HessenHitze bremst Freizeitparks - Herbstferien bringen Gäste

Während Steinau von einer enttäuschenden Saison spricht, melden andere Parks stabile oder steigende Besucherzahlen. Welche Rolle spielen Geldsorgen, Spritpreise und das Wetter?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Wenn das Geld knapper wird, muss der Familienausflug nicht unbedingt ausfallen: Statt einer kostspieligen Urlaubsreise kann es auch ein Tag im Freizeitpark vor der Haustür sein. Genau darauf setzen mehrere Parkbetreiber in Hessen. Sie sehen ihre Angebote als erschwingliche Alternative zum Urlaub - und versuchen zugleich, die Kosten für ihre Gäste überschaubar zu halten.
Wie ist die Saison 2026 für sie gelaufen? Haben Besucher den Gürtel enger geschnallt - und welche Rolle spielte das Wetter? Ein Überblick:
Jubiläum im Taunus Wunderland
"Nach unserer Einschätzung und den Rückmeldungen unserer Gäste achten Familien genauer darauf, wofür sie ihr Geld ausgeben", sagt Sven Gerich, Sprecher des Taunus Wunderlandes in Schlangenbad (Rheingau-Taunus-Kreis). Gemeinsame Erlebnisse hätten nach wie vor einen hohen Stellenwert. Davon könnten regionale Ausflugsziele wie das Taunus Wunderland profitieren. "Wer auf eine Urlaubsreise verzichtet oder seltener verreist, entscheidet sich möglicherweise bewusst für einen Tagesausflug vor der Haustür."
Die Besucherzahlen geben dem Park bislang recht: Wenn sich die Entwicklung bis zum Saisonende am 1. November fortsetzt, rechnet das Taunus Wunderland Gerich zufolge mit einem Plus von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Jubiläumsjahr zum 60-jährigen Bestehen verlaufe damit erfreulich.
Gesunkene Getränkepreise
Die hohen Temperaturen im Sommer waren für das Taunus Wunderland ebenso wie für andere Freizeitparks in Hessen eine Herausforderung. Mit dem im vergangenen Jahr eröffneten "Baumberts Wasserspielplatz" und zusätzlichen Aufenthaltsmöglichkeiten im Schatten sowie deutlich gesenkten Preisen für Getränke habe der Park auf die Bedürfnisse der Besucher an heißen Tagen reagiert, berichtet der Sprecher.
Darauf werde auch künftig geachtet, denn der Park müsse sich auf weitere Sommer mit hohen Temperaturen einstellen, sagte Gerich. Gut fürs Geschäft waren dann nach seinen Angaben die Herbstferien mit überwiegend trockenem, schönem Wetter.
Ziegenhagen zufrieden mit der Saison
Der nordhessische Erlebnispark Ziegenhagen profitiert nach Einschätzung seines Geschäftsführers Norman Surup von seiner regionalen Ausrichtung. Die meisten Gäste hätten weniger als eine Stunde Anfahrt. Das halte den Aufwand für einen Tagesausflug überschaubar - auch angesichts gestiegener Spritkosten.
Dazu kommen nach Surups Worten Angebote, mit denen Familien vor Ort Geld sparen können: Eigene Speisen und Getränke dürfen mitgebracht werden, Picknickmöglichkeiten und Parkplätze sind kostenlos. Auch Grillplätze können ohne Gebühr reserviert werden. Bei der Gastronomie hat der Park im Werra-Meißner-Kreis Surup zufolge seine Verkaufspreise in diesem Jahr stabil gehalten und auf Erhöhungen verzichtet.
Die Besucherzahlen entwickelten sich trotz wirtschaftlicher Unsicherheit positiv. Zwar habe es im August einen leichten Rückgang gegeben, möglicherweise auch wegen gestiegener Spritkosten und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Zusammengenommen lagen Juli und August jedoch leicht über dem Vorjahr.
"Wir entwickeln uns zu einem Allwetterpark"
Die neue Wasserattraktion, der "Burggraben-Paddler", sei bei den hochsommerlichen Temperaturen sehr gut bei den Besuchern angekommen. Auch der im vergangenen Jahr eröffnete Indoor-Spielbereich habe sich bewährt, erklärt der Geschäftsführer. Dadurch könnten Familien bei Regen, aber auch an besonders heißen Tagen ihren Aufenthalt an das jeweilige Wetter anpassen. "Wir entwickeln uns damit immer mehr zu einem Allwetterpark", betont er.
Auch der September fiel nach Surups Angaben stärker aus als der Vorjahresmonat, und der goldene Oktober sorgte für weiteren Zulauf. Mit der Saison 2026, die in Ziegenhagen noch bis zum 1. November läuft, sei der Park sehr zufrieden.
Gutes Geschäft im Herbst für Steinau nur "Schadensbegrenzung"
Sehr zufrieden mit den Besucherzahlen im September und Oktober ist auch der Erlebnispark Steinau (Main-Kinzig-Kreis). Doch dabei handele es sich nur um Schadensbegrenzung der insgesamt enttäuschenden Saison 2026, betont Geschäftsführer Theo Zwermann. Die Besucherzahlen seien in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Als Hauptgrund sieht er die angespannte finanzielle Lage vieler Familien. Die Menschen sparten, gäben ihr Geld bewusster aus und müssten auch die hohen Spritpreise berücksichtigen.
Daneben macht Zwermann die Wetterberichterstattung für die Entwicklung mitverantwortlich. Teilweise übertriebene oder unzutreffende Wetterprognosen hätten Besucher im Frühjahr und Sommer verunsichert und von einem Ausflug abgehalten.
Lochmühle mit stabilen Besucherzahlen
Im Freizeitpark Lochmühle in der Nähe von Bad Homburg sind die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Auch die zusätzlichen Ausgaben der Gäste hätten sich nicht verändert, berichtet Sprecher Max Bahm. Der Park sei mit der Saison 2026 zufrieden.
Die angespannte Kassenlage vieler Menschen lasse sich anhand dieser Zahlen bislang zum Glück für das Unternehmen nicht erkennen, fügt er hinzu. Bei extremer Hitze habe es allerdings einen deutlichen Besucherrückgang gegeben. "Vor Ort haben sich die Besucher zudem eher an den schattigeren Plätzen aufgehalten", berichtet er. Schöne Spätsommertage und insbesondere die hessischen Herbstferien hätten anschließend noch einmal zusätzliche Gäste gebracht.