Hamburg & Schleswig-HolsteinDer Vogelzug beginnt - Tipps zum Beobachten

Von Feierabendausflug bis Tagestour: Der "Westküsten-Vogelkiek" bietet Highlights für Vogelfans und Einsteiger. Ranger und Experten verraten Plätze für individuelle Beobachtungen.
Tönning (dpa/lno) - Das Wattenmeer verwandelt sich wieder zur Drehscheibe des Vogelzugs. Millionen Zugvögel sind in diesen Wochen unterwegs auf ihrer Reise gen Süden und legen auf ihrem Weg in ihre Winterquartiere eine Pause im Wattenmeer ein. Dieses Naturschauspiel lockt jedes Jahr viele Menschen an, die die Vögel beobachten und mehr über den Vogelzug erfahren wollen.
Warum sammeln sich die Vögel jetzt so zahlreich im Watt?
Die massenhafte Vogelwanderung auf der Ostatlantischen Zugroute findet zweimal im Jahr statt. Das Wattenmeer sieht unscheinbar aus, bietet aber einen enormen Nahrungsreichtum und auch ungestörte Rastmöglichkeiten. Gut zehn Millionen Vögel nutzen den einmaligen Naturraum an der Nordseeküste, um sich für ihre Reise zu stärken. Auch wegen dieser Bedeutung für die Vögel ist das Wattenmeer nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF einzigartig auf der Welt und als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützt.
Jetzt im Herbst, wenn es in ihren Brut- und Sommergebieten im Norden Europas zu kalt und nahrungsarm wird, fliegen die Vögel teils über tausende von Kilometern in ihre Überwinterungsgebiete in Südeuropa oder Afrika, wie die Nationalparkverwaltung mitteilte. Im Frühjahr treten sie die Reise in die umgekehrte Richtung an.
Welche Vögel gibt es zu sehen?
Verschiedene Watvögel, Gänse, Enten, Möwen und Seeschwalben sind zu beobachten. Von mindestens 52 Populationen aus 41 Arten dieser Vögel kommen nach WWF-Angaben so viele Individuen, dass das Wattenmeer für diese Arten eine internationale Bedeutung hat. Von manchen Arten oder Populationen kommen demnach sogar fast alle Individuen, die es gibt. Unter anderem die Dunkelbäuchige Ringelgans, Knutt, Kiebitzregenpfeifer, Pfuhlschnepfe und Alpenstrandläufer sind solche stark auf das Wattenmeer angewiesene Arten.
Gibt es Exkursionen und andere Veranstaltungen zum Vogelzug?
Ja. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer lädt vom 26. September bis zum 4. Oktober zum "Westküsten-Vogelkiek". Auf zahlreichen Veranstaltungen und Exkursionen entlang der gesamten Westküste vermitteln Fachleute Einblicke in das Leben der Vögel und ihre Reise in den Süden. Von Sylt, Amrum, Föhr und Hallig Hooge über Dagebüll, den Beltringharder Koog und Nordstrand bis ins Katinger Watt und den Dithmarscher Speicherkoog - von Nord bis Süd sind sowohl für Neulinge als auch für Profis passende Führungen mit Nationalparkrangern sowie weiteren Fachleuten dabei.
Höhepunkte sind nach Angaben der Organisatoren die Tagestouren nach Amrum (27.9.), Sylt (3.10.) und Hallig Hooge (4.10.). Sie starten jeweils am Festland und werden von Nationalparkranger Martin Kühn geleitet - mit Unterstützung der Kolleginnen auf den Inseln.
Die Naturschutzverbände im Wattenmeer bieten ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen an. Sie sind in den Veranstaltungskalendern der Schutzstation Wattenmeer, des Vereins Jordsand und des Nabu zu finden
Gibt es auch Veranstaltungen für Menschen mit wenig Zeit?
Auch die gibt es. Denn auch etwa Einheimische, die tagsüber arbeiten müssen, sollen laut Nationalparkverwaltung in den Genuss einer fachkundigen Exkursion kommen können. Für sie seien kurze Feierabendtouren besonders geeignet, "eindrucksvolle Vogelbeobachtungen im trubeligen Alltag unterzubringen", heißt es. Bei der "Abendlichen Schwärmerei am Deich" (30.9. im Beltringharder Koog) oder der abendlichen Radtour zum Schlaf- und Rastplatz der Zugvögel (2.10. auf Föhr) kommen auch Einheimische in den Genuss des Schauspiels. Das komplette Programm des "Westküsten-Vogelkieks" ist online zu finden unter www.nationalpark-wattenmeer.de/wkvk.
Und wenn ich lieber alleine Vögel beobachten möchte?
Das geht natürlich auch. Wer ziehende Vögel sehen will, muss nach Angaben der Nationalparkverwaltung früh aufstehen: "In der Regel ist der Zug am frühen Morgen am intensivsten." Tagsüber lässt der Zug etwas nach, um am Abend wieder etwas aufzuleben. Dann brechen zum Beispiel viele Singvögel wieder auf.
Die rastenden Vögel lassen sich allerdings den ganzen Tag über beobachten. Dies gelte insbesondere für Watvögel, teilte die Nationalparkverwaltung weiter mit. Wer diese Vögel beobachten möchte, sollte die Gezeiten im Auge behalten. Denn bei Niedrigwasser verteilen sie sich im Watt und sind den Angaben zufolge nur aus großer Entfernung zu sehen. Bei Hochwasser dagegen versammeln sie sich in den Salzwiesen oder an Stränden.
Welche Plätze empfehlen Experten?
Nationalparkranger Kühn empfiehlt etwa Fuhlehörn auf Nordstrand zum individuellen "Vogelkiek". Hier könne man bei auflaufendem Wasser ganz fantastisch das Eintreffen der Watvögel am Hochwasserrastplatz miterleben. "Einfach mit dem Tidenplan, etwas Zeit, und einem Fernglas an den Deich setzen - schon ist man "mittendrin"!"
Für den Ornithologen David Fleet sind die Brösumer Spätinge in St. Peter-Ording einer seiner Lieblingsplätze an der Küste. Dort könne man viele Arten aus der Nähe beim Rasten beobachten. Und für die Umweltpraktikantin auf der Hamburger Hallig, Katharina Schulenburg, bieten die vielfältigen Lebensräume dort - von den Salzwiesen über die Wattflächen bei Ebbe bis hin zum Blick auf die offene Nordsee bei Flut - die Möglichkeit, unterschiedlichste Vogelarten zu sehen.