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Herrmann kann aber noch gewinnen Dalin beendet Vendee Globe als Erster

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In 80 Tagen um die Welt: Dalin erreichte als erster Segler das Ziel.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Boris Herrmann kämpfte im Segel-Showdown noch beharrlich um jede Minute, als vor der französischen Atlantikküste schon der erste Held der Vendee Globe völlig gelöst jubelte. Der Franzose Charlie Dalin erreichte als Erster der historisch engen und spannenden neunten Ausgabe der Regatta um die Welt Vendee Globe am Mittwochabend um 20.37 Uhr nach 80 Tagen 6:15:47 Stunden das Ziel vor Les Sables-d'Olonne. Wer das wohl härteste Einhandrennen der Welt gewinnt, war zu diesem Zeitpunkt aber noch völlig offen.

Nach 50.000 Kilometern voller Entbehrungen auf den Weltmeeren, nach einem Kampf gegen die Einsamkeit und mit Wetterkapriolen sollten Nuancen über den Sieg und die Spitzenplätze des prestigeträchtigen Rennens entscheiden. Herrmann (6:00 Stunden) sowie den Franzosen Yannick Bestaven (10:15) und Jean Le Cam (16:15) standen womöglich ausschlaggebende Zeitbonifikationen für die Rettungsaktion des schiffbrüchigen Kevin Escoffier zu. Vor ihrer geplanten Ankunft in der Nacht zu Donnerstag war es daher unmöglich, einen Sieger zu benennen.

"Um ehrlich zu sein, wir wissen noch nicht, wer gewinnt", sagte der 2013-Sieger Francois Gabart am Mittag: "Jede Minute zählt." Nur ein "wirklich verrückter" Hollywood-Produzent hätte sich dieses Szenario ausdenken können. Von Stunde zu Stunde wuchs die Spannung. Auch Klimaaktivistin Greta Thunberg, die von Herrmann 2019 über den Atlantik nach New York gebracht worden war, verfolgte das Finale. "Ein wahrer Held" sei Herrmann, schrieb die 18-Jährige bei Twitter.

Welche Route ist schneller?

Herrmann, für den die Regatta unabhängig von der Platzierung ein Riesenerfolg war, ging aufgeregt in die finalen Stunden der größten Herausforderung seines Lebens. "Es ist aufregender, als ich es will oder brauche", sagte er: "Ich bin wie ein Kind an Weihnachten. Ich weiß nicht, ob ich jemals so aufgeregt gewesen bin."

Die Spitze hatte für den finalen Abschnitt des Rennens unterschiedliche Routen gewählt. Herrmann folgte dem führenden Dalin auf seinem östlichen Weg, während unter anderem Bestaven auf die Winde weiter im Norden setzte und von Zwischenzeit zu Zwischenzeit der Spitze näher kam. "Die Würfel sind gefallen, die Karten liegen auf dem Tisch", sagte Herrmann schon am Dienstagabend, er könne nun nicht mehr allzu viel am Ausgang ändern: "Ich habe mein Bestes gegeben und bin zufrieden, wo wir stehen."

Das Nordlicht fieberte dem Ende des langen Rennens entgegen, nicht allein getragen von der Aussicht auf eine starke Platzierung. "Einige Freunde und meine Frau sind bereits in Les Sables-d'Olonne", sagte Herrmann, der sich auch unheimlich auf seine kleine Tochter freut. Nach einer Vendee Globe, bei der er noch mehr als erwartet an seine Grenzen gehen musste.

Quelle: ntv.de, tsi/sid