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Deutsches Duo verpasst EM-Gold Beach-Krimi hat ein Nachspiel vor Gericht

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Kim Behrens und Cinja Tillman müssen aus dem Sand in den Gerichtssaal. Sportlich sammelten beide gewaltig Argumente für ihre Sicht der Dinge.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das deutsche Beachvolleyball-Duo Cinja Tillman und Kim Behrens liegt mit dem eigenen Verband im Clinch, zur Europameisterschaft dürfen beide nur als Nachrücker - und gewinnen beinahe den Titel. Unmittelbar nach dem verlorenen Finalkrimi trifft man sich vor Gericht wieder.

Kim Behrens schleuderte ihre Sonnenbrille wütend in den Sand, Cinja Tillmann sackte mit Tränen in den Augen zusammen. Den eigenen Matchball konnte das deutsche Beachvolleyball-Duo im EM-Finale in Jurmala nicht verwandeln, am Ende mussten sich die beiden den an Position drei gesetzten Schweizerinnen Joana Heidrich/Anouk Verge-Depre im Tiebreak-Krimi mit 1:2 (21:18, 14:21, 16:18) geschlagen geben.

Bis dahin legten Behrens/Tillmann einen bärenstarken Auftritt hin und sicherten sich mit viel Selbstvertrauen und noch mehr Mut das bislang beste Ergebnis ihrer Karriere. Zudem bescherten ausgerechnet diese beiden dem Deutschen Volleyball-Verband die einzige Medaille in Lettland. Das Duo aus Flacht und Hildesheim liegt mit dem DVV wegen der Nominierungskriterien für internationale Turniere im Rechtsstreit. Und für die EM waren die beiden zunächst gar nicht vorgesehen.

Im Finale überzeugten Behrens/Tillmann im ersten Satz besonders beim Aufschlag und ließen die Schweizerinnen nicht zu ihrem Spiel kommen. Diesen Druck konnte das Team im zweiten Durchgang nicht aufrechterhalten, im Tiebreak spielten Heidrich/Verge-Depre ihre körperliche Überlegenheit aus. Behrens mit 1,79 m und Tillmann mit 1,74 m sind in der Block-Feldabwehr aufgrund ihrer Körpergröße leicht benachteiligt. Am Ende fehlte trotzdem nicht viel zum großen Triumph.

Mittwoch geht es wieder vor Gericht

Behrens (27) und Tillmann (29), die seit 2019 gemeinsam antreten, werden vom Verband nicht als National-, sondern als Kaderteam geführt. Der DVV sichert seinen vier Nationalteams ein Startrecht bei internationalen Turnieren zu, unabhängig von der Weltranglistenposition. Dagegen klagt das von Trainer Thomas Kaczmarek betreute Duo, das bereits von sieben Events wieder abgemeldet wurde, vor dem Frankfurter Landgericht. Am 23. September ist der zweite Prozesstag angesetzt.

Behrens/Tillmann rückten erst eine Woche vor EM-Beginn nach, da Karla Borger und Julia Sude (Düsseldorf) ihre Teilnahme absagten. Das an Nummer zehn gesetzte Team gewann nach der Auftaktniederlage in der Gruppenphase bis zum Endspiel alle Matches ohne Satzverlust. Im Halbfinale war dem überraschend starken Duo ein 2:0 (21:19, 21:17) gegen die Russinnen Nadeschda Makrogussowa/Swetlana Cholomina (4.) gelungen.

Zum bislang letzten Mal hatten Nadja Glenzke und Julia Großner 2017 EM-Gold geholt - in Jurmala. Es war der insgesamt achte Triumph. Bei den Männern stehen fünf Titel zu Buche. Olympiasiegerin Laura Ludwig und ihre Partnerin Margareta Kozuch (Hamburg) scheiterten in Jurmala wie Victoria Bieneck/Isabel Schneider (Hamburg) im Viertelfinale.

Die deutschen Meisterinnen Sandra Ittlinger/Chantal Laboureur (Berlin/Stuttgart) hatte im Achtelfinale gegen Ludwig/Kozuch das Aus ereilt. Ludwig musste im entscheidenden dritten Satz gegen Heidrich/Verge-Depre aufgrund starker Rückenschmerzen aufgeben und war dementsprechend enttäuscht. "Dass ausgerechnet jetzt zum Höhepunkt die Rückenschmerzen so stark werden, ist bitter. Im Moment habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge", sagte Ludwig. Weitere Turniere stehen in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht an.

Quelle: ntv.de, Kirsten Opitz, sid