Baden-WürttembergNach Auftaktpleite: Hoffenheim hadert mit sich selbst

Die TSG Hoffenheim hat in Köln eine Halbzeit lang alles im Griff. Doch nach dem Wechsel verlieren die Kraichgauer die Kontrolle und letztlich das Spiel. Das ärgert die Spieler und den Trainer.
Köln (dpa/lsw) - Oliver Baumann war "ein wenig angepisst", für Patrick Wimmer war der Bundesliga-Fehlstart einfach nur "Scheiße". Nach dem 2:3 (1:0) beim 1. FC Köln beschrieben die Profis der TSG Hoffenheim ihre Gefühlslage mit drastischen Worten. "Es tut total weh, dass wir mit null Punkten nach Hause fahren", so Wimmer.
Zweimal führte die TSG durch Tore von Adam Daghim (27.) und Ozan Kabak (67.). Doch am Ende stand der Europa-League-Teilnehmer mit leeren Händen da, weil die Defensive nach dem Seitenwechsel dreimal nicht auf der Höhe war. Said El Mala (51.) und Thijs Dallinga (72./82.) bestraften das eiskalt. "Wir haben eine bittere Niederlage einstecken müssen. Das ist schade", befand TSG-Trainer Christian Ilzer.
Der Österreicher hatte nach dem Abpfiff eine plausible Erklärung parat, warum sein Team trotz zweimaliger Führung als Verlierer vom Platz ging. "Das Spiel ist zu wild geworden, genau das, was wir verhindern wollten. Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht mehr so klar, exakt und konsequent. Dadurch hat Köln Oberwasser bekommen", resümierte Ilzer und versprach: "Wir werden an den Punkten arbeiten und eine schlagkräftige Truppe entwickeln, die gewappnet ist für die vielen Spiele in dieser Saison."
Moerstedt scheitert vom Punkt
Ein weiterer Faktor war die mangelnde Effizienz im Angriff, wo sich das Fehlen des letztjährigen Top-Trios bemerkbar machte. Andrej Kramaric saß nach einer Leistenoperation nur auf der Bank, der Ex-Kölner Tim Lemperle fehlte wegen einer Gelb-Rot-Sperre und der wechselwillige Fisnik Asllani stand erst gar nicht im Kader.
Vor allem Max Moerstedt dürfte nach zwei vergebenen Großchancen eine unruhige Nacht gehabt haben. Vier Minuten nach seiner Einwechslung scheiterte der 20-jährige Stürmer mit einem Foulelfmeter an FC-Torwart Marvin Schwäbe, den Moerstedt nur 120 Sekunden später auch aus der Nahdistanz nicht überwinden konnte.
Vorwürfe für den Fehlschuss vom Punkt gab es aber keine. "Es gefällt mir an ihm, dass er Verantwortung übernimmt. Am Ende wird er daraus lernen, die vielen Nebengeräusche komplett auszublenden. Das ist ein Entwicklungsprozess", sagte Ilzer und stellte lapidar fest: "Es haben schon viele Spieler einen Elfmeter verschossen."
TSG muss an Konstanz arbeiten
Aus Sicht von Baumann fiel viel schwerer ins Gewicht, dass sein Team in der zweiten Halbzeit den Faden verlor. "Es ärgert mich, dass wir das Spiel aus der Hand gegeben haben. Wir hatten nicht mehr die Ruhe und die Kontrolle. Die Pleite war verdient", haderte der Nationaltorwart.
Man müsse aus den Fehlern lernen und in den kommenden Wochen intensiv an der nötigen Konstanz arbeiten. "Wir dürfen nicht zwei so unterschiedliche Halbzeiten haben und uns beeinflussen lassen von der Energie des Gegners. Wir müssen unserem Plan und Stil treu bleiben und es durchziehen", forderte Baumann.