Hessen"Da schwand die Hoffnung" – Rettungskräfte über Badeunfälle

Nach einem tödlichen Badeunfall in der Lahn schildert die Einsatzleiterin dramatische Minuten. Ein Dutzend Menschen sind in diesem Jahr bereits beim Schwimmen ums Leben gekommen.
Gießen (dpa/lhe) - Dramatische Minuten, schwindende Hoffnung: Martina Klee war Einsatzleiterin bei einem tödlichen Badeunfall Ende Juli in der Lahn. Zeugen hatten nach Angaben der Polizei beobachtet, wie ein 34 Jahre alter Mann von einem Steg in den Fluss sprang. Wie hat die Leiterin der Feuerwehr Gießen die Rettungsaktion miterlebt?
Zwölf Badetote zählt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Hessen seit Jahresbeginn. Für Klee sind die Zahlen alarmierend. "Das sind jedes Mal dramatische Einzelfälle", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Nach dem Sprung sei er noch einmal kurz aufgetaucht und anschließend untergegangen. Trotz einer sofort eingeleiteten Suche konnte der Mann nur noch tot geborgen werden. Ein Sonarboot der DLRG hatte ihn am Grund der Lahn geortet.
Alarm kam während ihrer Bereitschaft
Für Klee kam der Einsatz unerwartet. Sie hatte an diesem Tag Alarmbereitschaft und war zu Hause, um sich auszuruhen. Gegen 18 Uhr sollte sie von einem Kollegen abgelöst werden. Um 17.18 Uhr ging der Alarm ein. "Dann habe ich meine Einsatzkleidung angezogen und bin losgefahren", berichtete sie.
Wenige Minuten nach den Kollegen der Berufsfeuerwehr sei sie an der Einsatzstelle eingetroffen. Die ersten Maßnahmen liefen bereits. "Zwei Kollegen von der Berufsfeuerwehr sind da mit Wasserrettungsausrüstung ausgestattet gerade in die Lahn eingestiegen, um nach der Person zu suchen."
Kurz darauf sei ein Schlauchboot der Feuerwehr zu Wasser gelassen worden. Einsatzkräfte suchten zudem von einer Brücke aus die Wasseroberfläche ab. An der Suche waren neben der Berufsfeuerwehr auch Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr und der Wasserrettungszug des Landkreises beteiligt.
Hoffnung schwand nach Zeugenaussagen
Die Hoffnung auf eine lebende Rettung sank nach Einschätzung der Einsatzleiterin schnell. Zeugenaussagen hätten darauf hingedeutet, dass der Mann bereits mehrere Minuten unter Wasser gewesen sei. "Da schwand die Hoffnung, die Person lebend zu retten, relativ schnell", sagte Klee.
Für Einsatzleiter bedeute ein solcher Moment auch eine Veränderung der Prioritäten. "Spätestens wenn klar ist, dass eine Rettung nicht mehr möglich ist, können und müssen wir auch noch mal genau schauen, welchem Risiko sich die Einsatzkräfte ausgesetzt haben", erklärte sie.
Unterstützung der Einsatzkräfte wichtig
Solche Situationen gehörten für Feuerwehrleute zum Beruf. Persönlich bleibe bei ihr jedoch vor allem die Tragik für den Verstorbenen und dessen Angehörige. Neben der Schwere des Einsatzes sei ihr aber die Unterstützung unter den Einsatzkräften in Erinnerung geblieben. Ein Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr habe ihr ungefragt eine geöffnete Flasche Apfelschorle gereicht.
"Erst in dem Moment habe ich gemerkt, dass ich total durchgeschwitzt und durstig war", sagte Klee. Gerade bei belastenden Einsätzen gerate die eigene Versorgung der Einsatzkräfte schnell in den Hintergrund. Die gegenseitige Aufmerksamkeit innerhalb der Teams sei deshalb besonders wichtig.