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SachsenKarpfen-Tradition neu gedacht – Saison beginnt am Samstag

25.09.2026, 06:02 Uhr
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(Foto: Sebastian Willnow/dpa)

"Karpfen-Influencer" und Fisch aus dem Automaten: Die sächsischen Teichwirte wollen mit einem traditionellen Produkt innovativ werden. Am Samstag beginnt offiziell die Karpfensaison.

Dresden (dpa/sn) - Sachsens Teichwirte sehen in Karpfen alles andere als eine altbackene Speise und wollen das Fleisch der Fische besser vermarkten. "Wir müssen mehr ausprobieren und ein jüngeres Publikum davon überzeugen, was für ein tolles und nachhaltiges Produkt das ist", sagte Kevin Kretschmar, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb werde man die Auftritte in sozialen Medien anpassen. Auch "Karpfen-Influencer" schloss er nicht aus.

Karpfen-Produkte künftig rund um die Uhr am Automaten?

Zudem könnte der Fisch perspektivisch in verschiedenen Formen sieben Tage die Woche rund um die Uhr an Automaten verfügbar sein. In anderen deutschen Regionen und auch in Österreich würden solche Automaten für regionale Produkte schon gut angenommen, wirbt Kretschmar für die Idee.

Auch außerhalb der Saison ließen sich so gewürzte Filets, Fischstäbchen oder Fischbuletten zum Grillen anbieten. "Wir können zeigen, dass neben der klassischen Zubereitung noch viel mehr mit Karpfen zu machen ist."

Fleisch von Karpfen gilt als vitaminreich und leicht verdaulich

Tatsächlich ist Karpfen gesund. Er ist reich an Omega-3 Fettsäuren, sein Fleisch enthält Vitamine und leicht verdauliche Proteine. Der Handel bietet vermehrt Karpfenfilets an, weil viele Verbraucher Stress mit Gräten fürchten. Auch Räucherkarpfen und Karpfenschinken sind inzwischen im Angebot. Der Fisch eignet sich auch zum Grillen.

Die Karpfen-Saison beginnt in Sachsen offiziell an diesem Samstag. Dann werden in Rietschen (Landkreis Görlitz) die Lausitzer Fischwochen eröffnet. Sie läuten eine Saison ein, bei der in den kommenden Wochen viele Fischteiche im Freistaat abgefischt werden – in der Regel wird das Abfischen als Volksfest inszeniert.

Kretschmar rechnet in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Ernte von etwa 1.500 bis 1.600 Tonnen. Ein heißer Sommer mit viel Trockenheit hat das Wachstum der Karpfen ausgebremst. Dennoch würden ausreichend Fische auf dem Tisch landen.

Karpfen in dieser Saison wegen Hitze im Sommer kleiner

Gleichzeitig bat der Landesfischereiverband die Verbraucher um Nachsicht. Aufgrund des Wassermangels im Sommer und der damit verbundenen schlechten Nahrungsaufnahme seien die Karpfen in dieser Saison deutlich kleiner als im Vorjahr. Preislich wird mit einem Anstieg auf 10 Euro pro Kilogramm gerechnet – da auch Hauptproduzenten wie Polen und Tschechien von dem ungünstigen Wetter betroffen waren. Im Vorjahr kosteten Karpfen im Schnitt um die 7,50 Euro pro Kilo.

Außer Karpfen produzieren die sächsischen Teichwirtschaften noch etwa 300 Tonnen sogenannte Nebenfische wie Schleie, Zander und Hecht. An die Mengen zu DDR-Zeiten kommen sie nicht mehr heran. Damals landeten rund 8.000 Tonnen in den Netzen, Mitte der 1990er Jahren waren es noch etwa 3.000.

Fressfeinde sorgen für Verluste

Die Branche plagen nach eigenen Angaben neben bürokratischen Vorgaben vor allem große Verluste durch Fischräuber wie Kormoran oder Fischotter. Auch der Biber, der sich nicht von Fischen ernährt, macht den Fischzüchtern zu schaffen. Er verursacht durch seine Bautätigkeit immer wieder Schäden an den Teichen.

Dem Geschäftsführer zufolge verlieren manche Teichwirte etwa 80 Prozent ihrer jungen Karpfen an Fressfeinde. Allerdings könne man die Verluste nicht mit mehr Fischbesatz "einpreisen". Laut Kretschmar nimmt ein Großteil der Betriebe eine Förderung für Teichwirte in Anspruch. Sie sei an Naturschutz gekoppelt und gebe vor, dass der Besatz an Fischen auf 400 Kilogramm pro Hektar gedeckelt ist.

Glücklicherweise gebe es im Agrarministerium aber ein zunehmendes Verständnis dafür, die historische Bewirtschaftung der alten Teiche weiterhin zu unterstützen. Andernfalls könnte die Branche nicht überleben. Momentan gebe es im Verband noch 35 Betriebe im Haupterwerb und noch einmal 25 im Nebenerwerb.

Quelle: dpa

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