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Sport
Dienstag, 21. Oktober 2003

Was macht eigentlich ...: ... Kornelia Ender?

Das einstige Wunderkind des Schwimmsports gewann 1972 in München mit 13 Jahren als bis heute jüngste deutsche Olympiateilnehmerin aller Zeiten dreimal olympisches Silber. Vier Jahre später ging Kornelia Ender mit viermal Gold für die DDR als Jahrhundert-Schwimmerin in die Geschichte ihrer Sportart ein.

Die hübsche Blondine eroberte binnen dreieinhalb Jahren 23 Weltrekorde - und 1978 durch ihre Heirat mit dem ebenfalls viermaligen Schwimm-Olympiasieger Roland Matthes auch die Titelseiten der bunten Blätter: Als Traumpaar der Sportwelt schlechthin.

Doch die Ehe hielt nur sechs Jahre. Zu sehr entwickelten sich die charakterlich sehr verschiedenen Stars auch in anderen Bereichen auseinander. Im Medizinstudium hatten sie vorübergehend noch eine Gemeinsamkeit. Während Roland Matthes als Orthopäde und Chiropraktiker in Marktheidenfeld lebt, brach Kornelia Ender das Studium ab und führt heute eine Praxis als Krankengymnastin in Schornsheim bei Mainz. Verheiratet ist die am Samstag 45 Jahre alte werdende Galionsfigur der 70er Jahre seit 1984 mit Ex-Zehnkämpfer Steffen Grummt, Viererbob-Weltmeister von 1985.

Schon vor ihrer ersten Ehe hatte Kornelia Ender die Karriere beendet - mit erst 19 Jahren. "Zu früh oder nicht zu früh - das bin ich in der Vergangenheit oft gefragt worden. Aber so wie es damals gelaufen ist, war es schon okay. Ich war sportlich einfach satt und wollte Medizin studieren", sagt die Tochter eines Obersten der Nationalen Volksarmee (NVA) und einer Krankenschwester im Blick zurück.

Für ihre Patienten ein eher "unbekanntes Wesen"

Im medizinischen Bereich fühlt sich der 1958 im sächsischen Plauen geborene Weltstar von einst zu Hause: "Es ist zwar sehr viel zu tun, aber es macht mir unheimlich viel Spaß." Nur die wenigsten ihrer Patienten wissen, welch prominente und erfolgreiche Therapeutin sich da um ihre Gesundheit kümmert: "Von zehn Leuten kommt vielleicht einer, der was mit meiner sportlichen Vergangenheit anfangen kann. Aber das ist nicht schlimm."

Begegnungen mit dieser Vergangenheit hat die achtmalige Weltmeisterin (1973 und 1975) nur noch bei den wenigen Treffen ehemaliger Spitzensportler, wie zuletzt im September im sächsischen Riesa: "Solche Treffen sind eine tolle Sache. Und es ist schön, zu sehen, dass man sich auch nach so langer Zeit noch an meine Leistungen erinnert."

In die Schwimmhalle nur noch wegen der Kinder

Eine Schwimmhalle hat sie in den vergangenen Jahren nur selten von innen gesehen, noch seltener ist sie zuletzt selbst ins Wasser gesprungen. "Dafür hab ich gar nicht mehr viel Zeit. Wenn ich in den letzten Jahren mal beim Schwimmen war, dann nur wegen der Kinder", sagt Kornelia Grummt-Ender. Besonders die jüngere ihrer beiden Töchter, die 18-jährige Tiffany, schien anfangs in die Fußstapfen ihrer berühmten Mutter treten zu können: "Sie ist richtig gute Zeiten geschwommen, sogar 1997 zweimal deutsche Jugendmeisterin geworden."

Aber genau wie die sechs Jahre ältere Franziska, um die es nach der Trennung von Roland Matthes öffentlichen Streit gab, hat Tiffany das Leistungsschwimmen längst aufgegeben. Für die erfolgreiche Mutter kein Wunder. "Es pocht doch alles nur auf die Schule. Der Sport soll quasi nebenbei erledigt werden. Wir haben damals wesentlich härter trainiert als es heute getan wird", kritisiert die viermalige DDR-Sportlerin des Jahres und meint zu ihrer eigenen Rolle hinsichtlich der sportlichen Entwicklung ihrer Töchter: "Ich habe mich in diese Entscheidung nie eingemischt. Die beiden sollten machen, wozu sie Lust hatten. Da habe ich nie Druck ausgeübt."

Zwei Mal Olympia-Gold in 25 Minuten

Doch so sehr sie sich auch dagegen zu wehren scheint, manchmal wird sie von den Erinnerungen an ihre sportliche Laufbahn eingeholt. "In nur 25 Minuten Olympia-Gold über 100 m Schmetterling und 200 m Freistil Gold zu holen - einmal mit eingestelltem, einmal mit neuem Weltrekord - das ist heute so ohne weiteres gar nicht wiederholbar", sagt Kornelia Ender, die als Zwölfjährige schon Europameisterin der Junioren war, bei den Frauen vier EM-Titel und 15 DDR-Titel gewann. Manchmal denkt sie: "Wie habe ich das damals alles bloß geschafft? Wahrscheinlich nur, weil ich von Kindesbeinen an in dieser Tretmühle war, es gar nicht anders kannte."

Selbst neue Schwimmtalente auszubilden, kam für Ender nie in Frage: "Ich habe es ja in meiner Karriere selbst erlebt, wie schwer man es als Trainer hat. Das wollte ich mir nicht antun. Für mich hat die Familie Priorität. Als Coach hat man dafür sehr wenig Zeit."

Den aktuellen Schwimmsport verfolgt sie nur noch sporadisch. Die EM 2002 in Berlin und die WM 2003 in Barcelona erlebte sie am Fernseher: "Alles ohne große Emotionen. Für mich ist der Schwimmsport ein schönes Stück Vergangenheit - nicht weniger, aber auch nicht mehr."

Das Geschehen in ihrer Heimat verfolgt sie weiter mit großem Interesse, wie zum Beispiel Leipzigs Olympia-Bewerbung. "Ich werde mich mit all meinen Möglichkeiten dafür einsetzen, dass sich Leipzig international durchsetzt, auch wenn es nicht einfach wird. Es würde der gesamten Region einen unglaublichen Aufschwung bescheren", so Kornelia Grummt-Ender, die in der nationalen Bewerbungsphase als Botschafterin für den unterlegenen Leipzig-Konkurrenten Frankfurt/Main tätig war.

Andreas Wendt (Sport-Informationsdienst)

Quelle: n-tv.de