Berlin & BrandenburgFernschach-Weltkongress kommt nach Neuhardenberg

Titel, Technik und Tradition: Beim Fernschach-Weltkongress in Neuhardenberg werden nicht nur neue Wege diskutiert. Geplant ist auch ein Nahschach-Turnier in besonderer Umgebung.
Neuhardenberg (dpa/bb) - Während Schachprofis am Brett oft nur wenige Minuten für eine Entscheidung haben, können Fernschachspieler tagelang analysieren, rechnen und Varianten vergleichen. Vom 12. bis 14. Oktober 2026 wird diese besondere Form des Spiels im Mittelpunkt stehen: Dann richtet der Deutsche Fernschachbund (BdF) auf Schloss Neuhardenberg den internationalen Kongress des Weltfernschachverbandes ICCF aus. Parallel feiert der Verband sein 80-jähriges Bestehen.
"Alle zehn Jahre setzen wir uns zum Ziel, Gastgeber für die internationalen Fernschachspieler zu sein - jeweils zu unseren runden Jubiläen", sagt BdF-Präsident und Kongressorganisator Manfred Scheiba. Dass die Veranstaltung nach Deutschland kommt, sei keineswegs selbstverständlich. Neuhardenberg setzte sich gegen eine Bewerbung aus Manila, der Hauptstadt der Philippinen, durch.
Teilnehmer aus 24 Ländern werden erwartet
Rund 60 Teilnehmer aus 24 Ländern werden erwartet, darunter Gäste aus Peru, Südafrika, den Philippinen. Im Mittelpunkt stehen Beratungen über die Zukunft des Fernschachs. Diskutiert werden unter anderem die Modernisierung des Spielbetriebs, technische Entwicklungen und zahlreiche Anträge der nationalen Verbände. Außerdem sei ein Blitzschachturnier im Hangar des Flugplatzes Neuhardenberg geplant, so Scheiba.
Die Wahl des Tagungsortes fiel dabei bewusst auf Neuhardenberg. "Hier habe ich mit dem Schloss ein Ambiente und mit dem Flugplatz eine gute Logistik", sagt der 68-jährige Scheiba, der selbst in Neuhardenberg lebt. Doch der Kongress ist mehr als eine Arbeitstagung. Zahlreiche Spieler erhalten dort Titel und Auszeichnungen, die sie in den vergangenen Jahren errungen haben.
Das Fernschach selbst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Wo früher Postkarten und Briefe über Sieg und Niederlage entschieden, bestimmen heute überwiegend Computerprogramme und Datenbanken den Alltag. "Früher musste ich ein Schachbuch aus dem Regal holen und die Variante suchen", erzählt Scheiba. "Heute gebe ich eine Stellung in den Computer ein und habe in wenigen Minuten Hunderte Partien dazu."
Den besonderen Reiz sieht der langjährige Fernschachspieler dennoch nicht in der Technik, sondern in der Tiefe des Spiels. "Beim Nahschach muss ich schnell reagieren. Im Fernschach kann ich viel tiefer analysieren und genau überlegen, welche Stellung ich erreichen möchte." Zeit ist genug da: Bei einer Variante des Fernschachs haben die Spieler 50 Tage Zeit für zehn Züge.
Pro Zug eine Postkarte - das war damals
Seine erste Fernschachpartie spielte Scheiba als Schüler 1973. Während seiner Armeezeit half ihm sogar seine Mutter dabei, die Züge weiterzuleiten und die Post zu verschicken. "Sie musste nur die Nummern aufschreiben, die ich ihr gesagt habe", erinnert er sich schmunzelnd. Beim klassischen Fernschach notieren die Spieler ihre Züge jeweils auf eine Postkarte. Turniere können sich daher über Jahre ziehen - auch heute noch wegen der langen Bedenkzeiten.
Bis heute schätzt Scheiba vor allem die internationalen Kontakte, die durch das Fernschach entstehen. "Man kommt mit Menschen in Kontakt, die man sonst nie kennenlernen würde. Man spricht nicht nur über Schach, sondern auch darüber, was in ihren Ländern passiert, zum Beispiel über einen Tornado in den USA."