Sachsen-AnhaltOtto der Große wird am 1. September wieder beigesetzt

Wer will, kann sich im Magdeburger Dom von dem mittelalterlichen Herrscher verabschieden. Sein saniertes Grab wird danach wieder verschlossen - für lange Zeit. Forschern bleibt aber noch viel Arbeit.
Magdeburg (dpa/sa) - Das bröckelnde Grab Ottos des Großen im Magdeburger Dom ist saniert. Die Überreste des mittelalterlichen Herrschers werden am 1. September wieder beigesetzt. An diesem Tag sollen alle Interessierten die Gelegenheit haben, an dem offenen Sarkophag mit dem neuen, durch die Künstlerin Silke Trekel gestalteten Titan-Sarg des Kaisers vorbei zu defilieren. Geplant sind ein Gottesdienst und ein Festakt, wie die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mitteilten. "Wir machen das Grab zu für die nächsten tausend Jahre", sagte Landesarchäologe Harald Meller in Magdeburg.
Otto I., auch Otto der Große genannt, war der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Otto wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg. 973 starb er in Memleben. Er wurde im Magdeburger Dom an der Seite seiner schon 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt.
Weil erhebliche Beschädigungen an dem Grabmal festgestellt wurden und man dessen Einsturz befürchtete, begann Anfang vergangenen Jahres eine Sanierung. Der Untergrund wurde stabilisiert, die äußere Steinhülle des Grabmals erhielt von außen unsichtbare Stützen aus Edelstahl, auf denen künftig die rund 300 Kilogramm schwere Marmorplatte ruht. Sie wird nach den Feierlichkeiten aufgesetzt.
Die Wissenschaft hat noch viele Fragen
Die Sanierung der äußeren Steinhülle des Grabmals wurde genutzt, um den darin liegenden Holzsarg zu öffnen. Darin fanden sich Gebeine, fragile Textilfragmente, tierische und pflanzliche Überreste. Alles soll genau untersucht werden. Eine zentrale Erkenntnis genetischer Untersuchungen der Gebeine ist: Es handelt sich tatsächlich um die Überreste Ottos des Großen. Verletzungen wurden entdeckt, Arthrose und Zahnstein nachgewiesen, Ottos Ernährungsgewohnheiten anhand spezieller Analysen erforscht.
Nach der Wiederbeilegung gehen die Forschungen weiter. Es seien große Überraschungen zu erwarten, sagte Landesarchäologe Harald Meller. Zahlreiche Kooperationspartner seien beteiligt. Sie wollen etwa herausfinden, wie genau der Kaiser aussah: Haut-, Haar- und Augenfarbe sollen bei archäogenetischen Untersuchungen ermittelt werden, auch eine Gesichtsrekonstruktion gehört zu den Zielen. Und auch die genaue Todesursache ist noch nicht geklärt. Rätsel gibt den Forschern zudem der aus einem Kalksteinblock herausgearbeitete Sarkophag auf - seine Herkunft habe noch nicht bestimmt werden können.