HessenNach Einsturz: Neues Dach für Elisabethkirche bis Jahresende

Die Kirche soll nach der Öffnung wieder für Gottesdienste und Kultur genutzt werden. Zur documenta ist eine Klanginstallation geplant – mit Material der zerstörten Orgel.
Kassel (dpa/lhe) - Vor fast drei Jahren ist das Dach der Elisabethkirche in Kassel eingestürzt. Jetzt bekommt das Gotteshaus ein neues Dach. "Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein", sagte der Diözesanbaumeister des Bistums Fulda, Martin Matl, der vor Ort über die Arbeiten informierte. Das Dach war am 6. November 2023 auf voller Länge eingestürzt. Ein Kirchenmitarbeiter, der zum Zeitpunkt des Einsturzes im Gebäude war, blieb unverletzt.
Das anschließend installierte Notdach wurde laut Matl kürzlich abgebaut. "Derzeit werden 16 vorgefertigte Dachbinder auf das Mauerwerk aufgesetzt." Im Anschluss werde die Dachhaut montiert. Bislang sei rund eine Million Euro in den Wiederaufbau geflossen. Zu den Gesamtkosten bis zum Abschluss der Arbeiten machte der Diözesanbaumeister zunächst keine Angaben.
Zu wenig Kleber als Ursache für Einsturz
Zum Einsturz des Daches hatte einem Gutachten aus dem Jahr 2024 zufolge ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren geführt. Demnach war die Verleimung der Holzträger aus heutiger Sicht mangelhaft. Die Träger hätten nach dem heutigen Stand der Technik größer dimensioniert sein müssen. Zudem traten über Jahre hinweg witterungs- und konstruktionsbedingte zusätzliche Spannungen in der Dachkonstruktion auf.
Eine nachträgliche Materialprüfung durch Wissenschaftler der Universität Kassel bestätigte kürzlich, dass fehlender beziehungsweise unregelmäßig aufgetragener Leim der Grund für den Dacheinsturz war. Bauingenieur Werner Seim und sein Team untersuchten die Dachbalken sowie die Verbindungen der Holzbauteile. In beinahe allen Proben habe Klebstoff gefehlt, Holzteile seien unregelmäßig geleimt gewesen, erklärte Seim. "Die Klebung ist eben nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden." Von außen sei das Problem nicht zu erkennen gewesen.
Innenraum wird nicht saniert
Über die Innengestaltung der Kirche soll laut Matl erst später entschieden werden. "Der Bau wird zunächst nicht weiter saniert und in seinen Ursprungszustand zurückversetzt", erläuterte er. "Wir werden ganz bewusst in den kommenden Jahren mit einem Zwischenzustand leben, der den Raum zwar nutzbar macht, aber all seine Beschädigungen, die Unfertigkeit von mancher auch unperfekten oder nicht zu Ende sanierten Situation wird hier zunächst mal bestehen bleiben."
Dennoch werde der Raum wieder genutzt werden können. "Das ist für uns auch Ausdruck einer Situation von Kirche, die eben dieses Vorläufige, das Imperfekte mit sich bringt."
Klanginstallation zur documenta 16 geplant
Nach Öffnung der Kirche sollen dort unter anderem wieder Gottesdienste angeboten werden, sagte Marcus Leitschuh von der Pfarrei Sankt Elisabeth. "Es soll wieder eine Mischung aus Gottesdienst, Gebet, aus Kultur, aus Öffnung für die Stadt, auch für Veranstaltungen, geben." Im Rahmen der Weltkunstausstellung documenta im kommenden Jahr wird laut Leitschuh in der Kirche eine Klanginstallation des Musikers Jan Stephan Werner eingerichtet, die mit dem Material der bei dem Einsturz zerstörten Orgel arbeitet.