Niedersachsen & BremenWeitere Arbeiten für Stromkabel unter Norderney und Baltrum

Baugeräte und große Schiffe vor Norderney und Baltrum zeigen es an: Auch in diesem Sommer wird auf den Inseln und im Watt für die Energiewende gebaut – was hinter den Großbaustellen steckt.
Norderney/Baltrum (dpa/lni) - Auf den ostfriesischen Inseln Norderney und Baltrum werden in diesem Sommer die Verlegearbeiten für weitere Stromkabel zum Anschluss von Windparks im Meer fortgesetzt. Sichtbar sind die Bauarbeiten etwa am Nordstrand von Norderney. Dort werde voraussichtlich heute das Verlegeschiff "Barbarossa I" anlanden und sich trockenfallen lassen, um vom Strand aus Kabel in schon zuvor verlegte Leerrohre einzuziehen, wie der Netzbetreiber Amprion mitteilte. Für Insulaner und Urlaubsgäste bedeutet das Einschränkungen – der Badestrand wird an der Stelle gesperrt.
Die Kabel werden nach Amprion-Angaben von dem Spezialschiff abgespult und auf einer Länge von etwa 700 Metern auf dem Strand ausgelegt. Danach sollen die Kabel mit Seilwinden vom Strand Richtung Inselmitte in die schon zuvor unterirdisch installierten Kabelschutzrohre eingezogen werden. Alle Arbeiten am Nordstrand sollen Anfang Juli abgeschlossen sein.
Welche Arbeiten auf Baltrum anstehen
Auf Baltrum stehen in diesem Sommer weitere rund 1.800 Meter lange Horizontalbohrungen für Stromkabel unter der Insel hindurch an. Den ersten Teil der insgesamt 16 Bohrungen hatte der Netzbetreiber Tennet bereits im vergangenen Jahr durchgeführt – nun sollen die restlichen Bohrungen folgen. Auch dort werden in die Leerrohre dann später die Stromkabel eingezogen.
Außerdem will Tennet in diesem Sommer vor Baltrum mit der Wattkabelverlegung beginnen. Zwischen der Inselsüdseite und dem Festland sollen zwischen Juli und September für das Netzanbindungssystem BalWin4 Stromkabel im Watt verlegt werden. Mit einer Vibrationstechnik soll die Leitung demnach bis zu drei Meter tief in den Wattboden eingebracht werden.
Warum die Inseln unterbohrt werden
Diese Stromleitungen werden benötigt, da die Windenergie auf See künftig eine größere Rolle bei der Energieversorgung spielen soll. Über die Kabelsysteme wird der Windstrom von Konverterstationen auf See bis ans Festland transportiert. Dabei geht es um große Strommengen. DolWin4 und BorWin4 etwa, zwei Netzanbindungssysteme an denen Amprion zurzeit unter Norderney baut, sollen von 2028 an eine Leistung von bis zu 1,8 Gigawatt transportieren. Das entspricht laut Amprion dem Energiebedarf einer Großstadt wie Hamburg mit 1,8 Millionen Einwohnern.
Ein Großteil der Netzanbindungssysteme wird in der Nordsee über Niedersachsen und damit auch durch den Nationalpark Wattenmeer geführt. Im Trassenverlauf von der Nordsee bis ans Festland unterqueren die Stromkabel ostfriesische Inseln. Dafür müssen mehrere Inseln unterbohrt werden.
Daran gibt es auch Kritik. Mehrere Umweltschutzverbände in Niedersachsen forderten zuletzt ein Umdenken bei der Planung künftiger Kabel. Sie sehen durch die Kabelkorridore den Lebensraum Wattenmeer gefährdet und warnen vor weitreichenden ökologischen Folgen.
Weil die Bauarbeiten mitten im Wattenmeer und an der Küste erfolgen, darf nur in einem schmalen Zeitfenster nach dem Brutvogelschutz und bis zum Beginn der Sturmflutsaison im Herbst gebaut werden – genau in diesem Zeitraum im Sommer herrscht an der Küste aber auch Hochbetrieb im Tourismus.