Fußball-WM 2019

WM-Lehrgeld von unerfahrener Elf DFB-Team scheitert bitter, aber folgerichtig

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(Foto: dpa)

Ohne wirklich hart geprüft zu werden, zieht das DFB-Team ins Viertelfinale der Fußball-WM ein. Doch dort erweisen sich die Gegnerinnen aus Schweden als abgezockter und cleverer. Noch ist die unerfahrene Elf von Bundestrainerin Voss-Tecklenburg offenbar nicht bereit für den großen Erfolg.

Svenja Huth standen die Tränen in den Augen, auch Torschützin Lina Magull war deutlich anzusehen, dass sie nach der 1:2-Niederlage gegen Schweden im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich auf dem Platz geweint hatte. Teamküken Lena Oberdorf blickte mit leeren Augen auf die wartenden Journalisten in der Mixed Zone, Innenverteidigerin Sara Doorsoun sprach mit leiserer Stimme als sonst. Das DFB-Team fährt an diesem Sonntag nach Hause - statt gemeinsam weiter in die französische Fußball-Hauptstadt Lyon, wo mit den Halbfinals und dem Finale die Höhepunkte dieses Turniers gewartet hätten. Diesem deutschen Team muss man keinen Vorwurf machen, dass es diese Weiterreise verpasst hat - es ist selbst sein größter Kritiker. Es weiß: Letztlich ist das Aus verdient, die Schwedinnen waren abgezockter.

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"Wir gewinnen als Team, wir verlieren als Team", hatte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den Spielerinnen direkt nach Abpfiff mitgegeben. Ein Satz, der in den vorangegangen Partien stimmte und der auch gegen Schweden Bestand hatte. Dass Deutschland nach vier Spielen noch keinen Gegentreffer kassiert hatte, lag nicht allein an Torfrau Almuth Schult, sondern auch an ihrer aufmerksamen Defensive - und den Reihen davor, die im Notfall hinten aushalfen.

Dass Schult nun in einem Spiel gleich zweimal hinter sich greifen musste, ist ihr aber ebenso wenig zuzuschreiben. Vielmehr hatte das Team nicht konsequent genug nach hinten gearbeitet und war von den Schwedinnen schlicht cleverer ausgespielt worden.

Zu wenig abgeklärt

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Nach 20 Minuten hatte die DFB-Elf die Kontrolle über das Spiel verloren, in das sie so furios gestartet war. Magull hatte bereits in der 16. Minute sehenswert die Führung erzielt, doch der Ausgleich durch Sofia Jakobsson brachte das deutsche Spiel und Selbstbewusstsein zum Einsturz. Der zweite schwedische Treffer durch Stina Blackstenius bedeutete dann gleichzeitig den ersten Rückstand im Turnier für den DFB - eine vollkommen neue Situation für das junge, unerfahrene Team.

25 Jahre und zehn Monate sind die Auserwählten von Voss-Tecklenburg im Schnitt alt, 15 von ihnen spielten zum ersten Mal bei einer WM. Da fehlt es an Erfahrung, an Abgeklärtheit. Was das Team bislang im Turnier mit Frechheit und Unbekümmertheit wettgemacht hatte, ließ sich im Viertelfinale nicht verbergen. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, was Bereitschaft angeht", sagte Voss-Tecklenburg. "Man hat in einigen Situationen gesehen, dass der Gegner robuster, cleverer und cooler war."

Zumal die Schwedinnen der wohl stärkste Gegner waren, denn der Turnierbaum spielte dem DFB-Team mit Nigeria als gerade so auserkorenen Achtelfinalgegner in die Karten. Der deutliche 3:0-Sieg gegen die Außenseiterinnen konnte nicht als überzeugende Leistung gefeiert werden, er stand zwischenzeitlich fast ebenso auf der Kippe wie die beiden 1:0-Siege gegen China und gegen Spanien in der Gruppenphase, die heftig erzittert werden mussten. Kein einziges der nun insgesamt fünf Spiele bot schönen Fußball. Zu viele Bälle wurden vertändelt, zu wenige Pässe kamen an, das Team überzeugte mehr mit Kampf und Wille denn mit Schönheit. Zwar betonten die Trainerin und ihre Spielerinnen immer wieder, dass sie sich im Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert hätten. Doch zu den Tatsachen gehört auch, dass mit Schweden der erste echte Duellant das fragile deutsche System zum Einsturz brachte.

Nächster Härtetest erst in zwei Jahren

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Ja, in dieser Auswahl des DFB steckt viel Potenzial. Die Spielerinnen betonen immer wieder, wie toll die Gemeinschaft ist, vor allem die drei jüngsten Lena Oberdorf, Klara Bühl und Giulia Gwinn überraschten positiv. Aber das Team ist offenbar nicht bereit für den großen Erfolg. So lange spielt es auch noch nicht zusammen, seit Januar erst ist Voss-Tecklenburg Bundestrainerin. "Wir sind in einem Prozess. Wir sind noch nicht ganz so gefestigt, wie wir uns das gewünscht hätten", sagte die 51-Jährige in der ARD. "Das tut weh."

Schmerzhaft ist das Viertelfinal-Aus vor allem, weil Deutschland damit im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio fehlen wird - als amtierender Titelträger. "Brutal scheiße", nannte das Magull. "Wir werden daran wachsen und uns neue Ziele setzen. Die EM-Qualifikation beginnt schon bald", blickte Voss-Tecklenburg voraus. Dann geht's gegen Montenegro, die Ukraine, Irland und Griechenland. Keines dieser Teams nahm an der laufenden WM teil. Alles andere als ein souveräner Durchmarsch wäre deshalb blamabel. Aber das bedeutet eben auch wieder: Den Gegner, der das DFB-Team richtig fordert, gibt es vorerst nicht. Der wartet dann erst im kommenden Turnier - bei der Europameisterschaft 2021 in England.

Quelle: n-tv.de

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