Sport
Dienstag, 14. November 2006

Chaos in Braunschweig: Reimann neuer Coach

Willi Reimann soll beim Fußball-Zweitligisten Eintracht Braunschweig das Chaos beenden und den deutschen Meister von 1967 vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit bewahren. Der 56 Jahre alte Trainer wird am Mittwoch beim Tabellenletzten der 2. Bundesliga als dritter Coach in dieser Saison vorgestellt. "Die Trainerfrage ist geklärt, es fehlt nur noch die Unterschrift", sagte am Dienstag Jochen Staake, der als Hauptsponsor der neue starke Mann der Eintracht ist. Zuvor war Djuradj Vasic nach nur 30 Tagen als Trainer beurlaubt worden. Es war der fünfte Trainerwechsel der 2. Liga in dieser Saison.

Neuer Sportdirektor soll nach dpa-Informationen Manfred Aschenbrenner werden. Aschenbrenner hatte bereits beim VfL Wolfsburg mit dem neuen Eintracht-Trainer Reimann zusammen gearbeitet. Bis 1997 war er Vorstand der Lizenzfußball-Abteilung des VfL. Aschenbrenner soll die Aufgaben des zuletzt als Manager tätigen Rolf Dockter übernehmen. Dessen Kompetenzen sind ebenso drastisch reduziert worden wie die von Vereinspräsident Gerhard Glogowski.

Staake finanziert Reimann-Gehalt

Mit der Verpflichtung von Reimann soll nach wochenlangen Turbulenzen wieder Ruhe im Verein einkehren. "Ich bin noch nicht so alt und will arbeiten", sagte der frühere Bundesligaprofi, der am Dienstag im Urlaub auf Madeira kontaktiert wurde. Zuletzt war der Fußball-Lehrer in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Al Shaab tätig, davor zwei Jahre lang bei Eintracht Frankfurt. Neben der Eintracht (2003) führte er auch den VfL Wolfsburg (1997) in die Bundesliga. Er war zudem Trainer bei St. Pauli, dem Hamburger SV und beim 1. FC Nürnberg.

Reimanns Gehalt will Staake finanzieren. Der millionenschwere Sponsor ist seit mehreren Jahren die graue Eminenz im Verein und hat jetzt die Macht im Club übernommen. "Wir brauchen neben dem Trainer einen Fußball-Sachverständigen", sagte der Unternehmensberater und kündigte die schnelle Verpflichtung eines neuen Sportdirektors an.

Staake leitet bei dem zuletzt konfus auftretenden Zweitligisten seit Montagnacht eine so genannte "Task Force". Dieser Krisenstab soll nun die Geschicke der Profiabteilung lenken. Klubchef Glogowski, der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident, gehört diesem neuen Gremium nicht mehr an. "Wir bezahlen jetzt drei Trainer. Das muss der Verein ohne finanziellen Schaden überstehen", begründete Glogowski seinen Verzicht auf weiteren Einfluss im Profibereich.

Katastrophale Bilanz

Reimanns Vorgänger Vasic hatte eine desaströse Bilanz mit fünf Niederlagen in fünf Spielen und 2:13 Toren. Der Mannschaft sprach er bereits nach der ersten Partie die Zweitliga-Tauglichkeit ab: "Die Mannschaft ist nicht in der Lage, Fußball zu spielen, wie man ihn in der 2. Liga spielen muss." Außerdem hatte er für Aufsehen gesorgt, weil er die Spieler als zu klein bezeichnete. Dockter, der Vasic als Nachfolger von Michael Krüger vom Süd-Regionalligisten SV Wehen geholt hatte, teilte diese Auffassung und bezeichnete die Akteure als "Pygmäen". Auch Dockters Macht wurde deutlich beschnitten. Der kurzzeitige Sportmanager wird nur noch für den kaufmännischen Bereich zuständig sein.

Anfang Oktober hatte Eintracht Braunschweig sich bereits von Trainer Krüger und Manager Wolfgang Loos getrennt. In der Zwischenzeit war dem Krüger-Assistenten Willi Kronhardt mit dem 2:0 gegen den TSV 1860 München der bisher einzige Saisonsieg geglückt. Kronhardt wurde kurz danach ebenfalls entlassen.

Quelle: n-tv.de