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Kandidat für den Übergang Warum Merz jetzt der richtige CDU-Chef ist

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Nach längerer Pause sitzt Friedrich Merz nun wieder im Bundestag, bislang als einfacher Abgeordneter.

(Foto: imago images/Chris Emil Janßen)

Zweimal hat die CDU Friedrich Merz nicht zum Vorsitzenden gemacht, zweimal gab es gute Gründe für diese Entscheidung. Jetzt ist die Situation eine andere. Jetzt ist das konservative Lager dran.

Neuanfang mit einem Politiker im Rentenalter? Mit einem, der nach langer Pause wieder ins Geschäft eingestiegen ist und keine Regierungserfahrung vorweisen kann? Das kann eigentlich nur schiefgehen. Oder?

Die CDU hat sich zweimal knapp gegen Friedrich Merz als Parteichef entschieden. Schon damals mochten seine Anhänger ihn vor allem, weil er über Jahre als scharfer Kritiker der Kanzlerin aufgetreten war. Innerparteilich wurde er etwas, was Angela Merkel für viele Wählerinnen und Wähler bis heute ist: eine Projektionsfläche für eigene Wünsche und Ansichten.

Im Wahlkampf auf einen wie Merz zu setzen, auf einen Anti-Merkel, wäre für die Union ein hohes Risiko gewesen. Zweimal wählten Parteitage daher nicht ihn zum CDU-Vorsitzenden, sondern erst Annegret Kramp-Karrenbauer, dann Armin Laschet. Beide kamen aus dem Merkel-Flügel, beide versuchten, den konservativen Teil ihrer Partei anzuhören, einzubinden und zufriedenzustellen. Geklappt hat es nicht.

Jetzt sind die anderen dran

Es ist nicht ganz fair zu sagen, dass Kramp-Karrenbauer und Laschet gescheitert sind. Die Bedingungen, mit denen sie es zu tun hatten, waren ungewöhnlich schwierig. Aber gescheitert sind sie, und deshalb sind jetzt die anderen dran. Die anderen, das ist vor allem Friedrich Merz. Er löst bei seinen Anhängern zwar nicht mehr dieselbe Begeisterung aus wie noch vor drei Jahren. Aber unter konservativ-wirtschaftsliberalen Christdemokraten gibt es ausweislich von Umfragen und Stimmungsberichten keinen, der besser ankäme. Er steht geradezu für diesen Teil der Partei.

Die drei Wurzeln der CDU, auf die sich die scheidende Kanzlerin stets berufen hat, werden längst überlagert von einer Spaltung in Merkel- und Merz-Lager. Die einen wollen den Anschluss an eine sich verändernde Gesellschaft nicht verlieren. Die anderen sehen die Aufgabe der CDU darin, jene zu vertreten, die diese Veränderungen eher ablehnen.

Exemplarisch für die beiden Lager steht die Haltung zu einer geschlechterneutralen Sprache. Merz sagte im Wahlkampf, dass es wichtigere Themen gebe als den Genderstern, kam dann aber doch immer wieder darauf zurück. Laschet dagegen wandte sich im RTL-Triell zwar dagegen, "ganz normale Leute" zu überfordern. Aber er sagte auch, man müsse Männer und Frauen sprachlich "sichtbar machen" und "auch für anderes Sensibilität haben".

Merz wird hoffentlich selbst wissen, dass er - wie jeder, der zu diesem Zeitpunkt die Führung der CDU übernähme - nur ein Übergangsvorsitzender sein kann. Ob dieser Übergang erfolgreich wird oder ob die CDU da weitermacht, wo die SPD vor zwei Jahren aufgehört hat, das wird man sehen. Es wird auch davon abhängen, ob Merz schafft, was Kramp-Karrenbauer und Laschet nicht gelungen ist: den anderen Flügel anzuhören, einzubinden und zufriedenzustellen. Wenn Merz gewählt werden sollte und seine Wahl als Auftrag für einen konservativen Durchmarsch verstünde, dann behielten jene recht, die schon 2018 und 2020 davor warnten, eine CDU unter Merz nutze vor allem SPD und Grünen.

Quelle: ntv.de

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