Berlin & BrandenburgVergewaltigung im Jugendclub? - Bericht wird vorgestellt

Ein Mädchen soll in einem Jugendzentrum von Teenagern vergewaltigt worden sein. Die Einrichtung wird geschlossen. Experten untersuchen den Fall. Nun kommen die Ergebnisse.
Berlin (dpa/bb) - Nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln wurde die Einrichtung vorerst geschlossen. Eine unabhängige Kommission untersuchte den Fall, "um die Vorfälle sexualisierter Gewalt im Jugendclub aufzuklären, den Umgang damit zu untersuchen und Empfehlungen für die Zukunft zu erarbeiten". Ergebnisse sollen am Freitag vorgestellt werden. Was bislang geschah:
Seit wann ist der Jugendclub geschlossen?
Das Jugendzentrum ist seit 13. März auf unabsehbare Zeit geschlossen. Zwar gibt es nach Angaben des Bezirksamtes im Jugendamt Überlegungen, unter welchen Umständen eine Wiedereröffnung möglich sein könnte. Einen genauen Zeitpunkt und konkrete Pläne gibt es aber noch nicht, wie ein Behördensprecher sagte. Laut der zuständigen Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) muss es vor einer Wiedereröffnung grundlegende Veränderungen und ein neues pädagogisches Konzept geben.
Was ist der Grund für die Schließung?
In dem Jugendclub soll eine 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Die Polizei erfuhr davon erst durch die Anzeige des Vaters im Februar 2026. Weder das Jugendzentrum noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks erstatteten Anzeige. Inzwischen ermitteln das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Berlin.
Warum wurden die Behörden erst spät eingeschaltet?
Dazu gibt es unterschiedliche Darstellungen. Es besteht der Verdacht, dass der Vorfall nicht gemeldet wurde, um die muslimischen mutmaßlichen Täter nicht zu stigmatisieren.
Das wies Stadträtin Nagel seinerzeit zurück: "Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen, wie dies in diversen Medienberichten behauptet wird." Laut ihrer Schilderung wurde die Betroffene "im gegenseitigen Einverständnis durch einen qualifizierten Träger der Mädchenarbeit betreut, der das Vertrauen des Opfers hat".
Das Jugendamt habe zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn dafür auch das Einverständnis des Opfers vorliege, so Nagel. Dies entspreche einer üblichen Vorgehensweise im Umgang mit Kindeswohlgefährdung bei Jugendlichen, sofern keine akute Gefahr bestehe.
Was sagt die Bildungsverwaltung?
Bildungs- und Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) kritisierte, dass weder die Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln zunächst Anzeige erstattete. Nach Angaben der Senatorin überprüft ihr Haus, ob alle Verantwortlichen die Vorgaben und Ausführungsvorschriften zum Kinderschutz eingehalten haben.
Was hat der Bezirk Neukölln veranlasst?
Jugendstadträtin Nagel hat eine unabhängige Kommission eingesetzt. Diese untersucht nach Bezirksangaben seit Ende April den Fall. Ziel sei die Aufklärung des Sachverhalts und eine Analyse von Fehlern, hieß es seinerzeit. Auch Empfehlungen für die Zukunft erhofft sich das Bezirksamt. Nun plant die Kommission, ihren Abschlussbericht der Öffentlichkeit vorzustellen.
Was ist mit den mutmaßlichen Tätern?
Von der Staatsanwaltschaft heißt es dazu, dass die Ermittlungen gegen mehrere Jugendliche andauern. Wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, ist nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft offen. Neben den Vorwürfen gegen mehrere Jugendliche geht es auch um Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung. Ermittlungen gegen die Jugendstadträtin Nagel wurden aber bereits im Juni wegen fehlenden Verdachts eingestellt.