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SachsenBeratungsangebote von Diakonie und Caritas unter Druck

23.09.2026, 08:01 Uhr
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Lange Wartezeiten und steigende Nachfrage: Beratungsangebote von Diakonie und Caritas stoßen an ihre Grenzen. Für Familien und Personal hat das Folgen.

Radebeul/Dresden (dpa/sn) - Die Sozialdienste der Kirchen sehen ihre Beratungsangebote in Sachsen zunehmend unter einem finanziellen Druck. Immer mehr Kinder, Jugendliche und Familien suchten Hilfe, doch die Angebote würden an ihre Grenzen geraten, beschreibt die Diakonie das Problem. Ein wachsender Bedarf an Beistand treffe auf angespannte Strukturen und fehlende Therapieplätze. Deshalb dränge man auf eine verlässliche Unterstützung und mehr Prävention.

"Hinter jeder Wartezeit steht ein Mensch."

Die Diakonie Sachsen warnte davor, bei Beratung, Prävention und niedrigschwelligen Hilfen zu sparen. "Hinter jeder langen Wartezeit steht ein Mensch, der gerade Unterstützung braucht. Wenn Hilfe zu spät kommt, werden Probleme häufig größer und ihre Bewältigung schwieriger, langwieriger und damit teurer", betonte Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.

Schulischer Druck und soziale Konflikte

Nach Angaben der Diakonie zeigt sich das Problem deutlich bei der psychischen Gesundheit junger Menschen. Neben den weiterhin spürbaren Folgen der Corona-Pandemie belasteten unter anderem schulischer Druck und soziale Konflikte Kinder und Jugendliche. Auch soziale Medien spielen eine Rolle. Ihre Nutzung kann mit hohem Erwartungsdruck und einer geringeren Konzentrationsfähigkeit einhergehen, hieß es.

Mehr Diagnosen für Angst- und Essstörungen bei jungen Leuten

Laut Diakonie werden Angst- und Essstörungen deutlich häufiger diagnostiziert. "Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die einen Schulbesuch verweigern, steigt. Gleichzeitig fehlen vielerorts passende Unterstützungsangebote für Familien und Therapieplätze. Die Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz kann bis zu neun Monaten betragen."

Steigende Nachfrage bei weniger Kapazitäten der Beratung

Wenn passende Hilfen fehlen, würden Schulen, Schulsozialarbeit, Familienzentren und Erziehungsberatungsstellen zu Auffangstellen für Kinder, Jugendliche und Familien, hieß es weiter. "Gerade die Erziehungsberatung ist als niedrigschwelliges Angebot angelegt, das Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen frühzeitig Unterstützung bietet. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig wurden Beratungskapazitäten reduziert, weil die Kommunen unter finanziellem Druck stehen."

Kapazitäten der Beratung sind vielerorts erschöpft

"Unsere Beratungsstellen versuchen, möglichst viel aufzufangen. Doch die Kapazitäten sind vielerorts erschöpft. Ein zeitnahes Terminangebot ist häufig nicht möglich", betonte Ute Lämmel, Referentin für Psychologische Beratung der Diakonie. Da zu wenige Therapieplätze und weitere Angebote der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung stünden oder nur mit sehr langen Wartezeiten erreichbar seien, dauere die Beratung länger. "Dadurch sinken die Kapazitäten für weitere Familien, während die Belastung der Mitarbeitenden steigt."

Der steigende Unterstützungsbedarf macht sich auch in anderen Bereichen bemerkbar. Für viele Schülerinnen und Schüler sei die Schulsozialarbeit eine erste Anlaufstelle bei psychischen Belastungen und Erkrankungen, hieß es. Gleichzeitig würden die zeitnahe Weitervermittlung an externe Fachstellen und eine ausreichende Krisenintervention immer schwieriger.

Unterstützungssysteme stärken statt Probleme verschieben

Der evangelische Wohlfahrtsverband sieht deshalb einen dringenden Bedarf an frühzeitiger und bedarfsgerechter Unterstützung. "Wer Kinder und Jugendliche frühzeitig stärkt, investiert in ihre und damit auch in unsere Zukunft. Wir können heute bei Prävention und Beratung sparen. Die Probleme sparen wir damit aber nicht weg. Wir verschieben sie nur und schaffen damit häufig zusätzliches Leid und deutlich höhere Folgekosten", erklärte Diakonie-Chef Dietrich Bauer.

Ähnlich fällt das Urteil des katholischen Sozialverbandes Caritas aus. "Gegenüber 2024 mussten in einigen Kommunen besonders Kürzungen in der Suchtberatung hingenommen werden, wodurch sich die Zahl der Ratsuchenden zwar zahlenmäßig, aber nicht prozentual verringert hat." Im Entwurf des sächsischen Doppeletats habe man etwa bei Schuldner- und Insolvenzberatung keine Kürzungen vorgenommen, gleichwohl seien die Beratungsstellen teilweise überlastet, die Betroffenen müssten lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Oftmals treffen mehrere Probleme Betroffener zusammen

In den Beratungsdiensten wachse die Zahl Ratsuchender langsam, aber stetig, sagte Caritas-Sprecher Andreas Schuppert. In der allgemeinen sozialen Beratung stiegen vor allem die Zahlen bei prekären Lebenslagen wie Schulden, Arbeitslosigkeit und Alleinerziehende. Oft träfen die Probleme zusammen. "In der Suchtberatung verzeichnen wir neben der Alkoholproblematik auch einen Anstieg problematischen Verhaltens bei der Mediennutzung unter Jugendlichen oder im Drogenbereich bei synthetischen Substanzen wie Crystal."

Die Beratungsdienste der Caritas im Bistum Dresden-Meißen sind vor allem bei den örtlichen Verbänden angesiedelt. Die Caritas hält die Allgemeine soziale Beratung, Schwangerschaftsberatung, Schuldner- und Insolvenzberatung sowie die Migrationsberatung vor. "Finanzielle Engpässe gibt es vor allem in der Migrationsberatung, deren Dienste insbesondere über Bundesprogramme abgesichert werden. Hier gibt es einen deutlichen Abwärtstrend in der Finanzierung, der sich politisch möglicherweise verschärfen wird", hieß es.

Frühzeitige Unterstützung sei nicht nur sozialpolitisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich, betont Diakonie-Chef Dietrich Bauer. "Wenn Kinder und Jugendliche den Anschluss verlieren und teilweise die Schule ohne einen Abschluss verlassen, hat das langfristige Folgen für Bildung, Teilhabe und den Arbeitsmarkt. Mehr als 3.200 junge Menschen verlassen in Sachsen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Das ist nicht allein eine Folge fehlender sozialer Unterstützung, zeigt aber, wie eng Bildung, soziale Situation und Zukunftschancen miteinander verbunden sind."

Quelle: dpa

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