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Sportminister platzt vor StolzBei den Paralympics erklingt erstmals seit 2014 die russische Hymne

09.03.2026, 14:19 Uhr
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Die Russin Warwara Worontschichina gewinnt in Cortina d'Ampezzo Paralympics-Gold. Was das für die Siegerehrung bedeutet, was der russische Sportminister sagt und wie die deutsche Konkurrentin reagiert.

Die alpine Skirennfahrerin Warwara Worontschichina hat Russland die erste paralympische Goldmedaille unter eigener Flagge seit den Heimspielen von Sotschi vor zwölf Jahren beschert. Die 23-Jährige aus Ostsibirien setzte sich am dritten Tag der Wettbewerbe in Cortina d'Ampezzo im Super-G der stehenden Startklasse durch. Als bei der anschließenden Siegerehrung erstmals auch wieder die russische Hymne gespielt wurde, musste sich Worontschichina Tränen aus den Augen wischen.

"Es ist wirklich etwas Besonderes für mich. Noch verstehe ich nicht, was passiert ist. Es ist unglaublich. Ich habe großen Rückhalt in meiner Familie und bei meinen Freunden und bei allen Leuten in Russland", sagte die 23-Jährige. Sportminister Michail Degtjarjow gratulierte umgehend via Telegram und war stolz darauf, "dass die russische Hymne wieder gespielt wird".

Keine Pfiffe bei der Zeremonie

Die 23 Jahre alte Worontschichina aus dem ostsibirischen Baikalst düpierte im Super-G der stehenden Klasse die Konkurrenz um die schwedische Dominatorin Ebba Arsjö. Bei der kurzen Gold-Zeremonie gab es keine Pfiffe, sondern eher freundlichen Applaus. Es sei "ein Ergebnis, das wir uns alle so nicht gewünscht haben mit der Situation momentan. Aber man muss aus sportlicher Sicht ganz klar sagen, dass Warwara die beste Fahrt hingelegt hat", sagte die viertplatzierte Andrea Rothfuss.

Die Französin Aurelie Richard (+1,96 Sekunden) wurde Zweite. Der schwedischen Dominatorin Ebba Arsjö, die seit Ende 2022 im Super-G ungeschlagen war, blieb nur Bronze (+2,04). Rothfuss (Mitteltal) fuhr auf einen starken vierten Platz (+3,35), Anna-Maria Rieder (Murnau) wurde Elfte (+8,68).

"Überwältigend. Als ich die Vier habe aufleuchten sehen, konnte ich es gar nicht so richtig glauben. Wahnsinn, Wahnsinn", sagte Rothfuss, die nach zweijähriger Pause wegen Depressionen erst in diesem Winter ihr Comeback gefeiert hatte. Dass sie wieder am Start stehe, "bedeutet mir so viel".

"Wir haben lange auf diese Medaille gewartet"

Worontschichina hatte bereits in der Abfahrt am Samstag zum Auftakt mit Bronze für die erste Medaille ihrer Heimat seit der Wiederzulassung unter eigener Flagge gesorgt, die im vergangenen Jahr von der Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) beschlossen worden war. Alexej Bugajew hatte in der Männer-Klasse wenig später die zweite Bronzemedaille geholt.

Für die Paralympics hatte das Duo zwei der sechs russischen Wildcards erhalten. Erstmals seit Sotschi 2014 ist Russland wieder unter eigener Flagge dabei. Anschließend war das Land aufgrund des Dopingskandals ausgeschlossen, dann wegen des Angriffskrieges in der Ukraine. "Wir haben lange auf diese Medaille gewartet", sagte Pawel Roschkow. "Wir freuen uns für unser Land." Es sei der Beginn von etwas Großem, fügte der Präsident des Russischen Paralympischen Komitees (RPC) an. Dass "Sportler wegen der Politik bestraft werden, ist falsch".

Quelle: ntv.de, sue/dpa/sid

ParalympicsAngriff auf die Ukraine