert mitzumachen und mitzugestalten. Gut möglich, dass die Genossen also aus dem Debakel um Andrea Nahles gelernt haben.

Bis zum nächsten Papst-Vergleich wird es dauern

Damals, im Februar 2018, hatte man es nämlich anders gemacht: Martin Schulz trat als Parteichef zurück und Andrea Nahles in seine Fußstapfen. Ungeachtet dessen, dass sich viele fragten, wie denn ausgerechnet sie für die Erneuerung der Partei stehen soll. Immerhin war Nahles zuvor schon Juso-Vorsitzende, Generalsekretärin und Bundesarbeitsministerin und damit eines eben nicht: ein Neu-Anfang. Und als es dann eine Gegenkandidatin gab, reagierte die Parteiführung verstimmt. Nach dem Motto: "Was erlauben Basis?!" Dass es Andrea Nahles als Parteichefin schwer hatte, war auch eine Folge dessen. Die Basis nahm ihr die Erneuerung nicht ab.

Das Verfahren ist also eine Chance für die Partei. Es ist auch die Chance, wieder für mehr Zusammenhalt zu sorgen. Nach Streitereien um die Frage, ob die Große Koalition nun die richtige ist oder nicht, und nachdem man Andrea Nahles regelrecht weggeekelt hatte, dürften sich viele in der Partei danach sehnen.

Zwei große Herausforderungen bleiben allerdings. Die Partei ist inhaltlich ausgelaugt. Die SPD muss wieder zeigen, wofür sie steht und wofür sie gewählt werden soll. Und sie wird eine Entscheidung treffen müssen. Darüber, ob sie in der ungeliebten Großen Koalition bleiben will oder ob sie hinwirft. Es dürfte also eine ganze Weile dauern, bis das Amt des Parteivorsitzenden wieder mit dem des Papstes verglichen wird.

Quelle: n-tv.de

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