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Nach Zeuges KnockoutDas deutsche Boxen fetzt und zerfetzt sich

15.07.2018, 14:47 Uhr
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Mit Tyron Zeuge ging auch das deutsche Profiboxen auf die Bretter. (Foto: dpa)

Nach der krachenden Niederlage von Tyron Zeuge hat Deutschland erstmals seit 14 Jahren keinen Weltmeister im Profiboxen mehr. In Offenburg zeigt sich, dass der katastrophale Niedergang hausgemacht ist - Schlammschlacht inklusive.

Es war bereits nach Mitternacht, da starrte Wilfried Sauerland von seinem Platz in der ersten Reihe immer noch in den leeren Ring. Der Grandseigneur des deutschen Profiboxens hatte kurz zuvor einen Tiefschlag kassiert. Der 78-Jährige musste mit ansehen, wie Tyron Zeuge als bis dahin einzig verbliebener Weltmeister aus Deutschland seinen Titel verlor. Erstmals seit 14 Jahren gibt es hierzulande nun keinen Champion mehr, die gesamte Sportart wurde auf die Bretter geschickt. Passend dazu war der Technische K.o. des 26 Jahre alten Berliners in Offenburg gegen den Engländer Rocky Fielding mit all seinen negativen Begleiterscheinungen ein einziges Trauerspiel.

Der seit Wochen schwelende Streit zwischen Zeuge und seinem Trainer Jürgen Brähmer auf der einen und dem Sauerland-Boxstall auf der anderen Seite wurde nach dem WM-Fight des Verbandes WBA im Supermittelgewicht offen ausgetragen. "Wir wissen alle, an wem es lag - sicher nicht an Tyron", sagte Brähmer, und startete noch im Ring seine Tirade in Richtung Sauerland. "Wir wurden zu dem Termin gezwungen, nur um Verträge einzuhalten", wetterte der Coach, der in der fünften Runde das Handtuch geworfen hatte, um seinen Schützling vor einem schweren K.o. durch den britischen Meister zu bewahren.

"Wir hatten gerade einmal sechs Wochen Vorbereitung. Mit dem Saftladen hier wird das deutsche Boxen sicher nicht erfolgreich", ätzte Brähmer. Diesen Vorwurf wollte Sauerland nicht auf sich sitzen lassen. "Es ist bekannt, dass es Spannungen zwischen uns gibt. Aber die gibt es erst, seit Brähmer der Coach von Tyron ist", äußerte der Promoter: "Ich weiß nicht, was es an dem Termin zu beanstanden gibt. Aber die Sache zwischen uns klären ohnehin die Anwälte, die bekanntlich eingeschaltet sind."

"Wenn ich ziele, treffe ich"

Sauerland beschuldigte Brähmer zudem, im Eifer des Gefechts eine Wasserflasche in Richtung seiner Frau geworfen zu haben. Das wies Brähmer am Sonntag entschieden zurück. "Es kann keine Rede davon sein, dass ich auf einen der Beteiligten gezielt geworfen habe", teilte er mit: "Wenn ich ziele, treffe ich." Vielmehr habe er die Flasche im Eifer des Gefechts hinter sich geschmissen, als er für Zeuge das Handtuch warf. Die Verwerfungen sind ohnehin tiefgreifender. Seit Wochen sind die Juristen aktiv, da Zeuge im Mai seinen bis 2019 laufenden Vertrag mit Sauerland gekündigt hat.

Zuvor war Brähmer abgewandert. Der frühere Weltmeister im Halbschwergewicht klagte über ausstehende Zahlungen und mangelnde Unterstützung. Sauerland ist laut Brähmer kein verlässlicher Partner mehr. Dass die Baden-Arena am Samstag höchstens zu einem Drittel gefüllt war, war Wasser auf die Mühlen des Trainers. Und auch wenn Wilfried Sauerland gemeinsam mit seinen Söhnen Kalle und Nisse die Vorwürfe vehement zurückwies, wurden in der Branche zuletzt Gerüchte über das drohende Aus des einst größten europäischen Boxstalls laut.

Ob das deutsche Profiboxen mittelfristig zu retten ist, scheint derzeit offener denn je. Sauerland redete die Zeuge-Pleite natürlich in seinem Sinne klein. "Klar, das ist ein Rückschlag", äußerte der gebürtige Wuppertaler: "Aber wir hatten früher schon Zeiten, in denen es keine großen Talente gab. Wir brauchen ein oder zwei Jahre, um wieder etwas aufzubauen." Und obwohl Zeuge vor der Niederlage gegen Fielding in 23 Kämpfen ungeschlagen war, wird der Ex-Champion nach Ansicht des früheren Weltmeisters Graciano Rocchigiani kein Bestandteil dieses Neuaufbaus sein. "Er hatte doch noch nie starke Gegner", sagte der Sport1-Experte: "Meiner Meinung nach ist er boxerisch zu schwach." Brähmer zumindest würde trotz des Streits einem bislang nicht vereinbarten Rückkampf nicht im Wege stehen. "Wenn Sauerland in der Lage ist, das zustande zu bringen, dann soll er das tun", sagte er.

Quelle: tno/sid

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