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Sachsen-AnhaltOtto der Große findet neue Ruhe im Magdeburger Dom

01.09.2026, 13:08 Uhr
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Er war eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Sein bröckelndes Grab im Magdeburger Dom musste saniert werden. Jetzt wurde der einstige Herrscher feierlich wieder beigesetzt.

Magdeburg (dpa/sa) - In einem neuen Titansarg und im sanierten Grabmal ist Kaiser Otto der Große (912-973) im Magdeburger Dom feierlich wieder beigesetzt worden. In den vergangenen Monaten war sein bröckelndes Grabmal saniert worden. Wissenschaftler nutzten die Gelegenheit und untersuchten die Überreste im ebenfalls stark geschädigten Holzsarg innerhalb des Steinsarkophags. Die Schmuckkünstlerin Silke Trekel gestaltete für die Gebeine einen neuen Sarg aus Titan, Feinsilber, Feingold und Blattgold.

Zur Wiederbeisetzung mit Gottesdienst und einem Festakt waren am Vormittag viele geladene Gäste und auch interessierte Bürgerinnen und Bürger gekommen. Nach der Wiederbeisetzung standen Hunderte Menschen Schlange, um am Sarg vorbeizugehen. Der Dom sollte bis zum Abend für die vielen Interessierten geöffnet bleiben.

Staatsminister Weimer würdigt die Majestät

In seiner Festrede sprach der Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, den Kaiser direkt an: "Sehr verehrte Majestät". "Wir schreiben Ihre Geschichte zu Ende und unsere Geschichte voran." Weimer würdige ihn als Europäer. "Sie haben europäisch gedacht und gehandelt." Das Reich habe sich von der Nordsee bis zum Mittelmeer erstreckt. "Dieses Reich mit ganz unterschiedlichen Völkern haben Sie geeint." Weimer sagte weiter: "Wenn Sie aus Magdeburg eine Wiege der Deutschen gezimmert haben, so steht diese Wiege von Anfang an im Herzen Europas."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sagte, Ottos Erbe sei ein großes Geschenk und "eine Verantwortung für unser Land und unsere Geschichte". "Als Landesregierung werden wir es bewahren, lebendig halten und seine Bedeutung für Kultur und Tourismus noch stärker sichtbar machen."

Otto I., auch Otto der Große genannt, ist eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Er stammte aus dem Geschlecht der Liudolfinger und gilt als der Neubegründer des Kaisertums in Nachfolge des antiken Römischen Reichs. Magdeburg erhob er im Jahr 968 zum Erzbistum. Die Stadt an der Elbe erlebte einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Nach seinem Tod 973 wurde Otto im Magdeburger Dom an der Seite seiner 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt.

Am fragilen Kalksteinsarkophag, in dem sich der Otto-Sarg befand, sowie der marmornen Deckplatte wurden im Jahr 2024 erhebliche Beschädigungen festgestellt. Im Januar 2025 startete die Sanierung. Der schlichte Holzsarg aus unterschiedlich alten Kiefernhölzern aus dem hohen Mittelalter wurde geöffnet. Darin befanden sich der Schädel mit erhaltenen Zähnen und zahlreiche Knochen. Untersuchungen ergaben, dass es sich tatsächlich um die Überreste Ottos des Großen handelt. Neben den Gebeinen fanden sich durcheinander liegende textile und pflanzliche Reste sowie Eierschalen. Das Grab war zuvor schon mehrfach geöffnet worden.

Schmuckkünstlerin Trekel gestaltete im Rahmen eines Wettbewerbs der Kunststiftung Sachsen-Anhalt den schlichten neuen Titansarg. Eine aufsteigende Diagonale teilt den Sargdeckel in zwei gleichwertige Flächen, Sinnbilder von Geistlichem und Weltlichem, wie die Kunststiftung erklärte. Die lateinische Inschrift lautet: "Hier ruht Otto, zu seiner Zeit erhabener Kaiser von Gottes Gnaden genannt, durch Gottes wohlwollende Güte König, ein christlicher Fürst. Er starb im Jahr 973, in den Nonen des Mai, am Mittwoch vor Pfingsten. Der Sarkophag wurde im Jahr 2026 wiederhergestellt." Der Titansarg für die Wiederbeisetzung der Gebeine ist etwa einen Meter lang.

Forschungen laufen - Was wir schon wissen

Wissenschaftler versprechen sich von der Öffnung des Grabes neue Erkenntnisse. Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller brachte zahlreiche Experten verschiedener Fachrichtungen aus dem In- und Ausland zu einer Forschergruppe zusammen. Es geht um anthropologische, medizinische und naturwissenschaftliche Untersuchungen. Ein zentrales Ergebnis neuer archäogenetischer Analysen an den Gebeinen Ottos des Großen ist: Es handelt sich bei den sterblichen Überresten aus dem Grabmal im Magdeburger Dom mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die Gebeine Kaiser Ottos I. Die Gebeine sind sehr gut erhalten.

Mit 1,80 Metern Körpergröße war der Verstorbene etwa 10 Zentimeter größer als der durchschnittliche Zeitgenosse Ottos im 10. Jahrhundert. Stark ausgeprägte Muskelansätze an Oberschenkel- und Beckenknochen belegen, den Angaben zufolge, dass der Verstorbene regelmäßig als Reiter im Sattel saß. An den Knien und Hüftgelenken fanden sich arthrosetypische Veränderungen. Auch Verletzungsspuren entdeckten die Wissenschaftler, darunter Spuren verheilter Gewalteinwirkung am Kopf. Drei obere Schneidezähne gingen zu Lebzeiten verloren.

Isotopenanalysen gaben Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten des Verstorbenen: So aß Otto häufig tierische Proteine und wahrscheinlich auch Süßwasserfisch. Dazu kamen in Mitteleuropa gängige Nahrungspflanzen wie Getreide und Hülsenfrüchte.

Noch viele offene Forschungsfragen

Meller erwartet eine Reihe weiterer Forschungsergebnisse, es seien große Überraschungen zu erwarten. Es soll beispielsweise darum gehen, wie genau der Kaiser aussah: Haut-, Haar- und Augenfarbe sollen bei archäogenetischen Untersuchungen ermittelt werden. Auch eine Gesichtsrekonstruktion gehört zu den Zielen. Die genaue Todesursache Ottos ist ebenfalls noch offen. Rätsel gibt den Forschern zudem der aus einem Kalksteinblock herausgearbeitete Sarkophag auf - seine Herkunft habe noch nicht bestimmt werden können.

Quelle: dpa

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