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"Freie Bahn" für Mega-Fight?Kabayel will Usyks bizarre Box-Show crashen

19.05.2026, 18:00 Uhr
imageVon Martin Armbruster
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Agit Kabayel will in die übergroßen Fußstapfen von Box-Ikone Max Schmeling treten. (Foto: IMAGO/Torsten Helmke)

Agit Kabayel wartet schon lange auf seine Chance gegen Oleksandr Usyk. Eine Legende aus den USA räumt ihm durchaus Chancen ein, den Schwergewichts-König zu stürzen. Jetzt reist Kabayel zu den Pyramiden von Gizeh - den Fehdehandschuh im Gepäck.

Max Schmeling soll endlich seine "Ruhe" haben, sagt Agit Kabayel immer wieder. Bis heute ist Schmeling Deutschlands einziger Weltmeister im Schwergewicht. Karl Mildenberger (1966), Axel Schulz (1995/96), Luan Krasniqi (2005) - sie alle haben versucht, dem großen Mann des deutschen Boxens auf den Thron aller Klassen zu folgen. Sie alle sind gescheitert. Im Jahr 2026 will Agit Kabayel das gewaltige Erbe antreten. Der 33-Jährige aus dem Ruhrpott ist als Interims-Champion des Verbandes WBC immerhin schon "Zwischen-Weltmeister" - und als solcher der Nummer-1-Herausforderer von Schwergewichts-König Oleksandr Usyk.

Bereits vor zwei Jahren hatte Kabayel im Rahmenprogramm von Usyk und Tyson Fury den "Final Eliminator", den letzten WM-Ausscheidungskampf, des WBC gewonnen. In Riad klopfte er den Kubaner Frank Sanchez weich. Weil Usyk danach aber zur Revanche gegen Fury antrat, musste Kabayel warten. Der WBC vertröstete den Deutschen mit einer "Interims-WM" gegen den riesigen Chinesen Zhang Zhilei, den Kabayel in der saudischen Hauptstadt Anfang 2025 ebenfalls plattwalzte.

Kabayel wird Usyk "persönlich herausfordern"

Trotz der beeindruckenden Leistungen rührte sich für den "Leberking" aus Wattenscheid lange nichts. Usyk boxte vergangenen Sommer erst gegen den Briten Daniel Dubois, am Wochenende steigt der Ukrainer in einem bizarren Spektakel an den Pyramiden von Gizeh gegen Kickbox-Idol Rico Verhoeven in den Ring. Kabayel "vertrieb" sich die Zeit, indem er Anfang des Jahres den polnischen Zwei-Meter-Riesen Damian Knyba bei einem Heimspiel in Oberhausen vor einer tobenden 13.000-Mann-Meute in drei Runden auseinandernahm. Trotz einer Ansage des WBC, Usyk müsse den grün-goldenen Gürtel nach der Show in Ägypten zwingend gegen Kabayel verteidigen, nahm der WBA/WBC/IBF-Champion den Namen des Revierkämpfers lange nicht in den Mund. Doch der Wind hat sich gedreht.

Der saudische Box-Mogul Turki Al-Sheikh will Usyk von einem WM-Kampf gegen Kabayel in Deutschland überzeugen (immer vorausgesetzt, der Weltmeister schlägt den als chancenlos erachteten Verhoeven). Über die nötige Millionen-Spritze, um Usyk nach Deutschland zu locken, verfügt der Boss der "General Entertainment Authority" von Kronprinz Mohammed bin Salman. Kabayels Dilemma war stets, dass er dem Schwergewichts-König nicht genug finanziellen Anreiz bot. Al-Sheikh wischt dieses Problem mit viel Geld weg - und Kabayel ist bereit, den ersten Schritt zu tun, um das Duell anzuheizen.

