HessenSoziale Herkunft prägt Bildungsweg bis zur Hochschule

Wolf Dermann von Arbeiterkind.de betont: "Bildungswege hängen stärker von der sozialen Herkunft ab als von den Leistungen." Was das für den Zugang zu Hochschulen bedeutet.
Kassel/Berlin (dpa/lhe) - In der neuen Pisa-Bildungsstudie schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Der Bildungserfolg hängt demnach nach wie vor häufig davon ab, aus welcher Familie ein Kind kommt. Diese Schere setze sich beim Übergang an die Hochschule fort, sagt Wolf Dermann, Mitgründer und Geschäftsführer von Arbeiterkind.de.
Die Initiative wurde 2008 an der Justus-Liebig-Universität Gießen gegründet. Sie unterstützt Schülerinnen und Schüler sowie Studierende aus Familien ohne akademischen Hintergrund. "Studien zeigen, dass Bildungswege stärker von der sozialen Herkunft abhängen als von den Leistungen", erklärt Dermann. "Wobei natürlich die Leistungen auch wieder von der sozialen Herkunft abhängen."
Viel Aufklärung nötig
Für Akademiker-Kinder sei oft schon klar, dass nach der Schule das Studium folgt. "Da ist nur noch die Frage, was sie studieren wollen", sagt Dermann. Anders bei Kindern aus nicht-akademischen Elternhäusern. "Sie wissen nicht, wie ein Studium funktioniert, wie es finanzierbar ist. Das müssen sie selbst herausfinden. Da müssen wir noch sehr viel aufklären."
Dermann kritisiert vor allem die schon lange umstrittene Dreigliedrigkeit, auf der das Schulsystem in Hessen traditionell basiert. "Die Trennung nach der vierten Klasse ist zu früh", sagt er. Sie verstärke soziale Ungleichheit.
Bei einer späteren Trennung sei die soziale Herkunft weniger bestimmend für die künftige Schulform. Allerdings sei Hessen mit einer Entwicklung hin zur Zweigliedrigkeit mit existierenden Misch- und Verbundformen "auf dem Weg".