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Berlin & BrandenburgNeuer Zugang zu Ukraine-Archiv für deutsche Historiker

11.03.2026, 13:26 Uhr
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Brandenburger Forscher können stärker als bisher Archivbestände des ukrainischen Sicherheitsdienstes zur NS- und zur DDR-Zeit auswerten. Was eine neue Kooperationsvereinbarung noch beinhaltet.

Berlin (dpa/bb) - Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten arbeitet bei ihren Forschungen zum Nationalsozialismus, zur sowjetischen Besatzungszone und der DDR künftig eng mit der Ukraine zusammen. Vertreter der Stiftung und des Historischen Archivs des Sicherheitsdienstes der Ukraine unterzeichneten dazu in Berlin eine Kooperationsvereinbarung.

Die Kooperation schließt Forschungen zu den Konzentrationslagern und Haftorten in Sachsenhausen, Ravensbrück, Lieberose, Brandenburg/Havel und in der Leistikowstraße in Potsdam mit ein, wie die Beteiligten mitteilten. Das gelte auch für Forschungen zur Militärspionageabwehr der Roten Armee, zum ukrainischen Ministerium für Staatssicherheit (MGB) und zum ukrainischen Kommissariat für Staatssicherheit (KGB).

Zugang zu Archivbeständen

Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist den Angaben zufolge, dass Wissenschaftler der Gedenkstättenstiftung Zugang zu Beständen des ukrainischen Archivs bekommen und bei ihren Recherchen unterstützt werden. Außerdem sieht der Kooperationsvertrag einen regelmäßigen Austausch zwischen beiden Institutionen vor, gemeinsame Konferenzen, Seminare, Weiterbildungen und Publikationen.

Die Vertragsunterzeichnung fand in der ukrainischen Botschaft in Berlin statt. "Ich hoffe sehr, dass die engeren Beziehungen zwischen beiden Institutionen dazu beitragen werden, historische Fakten künftig noch stärker auf der Grundlage ukrainischer und deutscher Quellen gemeinsam zu erforschen", erklärte Botschafter Oleksii Makeiev.

Botschafter hofft auf neuen Ansatz

"Ein solcher direkter Zugang zu Archiven und wissenschaftlicher Austausch kann dazu beitragen, historische Entwicklungen differenzierter zu verstehen und die Geschichtsforschung in Deutschland zunehmend von über Jahrzehnte prägenden russischen Deutungsmustern zu lösen."

Zeichen der Solidarität

Stiftungsdirektor Axel Drecoll erklärte, er verstehe die neue Kooperation auch als gelebte Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und speziell den Forschern des Archivs in Kiew. Sie würden im Zuge des russischen Angriffskrieges auf ihr Land täglich von Raketen und Drohnen bedroht.

Trotz der schwierigen Bedingungen infolge des Krieges hätten Vertreter der Stiftung bei bisherigen Rechercheanfragen in dem Archiv stets große Unterstützung erfahren. "Wir freuen uns darauf, diese gewachsene Kooperation auszubauen und zu intensivieren. Wir hoffen sehr, dass dies bald in Frieden, Freiheit und Sicherheit für uns alle geschehen kann", so Drecoll.

Quelle: dpa

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