ThüringenWarum Weihnachtsbäume in Thüringen etwas teurer werden

In zwei Monaten ist Weihnachten - und die ersten Christbaumverkäufe starten bald in Thüringen. Löhne, Sprit und Dünger verteuern die Produktion, der Aufschlag fällt je Betrieb unterschiedlich aus.
Erfurt (dpa/th) - Für den Weihnachtsbaum werden die Thüringer in diesem Jahr wohl etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Mehrere Händler im Freistaat gaben in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur an, von moderaten Preissteigerungen bei den Bäumen auszugehen. Die Betriebe begründen dies mit gestiegenen Kosten für Löhne, Sprit und Dünger.
So geht etwa der Thüringer Tannenhof von drei bis fünf Euro mehr pro Baum als im vergangenen Jahr aus. Laut Geschäftsführer Christian Mai wird eine 1,75 Meter große Nordmanntanne in der Premiumqualität in diesem Jahr 49,90 Euro kosten, im Vorjahr waren es 46 Euro. Während sich die Bäume an den Verkaufsständen verteuerten, bleibe der Baumpreis aber stabil, wenn die Kunden selbst zur Säge greifen.
Ein vergleichbarer 1,75-Meter-Baum zum Selbstschlagen wird laut Mai weiterhin 42 Euro kosten. Der Tannenhof betreibt in Thüringen Höfe in Wittchenstein (Saale-Orla-Kreis) und Umpferstedt (Kreis Weimarer Land). Rund 90 Prozent des Verkaufs, der in Umpferstedt am 6. November und in Wittchenstein am 13. November beginne, entfielen auf Nordmanntannen.
Knappheit bei großen Bäumen
Auch Tannen Wulf in Sömmerda kündigte moderate Preissteigerungen an. Konkrete Preise nannte Inhaber Bastian Wulf jedoch nicht. Das Unternehmen bewirtschaftet nach seinen Angaben 45 Hektar mit Weihnachtsbäumen und betreibt Verkaufsstände im Raum Erfurt, Weimar und Jena. Neben Nordmanntannen hat das Unternehmen auch Blau- und Rotfichten, Serbische Fichten und Kiefern im Angebot. Die Bäume könnten auch selbst geschlagen werden. Bäume über zwei Meter Größe seien in dieser Saison aufgrund der Spätfröste und Hagelschäden an manchen Kulturen in Deutschland knapp. Die Saison eröffnet der Betrieb nach eigenen Angaben am 14. November.
Die Landesforstanstalt sieht die Versorgung mit Weihnachtsbäumen in dieser Saison gewährleistet. Zwar hätten länger anhaltende Trockenphasen seit 2018 verstärkt zu Ausfällen ebenso in den Weihnachtsbaumplantagen geführt. Es sei jedoch entsprechend nachgepflanzt worden. Alle Verbraucheranfragen könnten bedient werden, wenn auch die Weihnachtsbäume dieses Jahr teurer würden, teilte ThüringenForst mit. Rund drei Viertel der 24 Forstämter im Freistaat bieten den Angaben nach Reisig und Weihnachtsbäume an - entweder an Verkaufsstellen oder zum Selbstschlagen im Wald. Der Verkauf von Reisig beginnt teilweise bereits am Wochenende zu Totensonntag. Der Weihnachtsbaumverkauf starte Anfang Dezember.
Herausforderungen durch Wetterextreme
Bei der Haarberger Nadelholzkulturen GbR aus Klettbach bei Erfurt bleiben die Preise im Vergleich zum Vorjahr nach eigenen Angaben stabil. Anders als bei vielen anderen landwirtschaftlichen Produkten könne auf steigende Kosten nicht kurzfristig mit einer höheren Produktion reagiert werden, teilte das Unternehmen mit. Entsprechend wichtig sei daher eine langfristig tragfähige Kalkulation. Weihnachtsbäume wachsen bis zur Ernte maximal zehn bis zwölf Jahre.
Der Betrieb hat nach eigenen Angaben mehrere Tausend junge Nordmanntannen gepflanzt, um Erfahrungen mit verschiedenen Herkünften und deren Eignung für den Standort zu sammeln. Die zunehmenden Wetterextreme stellten den Weihnachtsbaumanbau grundsätzlich vor neue Herausforderungen. Besonders junge Weihnachtsbäume reagierten empfindlich auf längere Trockenperioden, da ihr Wurzelsystem noch nicht vollständig entwickelt sei, hieß es.
Verband: Weihnachtsbaum erschwinglich und verfügbar
Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger geht generell von einer Verknappung des Weihnachtsbaumangebots aus. Schuld daran sei die sinkende Zahl der Betriebe, die Weihnachtsbäume produzierten. Trotz aller Herausforderungen arbeiteten die Erzeuger an einem umfänglichen Angebot. "Der natürliche Weihnachtsbaum bleibt für alle erschwinglich und verfügbar", versicherte der Verband.