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US-Schwimmstar Katie Ledecky Der Lamborghini im WM-Pool

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Kathleen Genevieve Ledecky.

(Foto: USA TODAY Sports)

Die Beckenwettbewerbe der Schwimm-Weltmeisterschaften von Gwangju haben noch gar nicht begonnen. Die Frage nach der erfolgreichsten Athletin dürfte aber bereits beantwortet sein: Katie Ledecky. Die Amerikanerin hat zwar schon alles gewonnen - erlebt aber dennoch eine Premiere.

Sie hat einiges vor. Nein, das ist untertrieben. Katie Ledecky hat viel vor, sehr viel sogar. Die 22 Jahre alte Kraul-Königin aus den USA startet bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Gwangju über die 200, 400, 800 sowie 1500 Meter Freistil - und zudem mindestens noch in der 4x200-Meter-Freistil-Staffel. Vor vier Jahren in Kasan hatte sie diese Strecken gewonnen. 2017 in Budapest schwamm Ledecky zu fünf Goldmedaillen. Einmal gab's Silber, über die 200 Meter Freistil musste sie sich Federica Pellegrini aus Italien beugen - dafür holte sie mit der 4x100 Meter-Freistil-Staffel den Titel.

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"Jetzt ist es wohl etwas mehr als das."

(Foto: REUTERS)

Nun in Südkorea startet sie als Weltjahres-Schnellste über die 400, 800 und 1500 Meter. Also alles wie immer? Nicht ganz. Kathleen Genevieve Ledecky springt erstmals bei einer WM als Berufsschwimmerin ins Becken. Im Juni 2018 unterschrieb sie ihren ersten Sponsorenvertrag. Der Deal mit einem Hersteller von Badebekleidung bringt ihr bis 2025 sieben Millionen Dollar, das sind gut 6,2 Millionen Euro. "Schwimmen ist für mich immer noch ein Hobby", sagte Ledecky: "Aber jetzt ist es wohl etwas mehr als das."

Für Außenstehende mag es ungewöhnlich klingen, dass eine fünfmalige Olympiasiegerin, die zudem mit 14 Titeln die erfolgreichste Schwimmerin der WM-Geschichte ist, bis vor einem Jahr ihr Gold nicht zu Geld gemacht hatte. Doch Ledecky entschied sich ganz bewusst. Nach ihren vier Olympiasiegen sowie einer Silbermedaille von Rio taxierten Marketing-Experten ihren Werbewert zwar auf "fünf bis 15 Millionen Dollar". Derartige Summen waren zuvor noch nie mit einer Schwimmerin in Verbindung gebracht worden. Aber Ledecky ging es nicht um Kohle, sondern darum, sich ihren Collegetraum zu erfüllen. "Ich wollte schon immer am College schwimmen, Teil eines Teams sein und freue mich auf diese Erfahrung."

Mit 15 Jahren erstmals Olympiasiegerin

Nach den strikten Regeln des College-Dachverbandes NCAA gelten alle studierenden Athletinnen und Athleten als Amateure - und dürfen kein Geld verdienen. Wer dagegen verstößt, wird vom Ligen- und Wettkampfbetrieb ausgeschlossen. Ledecky schwamm zwei Jahre lang für das Team der renommierten Stanford University in Kalifornien, ehe sie vor 13 Monaten einen Sponsorenvertrag unterzeichnete - und seitdem als Profi gilt. Dabei hat sich der Alltag für sie nicht verändert. Ledecky studiert weiter in Stanford, will 2020 ihren Abschluss in Psychologie machen. Sie trainiert auch immer noch mit dem Collegeteam - darf aber eben nicht mehr für die Cardinals bei Wettkämpfen starten.

*Datenschutz

Ledecky erlangte erstmals 2012 Aufmerksamkeit, als sie im Alter von 15 Jahren überraschend Olympiasiegerin über die 800 Meter geworden war. Bei den Sommerspielen in Rio kamen vier Gold- und eine Silbermedaille hinzu. Von allen Athletinnen und Athleten der Spiele 2016 hatte nur Michael Phelps mit fünf Gold und einmal Silber mehr Edelmetall gewonnen als sie. Beim anschließenden Foto-Shooting der "Sports Illustrated" half Phelps seiner sichtlich überforderten Landsfrau, die Medaillen um ihrem Hals so zu ordnen, dass alle gleichmäßig gut zu sehen sind. "Ich habe das schon mal gemacht, aber du wirst es auch noch lernen. Da mach’ dir mal keine Sorgen", sagte er und lachte laut los, während Ledecky schüchtern neben ihm stand.

Wer schwimmt wann?

Wer schwimmt wann bei den Weltmeisterschaften in Gwangju über welche Strecke? Hier geht's zum Zeitplan.

