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Zünden seine Bomben die Lunte?Trump führt einen "Es reicht mir jetzt"-Krieg gegen Iran

01.03.2026, 07:12 Uhr
imageEin Kommentar von Roland Peters, New York
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Trump verfolgte den Militäreinsatz im Iran gemeinsam mit seinem Team an seinem Wohnsitz in Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. (Foto: Daniel Torok/White House/dpa)

Im Nahen Osten fährt US-Präsident Trump an der Seite Israels Angriffe gegen den Iran - aus der Luft. Die Vorgeschichte birgt einige Ironie. Der Ausgang des Ganzen? Damit möchte Trump derzeit nichts zu tun haben.

Wenn es möglich gewesen wäre, hätte Donald Trump wohl schon früher im Iran angegriffen. Aber es hat gedauert. Die Flotte der US-Marine war bis Anfang Januar in der Karibik damit beschäftigt, die Entführung von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro vorzubereiten und durchzuführen. "Hilfe ist auf dem Weg", sagte der US-Präsident bereits am 13. Januar in Richtung der Demonstranten in der Islamischen Republik, die deren Widerstand gegen die Machthaber mit aller Gewalt brach.

Der Nahe Osten mit dem Iran und seinen Terrorgruppen auf der einen und Israel mit den Verbündeten der USA auf der anderen ist seit fast einem halben Jahrhundert ein Pulverfass. In seiner vorab aufgezeichneten Videobotschaft nannte Trump nicht den einen akuten Grund für die gemeinsamen Luftschläge gegen Israels Erzfeind. "Wir werden sicherstellen, dass sie nie wieder die Region destabilisieren." So lautet Trumps vage Zielvorgabe. Heißt: Genug herumgeeiert, es reicht mir jetzt.

Seit 2002, als das Atomprogramm der Islamischen Republik bekannt wurde, lag Feuer an der Lunte. Die Frage war und ist, wie es gelöscht werden kann, ohne dass der Funke auf die Region überspringt. Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben sich für offenen Krieg entschieden. Der US-Präsident hat vollkommen recht, wenn er sagt, kein US-Präsident vor ihm habe gewagt, was er nun anordnete: Bombt das Militär der Mullahs in Stücke. Ob sie das Pulverfass so zerschlagen können? Das Risiko ist enorm. Aber es könnte sich auszahlen.

Größter Aufstand seit 1979

Israel nutzt derweil die Gunst der Stunde: Solange Trump unverbrüchlich an seiner Seite steht, versucht das Land unter Führung Netanjahus sich seiner Feinde zu entledigen. In Gaza, im Libanon, nun im Iran. Im Juni vergangenen Jahres bombardierten die USA auf Bitten Israels bereits gezielt die Atomanlagen in der Islamischen Republik, Trump verkündete deren "totale Vernichtung"; was den Iran daran hindern würde, eine Atombombe zu entwickeln. Das ist die ultimative Angst der Vereinigten Staaten, Israels und auch Europas: Die kombinierte Bedrohung aus der Bombe und Raketen, die den Westen in nukleare Geiselhaft nehmen könnte.

Es wäre verständlich, dass die USA die kriegerische der diplomatischen Lösung vorziehen, wenn denn stimmt, was Trump sagte: Dass die iranische Führung sich in den Gesprächen mit Washingtons Sonderbeauftragten Steve Witkoff tatsächlich nicht verpflichten wollte, nie wieder ein Atomprogramm zu starten. Als die Revolutionsgarden den größten Aufstand der Iraner seit der Islamischen Revolution 1979 brutal niederschlugen, mehr als 30.000 Zivilisten töteten, da war womöglich der Punkt erreicht, an dem der US-Präsident entschied: Es muss mehr geschehen. "47 Jahre haben sie 'Tod den USA' gerufen", räsonierte Trump zudem, zählte detailliert die tödlichen Aktivitäten der Islamischen Republik auf. Die sei der weltweit größte Financier für "Massenterror" und eine Gefahr für die Nationale Sicherheit der USA.

Ja, die Lage ist nicht frei von Ironie. Die USA und Großbritannien selbst hatten die einzige iranische Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg per forciertem Putsch beendet. Der von ihnen gestützte Schah rief mit seiner elitenfreundlichen Politik die Islamische Revolution auf den Plan. Das ist der erste Treppenwitz der Geschichte. Der zweite: Trump brach ein Atomabkommen mit dem Iran, dass sein Vorgänger Barack Obama in dessen erster Amtszeit mit Unterstützung Europas ausgehandelt hatte. Das Abkommen stellte die iranischen Nuklearanlagen unter internationale Aufsicht der IAEA. Der Bruch des Abkommens ermöglichte die unkontrollierte Weiterentwicklung. Der dritte Treppenwitz ist, dass Trump ein Gegner von diplomatischen Organisationen und Werkzeugen wie der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist. Institutionen, die Kriege verhindern sollen. Kriege, wie den, den Trump jetzt führt.

Nur keine Fesseln anlegen lassen

Doch als Souveränist ist Trump davon überzeugt, er könne Konflikte eigenhändig besser lösen, als er es beschränkt durch die Fesseln internationaler Organisationen je könnte. Dass er und sein Umfeld so auch Geld verdienen und er sich als "Friedenspräsident" verkaufen kann, ist bestimmt nur Zufall. Das ist auch die Logik seines "Board of Peace" genannten Friedensrat, bei dem er sich auf Lebenszeit zum allmächtigen Vorsitzenden ernannte und seiner Vorstellung nach parallel zu den Vereinten Nationen agieren soll. Krieg durch Stärke, sagt Trump immer wieder. Krieg ist Frieden, heißt es nun für den Iran und die Region.

Aller Voraussicht nach wird es keinen Einmarsch und folgende Besatzung im Iran geben, so wie in Afghanistan und im Irak. Beide US-Feldzüge waren trotz des militärischen Erfolges auf ihre Weise gescheitert. Die Angriffe im ganzen Iran auf militärische Einrichtungen, Atom- und Raketenanlagen sowie weitere strategische Ziele sollen noch mindestens eine Woche weitergehen. Trump rief die iranische Bevölkerung dazu auf, sich davor in Sicherheit zu bringen, auszuhalten - und danach für ihre Freiheit die theokratisch-autoritäre Regierung zu stürzen.

Das Staatsoberhaupt, der konservative Ayatollah Ali Chamenei, wurde am ersten Tag der Angriffe getötet. Laut Israel wurden auch hochrangige Offiziere ausgeschaltet, darunter der Kommandeur der Revolutionsgarden, ein Schlüssel für die Unterdrückung im Land, sowie der Verteidigungsminister. Es sieht so aus, als hätten Trump und Netanjahu mit "Operation Epic Fury" den größten verfügbaren Stock in die Hand genommen, um damit nun gezielt im Ameisenhaufen des Nahen Ostens herumzustochern. Einige Könige haben sie bereits erwischt. Wer krönt sich an deren Stelle - und was geschieht bis dahin? Damit will Trump zumindest aktuell nichts zu tun haben.

Quelle: ntv.de

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