"Ich habe es offiziell noch nie bekanntgegeben, aber ich habe von der Riyadh Season freie Bahn bekommen", sagte Kabayel am Wochenende am Rande des Hallenfußball-Formats "Icon League". Unter dem Banner eben jener "Riyadh Season" veranstaltet Al-Sheikh seine Hochglanz-Events, die Saudi-Arabien vor aller Welt erstrahlen lassen sollen. In New York und London schlug der Zirkus schon auf. Jetzt "will die Riyadh Season gerne nach Deutschland kommen und den Kampf gegen Usyk finanzieren", erläuterte Kabayel und kündigte einen Trip in die Wüste an, um dem Pharao den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Er werde zu den Pyramiden von Gizeh reisen, dort "in den Ring steigen und Usyk persönlich herausfordern". Willigt der Champion nach seinem erwarteten Sieg über den Holländer Verhoeven ein, könnte es im Herbst soweit sein. Man halte für die Monate Oktober bis Dezember schon nach einem deutschen Fußballstadion Ausschau, hieß es zuletzt aus dem Lager des deutschen Schwergewichtlers. Als favorisierter Schauplatz gilt die Arena in Düsseldorf.

Größte Sensation seit Max Schmeling?

"Agit Kabayel verdient den WM-Kampf schon lange. Wenn Turki Al-Sheikh ihn sehen will und das unterstützt, dann wird es passieren", kommentierte der langjährige Klitschko-Manager Bernd Bönte bei den "World Boxing News" und unterstrich, wie bedeutend das Duell sei. "Es wäre fantastisch und nach unseren vielen Klitschko-Kämpfen endlich wieder ein Event in einem Stadion. Fast 1,5 Millionen Ukrainer leben seit dem brutalen russischen Angriffskrieg in Deutschland. Sollte ihr Held hier boxen, wäre das ein fantastisches Ereignis für sie und genauso für Agit und seine vielen deutschen Fans."

Kommt Kabayel zum Zug, hätte er in Usyk eine ähnliche Überfigur vor den Fäusten wie einst Max Schmeling. Der wagte sich 1936 als 10:1-Außenseiter gegen den als unschlagbar geltenden Joe Louis ins New Yorker Yankee Stadium. Um den Titel ging es zwar (noch) nicht, aber der Amerikaner galt trotzdem als das Nonplusultra im Schwergewicht. Es kam zu einer der größten Sensationen der Boxgeschichte. Schmeling konterte Louis gnadenlos aus, ehe er den "Braunen Bomber" in der zwölften Runde k.o. schlug.

Joshua-Promoter glaubt nicht an Königssturz

Sollte Kabayel 90 Jahre später Usyk stürzen, würde dies ähnliche Schockwellen durch die Boxwelt jagen. Der Mann aus dem Ruhrgebiet gilt trotz seiner Klasse als klarer Underdog - wenn auch nicht als derart chancenloser wie seinerzeit Schmeling. "Er hat eine gute Chance, obwohl sich Usyk gegen starke Puncher gut schlägt und Kabayel ist ein guter Puncher", sagte Box-Ikone Roy Jones Jr. im exklusiven Interview mit ntv.de. Kabayels auf Körperattacken ausgelegter Stil "stellt jeden vor Probleme. Diese Körperhaken machen es jedem schwer. Das ist etwas anderes, das Usyk so noch nicht gesehen hat", lobte der einstige Weltmeister in vier Gewichtsklassen den selbsternannten "Leberking".

Auch Promoter-Größe Eddie Hearn, der zweimal (2021/22) miterlebt hat, wie Usyk seinen Superstar Anthony Joshua entzauberte, schreibt Kabayel auf dessen Schmeling-Mission nicht ab. Er denke zwar nicht, dass Kabayel den König entmachtet, "ich sehe da überhaupt keinen", sagte der Brite. "Aber Kabayel ist sehr solide. Er hat ein gutes Kinn, einen guten Punch, eine starke Workrate, ist technisch stark, agiert schlau, hat eine gute Beinarbeit - es gibt nicht viel, was er nicht gut macht. Und in Deutschland - gegen einen Mann, der fast 40 ist ..."

Kabayels Stil liege dem Weltmeister nicht, führte Hearn aus. "Man muss viel arbeiten, muss sein Pensum mitgehen, das enorm ist. Aber er wird älter. Im zweiten Kampf gegen Joshua dachte ich nach neun Runden, wir hätten gewonnen. In den Runden zehn, elf, zwölf kam Usyk dann raus und war unglaublich. Er ist eine Maschine. Aber Kabayel hat ein sehr gutes Arbeitspensum. Es ist ein sehr guter Kampf. Unterm Strich denke ich nur, dass er nicht genug Qualität hat, Usyk zu schlagen."

Quelle: ntv.de

Oleksandr UsykAgit Kabayel