Obwohl die 22-Jährige aus Washington mitunter als "weiblicher Phelps" bezeichnet wird, ist sie so komplett anders als der erfolgreichste Athlet der Olympiageschichte. Phelps hatte es bei fünf Sommerspielen auf 28 Medaillen - davon 23 aus Gold - gebracht. Doch Phelps war nicht nur ein Überschwimmer, sondern auch außerhalb des Beckens omnipräsent. Er tauchte in den USA in Werbeclips auf, saß bei den berühmten Late Night Shows auf der Couch, war Gastgeber von Saturday Night Live. Katie Ledecky macht nichts dergleichen. Trotz ihrer Erfolge weiß Amerika bis heute nicht viel über seine Vorzeige-Schwimmerin. Ledecky wirkt schüchtern, bescheiden - man könnte sie sogar als langweilig bezeichnen.

Trotz aller Erfolge kein Starstatus

Als sie 2016, wenige Wochen nach den Sommerspielen von Rio, ihr Studium in Stanford aufnahm, stellte sie sich ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen mit den Worten vor: "Hi, ich bin Katie, liebe schwimmen und habe diesen Sommer alle meine Ziele erreicht." Kein Star-Status, keine Allüren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. An vielen Universitäten werden Basketballer oder auch Footballspieler bewundert und hofiert. Ledecky indes kann immer noch unbemerkt über den Stanford-Campus gehen oder in der Mensa essen.

*Datenschutz

Ihre ersten Erfahrungen im Pool machte Ledecky als Sechsjährige. Sie trat den Palisades Porpoises bei, einem Schwimmteam 13 Kilometer nordwestlich von Washington. Ihr Ziel damals: irgendwie an das andere Ende des 25 Yard-Pools zu kommen - ohne sich an der Bahnbegrenzung festhalten zu müssen. Dieses Video des US-Schwimm-Verbandes zeigt, dass es ihr zumindest anfangs nicht ganz gelungen ist.

Dennoch hatte sie von Beginn an Spaß. "Ich gehörte zu einem Team der Summer League - und es war jeden Tag sehr unterhaltsam." Im Trainingslager vor den Sommerspielen 2012 wurde Ledecky auf ihre physischen Fähigkeiten untersucht. Ergebnis: "Bemerkenswert unauffällig." Sie sei für eine Schwimmerin "weder überdurchschnittlich groß", noch habe sie "super große Hände oder Füße. Wirklich nichts außergewöhnliches", betont die 1,83 Meter große Ledecky im Interview mit dem Fernsehsender PBS. Und nein, es sei nicht "das große Talent" gewesen, das sie so erfolgreich gemacht habe, sondern "viel harte Arbeit".

"Würde mein Leben verwetten, dass sie nicht dopt"

Derartige Sätze waren schon oft von anderen herausragenden Athleten zu hören. Von Radprofi Lance Armstrong beispielsweise oder auch so manchem weiblichem oder männlichem US-Leichtathletiken. Aber letztlich kam heraus, dass eben nicht nur tägliches Training und disziplinierte Ernährung der Grund für Medaillen und Meriten waren, sondern auch Doping. Ledeckys Dominanz bringt Fragen nach unerlaubten Mitteln unweigerlich mit sich. Bei der WM vor zwei Jahren in Budapest betrug ihr Vorsprung über die 1500 Meter auf die Zweitplatzierte knapp 19 Sekunden. 2015 waren es in Kasan rund 15 Sekunden.

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"Racing not pacing."

(Foto: REUTERS)

Wie kann es sein, dass jemand der Konkurrenz dermaßen davon schwimmt? Andere trainieren auch viel und hart. "Sie ist unerschrocken, bringt eine Intensität mit, die ich noch nie bei einem Ausdauersportler gesehen habe", betonte David Marsh, der 2016 Cheftrainer der amerikanischen Olympiaschwimmerinnen war. Andere heben Ledecky’s Renntaktiken hervor. PBS vergleicht sie mit "einem Lamborghini". Unabhängig von der Distanz drückt sie stets von Beginn an aufs Tempo.

Ein vorsichtiges Herantasten oder gar Abwarten kennt sie nicht. "Racing not pacing", lautet ihr Motto. Der Konkurrenz gehen bei solchen Vorhaben irgendwann die Kräfte aus, Ledecky erstaunlicherweise nur selten. Doping hat sie stets bestritten, alle Tests waren bislang negativ. Der dreimalige Olympiasieger von 1984 und jetzige TV-Experte des US-Senders "NBC", Rowdy Gaines, meinte 2016 gegenüber der "Washington Post" gar: "Ich würde mein Leben verwetten, dass sie nicht dopt."

Quelle: n-tv.de