Hamburg & Schleswig-HolsteinSchüsse vor Drogeneinrichtung: Mann schwer verletzt

Mitten in der Nacht fallen Schüsse vor einer Hamburger Drogeneinrichtung. Die Polizei findet einen lebensgefährlich verletzten Mann. An dem Ort ereignete sich im Juni eine ähnliche Tat.
Hamburg (dpa/lno) - Erneut haben Unbekannte einem Mann vor einer Drogenhilfeeinrichtung in Hamburg-Harburg ins Bein geschossen und lebensgefährlich verletzt. Beamte fanden in der Schwarzenbergstraße einen schwer verletzten 55-Jährigen, wie die Polizei mitteilte. Rettungskräfte der Feuerwehr brachten ihn in ein Krankenhaus, wo er notoperiert wurde. Erst am 15. Juni hatte vor der Drogenhilfeeinrichtung Abrigado am Schwarzenbergpark mutmaßlich ein 21-Jähriger auf einen 45 Jahre alten Mann geschossen und ihn am Bein verletzt.
Ein Anrufer hatte in der Nacht zum Dienstag der Polizei von Schussgeräuschen berichtet. Nach Angaben der Polizei hatten Anwohner beobachtet, wie drei bis vier Verdächtige im Alter zwischen 20 und 25 Jahren vom Tatort flüchteten. Die Polizei fahndete mit mehr als einem Dutzend Funkstreifenwagenbesatzungen. Beteiligt waren auch Hundeführer und die Bundespolizei. Festgenommen wurde bislang niemand, die Hintergründe der Tat sind unklar. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise.
Festnahmen nach früherer Tat
Im Zusammenhang mit der vorhergehenden Tat hatte die Polizei am 18. August einen mutmaßlichen Hintermann festgenommen. Spezialkräfte führten ihn im Stadtteil Neugraben ab. Der Türke stehe im Verdacht, die Tat in Harburg in Auftrag gegeben zu haben, hieß es. Am 1. September nahm die Polizei in Hamburg-Heimfeld den mutmaßlichen Schützen fest, einen 21-jährigen Türken. Er kam in Untersuchungshaft.
Drei angeschossene Männer
Seit dem vergangenen August kam es auf den Hamburger Straßen zu mindestens fünf weiteren Taten mit Schusswaffeneinsatz. Am 8. August wurde nach Polizeiangaben ein Mann im Stadtteil Steilshoop angeschossen. Am 27. August trafen Schüsse im Stadtteil Lohbrügge einen 36-Jährigen. Er erlitt schwere Verletzungen. Am 1. September wurde ein 35-Jähriger mit Schussverletzungen in Seevetal unmittelbar südlich von Hamburg aufgefunden. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und notoperiert.
Zwei Tote auf Gewerbehof an Messehallen
Am selben Tag spätabends ereignete sich der blutigste Zwischenfall der vergangenen Monate in Hamburg: Zwei Männer im Alter von 33 und 47 Jahren wurden auf einem Gewerbehof in der Nähe der Messehallen getötet. Ein 48-Jähriger wurde schwer verletzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass Täter und Opfer sich kannten. Es gebe Anhaltspunkte für eine mögliche Auseinandersetzung im Milieu, erklärte die Staatsanwaltschaft, ohne bislang weitere Details zu nennen.
Erst am 26. Juni hatten Unbekannte eine Handgranate auf den Gewerbehof geworfen, die dort detonierte. Das Gebäude und mehrere Autos wurden beschädigt.
Schüsse auf 14-Jährigen in Kulturverein
Am vergangenen Sonntagabend schossen zwei maskierte Männer in einem türkischen Kulturverein im Stadtteil Ottensen auf einen 14-Jährigen und verletzten ihn am Oberschenkel. Ein 20-Jähriger erlitt mehrere Stichverletzungen, wie die Polizei weiter mitteilte. Nach der Tat flüchteten die Täter. Eine Fahndung blieb ohne Ergebnis.
Offenbar ohne gravierende Folgen blieben am vergangenen Freitagabend Schüsse auf einen Linienbus im Stadtteil Neugraben-Fischbek. Die Polizei stellte mehrere Einschusslöcher in den Scheiben des HVV-Busses fest. Als mutmaßlichen Täter ermittelte die Polizei einen 17-Jährigen. Er soll Streit mit einer 16-Jährigen gehabt haben, die daraufhin in den Bus geflüchtet war. Im Keller des 17-Jährigen fand die Polizei eine Luftdruckwaffe mit Munition.
Gewaltkriminalität 2025 gesunken
Im vergangenen Jahr war in Hamburg die Gewaltkriminalität - zu der gefährliche und schwere Körperverletzungen, Raub, Mord und Totschlag sowie Vergewaltigungen zählen - um 5,4 Prozent zurückgegangen. Das geht aus der offiziellen Kriminalstatistik der Polizei hervor. Die Zahl der Schusswaffendelikte war demnach um 12 Prozent gesunken. In 15 Fällen wurde mit einer scharfen Schusswaffe auf Menschen geschossen. Das waren 8 Fälle oder 35 Prozent weniger als 2024.
Die aktuelle Lage lasse sich derzeit statistisch noch nicht nachzeichnen, da die Erfassung der Taten erst nach Abschluss der Ermittlungen erfolge, erklärte Polizeisprecher Florian Abbenseth. Er betonte, dass die Polizei viele Ressourcen in die Ermittlungen investiere. Die Verhaftungen nach den Schüssen vor dem Abrigado vom Juni zeigten, dass die Arbeit der Polizei erfolgreich sei.