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Sachsen-AnhaltWenn aus Drauflosschreiben bunte Geschichten entstehen

10.09.2026, 05:03 Uhr
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(Foto: Heiko Rebsch/dpa)

Sie tragen kreative Namen wie "BandSchreibenVorfall" oder "Leseturm" und treffen sich in Sachsen-Anhalt zum gemeinsamen Schreiben und Austausch. Was fasziniert Schreibgruppen in Zeiten von KI?

Halle/Merseburg (dpa/sa) - Ein Satz, ein Gegenstand, ein Gedanke - und dann einfach losschreiben. Was wie eine kleine Übung klingt, kann zum Ausgangspunkt für eine Geschichte werden. In Sachsen-Anhalt treffen sich Schreibende in Gruppen, lesen einander ihre Texte vor, diskutieren über Formen und Spannung und helfen sich gegenseitig bei der Überarbeitung. Dabei geht es nicht allen darum, einen Verlag zu finden. Für viele ist das Schreiben eine Möglichkeit, Gedanken zu ordnen und kreativ zu sein.

In Halle trifft sich etwa die Schreibgruppe "BandSchreibenVorfall" seit 2015. Sieben Menschen kommen einmal im Monat zusammen, jeweils am letzten Donnerstag. Leiterin ist Jeannette Drygalla. Sie hatte zuvor selbst das kreative Schreiben für sich entdeckt und Kurse gegeben.

Freude am Schreiben

"Wir haben beschlossen, das Schreiben zu intensivieren und auch sonst dranzubleiben", sagt Drygalla. Die Mitglieder kannten sich aus Schreibkursen. Was sie verbindet, ist bis heute weniger der Wunsch nach einer Karriere als Autorin oder Autor als die Freude am Schreiben.

Die Gruppe arbeitet mit Impulsen. Das kann ein Satz sein, aber auch ein Gegenstand. Daraus entstehen Texte, die zunächst nicht fertig sein müssen. Drygalla spricht von "Denken und Schreiben - Schreibdenken". Die Texte sind Rohmaterial, das anschließend gemeinsam betrachtet werden kann.

Für Drygalla ist kreatives Schreiben vor allem eine Form der Kommunikation. Die entscheidende Frage lautet für sie deshalb nicht unbedingt: Für welche Zielgruppe schreibe ich? Vielmehr geht es darum, "im Kopf aufzuräumen", loszulassen und kreativ zu sein. "Wir sind eine Gruppe der Kreativität", sagt sie. Dabei beschäftigen sich die Mitglieder auch mit Textstrukturen und Formen. Sie verstehen das Schreiben als eine "analoge Rückbesinnung auf das Leben oder das nach vorne gerichtete Entwickeln von Visionen."

Die Texte bleiben jedoch nicht zwangsläufig in der Gruppe. Die Mitglieder lesen auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Am 22. September 2026, um 18.00 Uhr, werden Texte zu den Arbeiten von Hagen Bäcker bei der Finissage zur Ausstellung "Streifschaft" im Operncafé Halle zu hören sein.

In Merseburg ist die Schreibgruppe "Leseturm" größer aufgestellt. Sie besteht seit 2011 und hat nach Angaben ihres Leiters Hans-Dieter Weber etwa 30 Mitglieder. Auch hier schreibt zunächst jeder für sich. Gemeinsam werden aber Lesungen organisiert, Projekte besprochen und Texte diskutiert.

Ein wichtiger Ort dafür ist die Hoppenhauptkirche in Beuna, einem Ortsteil von Merseburg. Die barocke Kirche aus dem Jahr 1725 wird heute als Kultur- und Veranstaltungsort genutzt. Die Gruppe bietet dort einmal im Monat eine Lesung an. Mitglieder tragen eigene Texte vor, außerdem werden Gäste, beispielsweise aus Thüringen und dem Erzgebirge, eingeladen.

Mitglieder treffen sich regelmäßig

Ein weiteres Projekt der Merseburger ist der jährliche Schreibaufruf. "Die eingesandten Texte werden in einer Anthologie veröffentlicht. Jedes Buch steht unter einem bestimmten Thema", sagt Weber. "In diesem Jahr geht es um Reisegeschichten."

Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder zudem zu Autorenrunden. Wer möchte, kann einen Text mitbringen und sich die Meinung der anderen einholen. Dabei verstehen sich die Mitglieder ausdrücklich als Hobbyautoren. "Wir haben nicht den Anspruch, damit Geld zu verdienen", sagt Weber.

Die Mitglieder geben einander Tipps. "Es gibt kein gut oder schlecht", sagt Weber. Gleichzeitig gibt es beim Schreiben durchaus handwerkliche Regeln - etwa die Frage, wie Spannung aufgebaut wird, damit ein Leser einen Text bis zur letzten Seite liest.

Auch in Pretzsch (Landkreis Wittenberg) treffen sich Schreibende regelmäßig einmal im Monat. Die "Pretzscher Textschmiede" besteht seit etwa fünf Jahren. Die Gruppe ist eine klassische Hobbyrunde: vier Frauen und ein Mann im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Leiterin ist Sybille Zugowski. Die Gruppe diskutiert eigene Texte, liest Passagen aus Büchern und setzt sich mit unterschiedlichen Formen des Schreibens auseinander. Die Themen geben sich die Mitglieder selbst. Es geht um Natur und persönliche Erfahrungen, aber auch um die Frage, welche Form zu einem Text passt. Textkritik gehört ebenfalls dazu.

Nach Angaben des Friedrich-Bödecker-Kreises Sachsen-Anhalt gibt es landesweit 200 bis 300 Autorinnen und Autoren.

Quelle: dpa

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