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Sachsen-AnhaltUnverzichtbar fürs Ökosystem - KI hilft bei Fledermausschutz

29.09.2026, 04:02 Uhr
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(Foto: Pia Bayer/dpa)

In Sachsen-Anhalt leben 21 Fledermausarten. Sie haben einen hohen ökologischen Wert, einige sind aber stark bedroht. Wie Forscher ihren Bestand mit Hilfe von KI präziser erfassen.

Südharz (dpa/sa) - Sachsen-Anhalt ist Fledermausland: Von den 24 in Deutschland beheimateten Fledermausarten sind 21 zwischen Arendsee und Zeitz zu Hause. Aktuell sind die fliegenden Säugetiere gut zu beobachten, weil sie auf der Suche nach einem Partner und geeigneten Winterquartieren sind, wie der Leiter der Kompetenzstelle Fledermausschutz Sachsen-Anhalt, Marcus Fritze, sagte. Die landesweit tätige Fachstelle ist im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz angesiedelt und berät etwa Behörden oder Bürger beim Fledermausschutz. Alle heimischen Fledermäuse sind streng geschützt, einige sogar in ihrem Bestand stark bedroht, so der Wissenschaftler.

Harzer Höhlen sind wichtige Lebensräume

"Im Harz gibt es drei wichtige Fledermaus-Hotspots: die Gipskarsthöhle Heimkehle bei Uftrungen sowie die Tropfsteinhöhlen Hermannshöhle und Baumannshöhle in Rübeland", sagte Fritze. Vor allem die im Winter für Besucherinnen und Besucher geschlossene Hermannshöhle liegt den Fledermäusen sehr - sie sei ein beliebter Winterschlafplatz. "Wir haben in dieser Höhle einen Bestand von rund 4.500 Tieren und in der benachbarten Baumannshöhle rund tausend."

Seit dem Winter 2024/25 wird Fritze zufolge in der Hermannshöhle im Dunkeln gezählt. "Wir haben spezielle Infrarot-Lichtschranken installiert, die ein- und ausfliegende Tiere erfassen und sogar fotografieren." Bei der Auswertung der unzähligen Bilder hilft den Biologen Künstliche Intelligenz (KI). "Anders wäre das kaum zu analysieren", sagte Fritze. Grundsätzlich seien Fledermäuse für Populationsschätzungen schwer zu fassen. Mit Hilfe der Lichtschrankentechnik gelinge das aber nun sehr präzise. "Konkrete Bestandsbewertungen sind aber erst auf lange Sicht möglich."

Auch Fledermäuse ziehen in den Süden

In der Heimkehle hatten die Wissenschaftler vor zwei Jahren einen Grund zur Freude: Eine der seltensten Fledermausarten in Deutschland - die Kleine Hufeisennase - konnte nach 44 Jahren wieder in der Höhle nachgewiesen werden. Jetzt breite sich die Art wieder langsam aus, sagte Fritze. Sorgen mache er sich aktuell vor allem um das Graue Langohr, dessen Bestand seit einiger Zeit sinke - aus bisher ungeklärten Gründen. Populationstrends bei Fledermäusen werden bundesweit im Portal www.batlas.info erfasst.

Nicht alle Fledermausarten bevorzugen es, die kalte Jahreszeit in deutschen Höhlen oder Stollen zu verbringen - fünf Arten ziehen im Winter nach Südwesten, etwa nach Frankreich oder Spanien. Fritze nennt zwei Beispiele: den Großen Abendsegler und die Rauhautfledermaus. "Aktuell ist Zugzeit." Aber: Arten, die sich viel im freien Luftraum bewegen, ließen immer häufiger ihr Leben an Windkraftanlagen. "Zwar können wir mit Fledermaus-Abschaltzeiten die hohen Schlagopferzahlen vermeiden. Stehen Windräder jedoch in Wäldern, ist das dann für alle Arten ein Problem", sagte Fritze.

Schädlingsbekämpfer im Nachteinsatz

Die nachtaktiven Fledermäuse ernähren sich von Motten, Mücken, Käfern und Spinnen, darunter seien auch viele Schadinsekten. "Sie erbringen unverzichtbare Ökosystemdienstleistungen", sagte Fritze, der auch untersucht, wie nützlich Fledermäuse genau sind. Liegt eine Streuobstwiese beispielsweise in einem Fledermaus-Gebiet, dann gebe es dort weniger Maden. "Fledermäuse fressen jede Nacht bis zu ein Drittel ihres eigenen Körpergewichts", so Fritze. Bei der weit verbreiteten Zwergfledermaus können das schon mal bis zu 3.000 Mücken sein, hieß es.

Quelle: dpa

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