Berlin & BrandenburgMann in Café angeschossen - "Gewalt als Dienstleistung"

Wo kommen eigentlich all die Waffen her, mit denen in Berlin gedroht und auch geschossen wird? Oft sind es keine originalen Pistolen der großen Herstellerfirmen.
Berlin (dpa/bb) - In einem Café in Berlin-Neukölln ist ein Mann gezielt angeschossen und schwer verletzt worden. Der Täter trat am späten Montagabend in dem Café an den Mann heran und schoss ihm ins Bein, wie die Polizei mitteilte. Alarmierte Polizisten fanden den 40-jährigen Mann auf dem Gehweg mit einer blutenden Schusswunde im Bein. Der Täter flüchtete mit einem Auto. Der verletzte Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort stationär aufgenommen.
Mehr als tausend Ermittlungen zu Schusswaffen
Nun ermittelt die Sondereinheit des Landeskriminalamtes (LKA) "Ferrum". Sie wurde vor knapp einem Jahr wegen der zahlreichen Gewaltdelikte und Schießereien in Berlin gebildet. Sie arbeite mit etwa 100 Mitgliedern "ohne festes Enddatum" und der Lage angepasst, hieß es. Oft geht es um die Erpressung von türkischstämmigen Laden- und Restaurantbesitzern durch organisierte Banden aus der Türkei.
Insgesamt 1.084 Ermittlungsverfahren zur Schusswaffenkriminalität wurden von November 2025 bis August 2026 eingeleitet, teilten Polizei und Senat in einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Burkard Dregger mit.
Polizei spricht von "Gewalt als Dienstleistung"
Viele Taten werden demnach von eigens über das Internet angeheuerten Kriminellen verübt. Die Polizei sprach von dem Phänomen "Violence as a Service" (Gewalt als Dienstleistung). Die Vorbereitung und Durchführung von Gewalthandlungen werde gegen Bezahlung an Dritte ausgelagert.
Die von den Tätern genutzten Pistolen sind demnach oft nachgebaute Waffen aus der Türkei. Meistens seien es Fälschungen und Imitationen von Pistolen-Modellen ausländischer Waffenhersteller. "Diese werden nach bisherigen Erkenntnissen zumeist auf dem Landweg aus der Türkei nach Westeuropa transportiert, wie u. a. Sicherstellungen im Rahmen von Kontrollen an den entsprechenden Grenzübergängen belegen", hieß es von Senat und Polizei.