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Karneval in Venedig Ein Ratgeber für die Lagunenstadt

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Venedig wird überrannt von Touristen - manche Hotel- und Restaurantbesitzer nutzen das auf unlautere Weise aus.

(Foto: imago/Xinhua)

Kürzlich mussten vier japanische Touristen für ein Mittagessen 1100 Euro bezahlen. Jetzt veröffentlicht eine Bürgerinitiative eine Gebrauchsanleitung, die den Besuchern erklärt, wie sie sich vor Abzockern schützen können.

So eine Nachricht wie jene, die Anfang dieser Woche für weltweite Schlagzeilen gesorgt hat, soll es nicht mehr geben. Dass die Touristen in Venedig, schon immer und ganz legal, wie Hühner gerupft werden, ist bekannt. Aber dann auch noch übers Ohr gehauen zu werden, wie unlängst eine Gruppe junger Japaner, geht zu weit. Für vier Koteletts und ein paar Fischplatten in einer einfachen Trattoria wurde ihnen eine Rechnung von 1100 Euro präsentiert. Den drei Frauen der Gruppe, die sich für ein anderes Lokal entschieden hatten, erging es nicht viel besser. Sie bezahlten für drei Pasta-Gerichte 350 Euro. Mittlerweile wurde die chinesische Besitzerin der Trattoria zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt.

Dieser Anstandslosigkeit, in Touristen, vornehmlich ausländischen, willige Opfer zu sehen - denn was soll's schon, "wenn der eine nicht mehr kommt, kommen eben andere" - versucht sich jetzt die Bürgerplattform Gruppo 25 Aprile, die den oben beschriebenen Fall auch publik gemacht hat, zu widersetzen. "Den Touristen nach Strich und Faden abzuzocken ist ja leider nichts Neues, es ist nur schlimmer geworden", sagt Marco Gasparinetti, Rechtsanwalt und Gründer der Gruppe, im Gespräch mit n-tv.de. Ein erster konkreter Schritt soll nun die "Gebrauchsanweisung für den Karneval in Venedig" sein.

Die offizielle Eröffnungsfeier findet nächsten Sonntag, den 4. Februar, mit dem traditionellen "Volo dell’Angelo", dem Engelsflug statt. Zu Mittag schwebt dann ein Engel an einem Seil gesichert vom 99 Meter hohen Glockenturm der Basilika herab auf den Markusplatz.

Kurze Tipps

Bei dem Ratgeber, dem Vademecum für Venedig, handelt es sich um kurzgefasste Tipps, die in erster Linie an ausländische Besucher gerichtet sind. Daher die Übersetzung in fünf Sprachen, darunter auch Deutsch. Das erste Kapitel findet man bereits auf der Facebook-Seite der Gruppe, die anderen zwei werden gerade übersetzt. Da die Vaporetti während der zwei Karnevalswochen gerappelt voll sein werden, findet man im ersten Kapitel nützliche Anweisungen zu den Wassertaxis. In Kapitel zwei geht es stattdessen um Restaurants und Lokale: "Zu vermeiden sind zum Beispiel die Restaurants und Trattorien, die Bilder der Speisen ausgehängt haben, die sind meistens tiefgekühlt", erklärt Gasparinetti. Kapitel drei wiederum gibt Tipps, wie man sich vor unbefugten Stadtführern in Acht nimmt.

Das ursprüngliche Ziel des vor drei Jahren gegründeten Vereins war jedoch nicht, die Touristen vor der Gier der lokalen Geschäftsleute zu warnen. Wobei mit lokal gar nicht mehr die Einheimischen gemeint sind, diesen gehören mittlerweile nur noch 1,1 Prozent der Gaststätten. Die andern wurden von Ausländern aufgekauft. Unlängst schrieb der Kolumnist Massimo Gramellini in der Tageszeitung "Corriere della Sera": "Von dem, was wir einst besaßen, gehört uns beinahe nichts mehr, an den Unarten hat sich aber deswegen auch nichts geändert".

Sorge um einzigartiges Erbe

Der Verband heißt nicht umsonst Gruppo 25 Aprile, denn an diesem Tag feiert die Stadt nicht nur wie ganz Italien die Befreiung vom Faschismus, sondern auch ihren Stadtpatron San Marco. Gruppo 25 Aprile wurde gegründet, "um Sorge für dieses einzigartige Erbe, das uns unsere Vorfahren überlassen haben, zu tragen".

Ein Patent dafür, wie man den Massentourismus eindämmen könnte, hat jedoch weder Gasparinetti noch die anderen 1900 Mitglieder der Gruppe. Es könne aber nicht sein, dass die Venezianer nach und nach wegziehen, weil die Mieten nicht mehr bezahlbar sind. "Dafür können dann die Hausbesitzer so hohe Übernachtungspreise verlangen, dass sie gar nicht mehr arbeiten müssen". Es gebe da Chinesen, die in einem Zimmer auch sieben Personen unterbringen. Dem müsste sich doch die Stadtverwaltung widersetzen. "Nur, unser jetziger Bürgermeister lebt gar nicht in Venedig. Und das hat es auch noch nie gegeben."

Quelle: n-tv.de

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