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Ex-Champ Rocchigiani verunglückt "Rocky" - Boxer mit Herz und Schnauze

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Graciano Rocchigiani wird nur 54 Jahre alt.

(Foto: imago/masterpress)

Als Boxer krönt sich Graciano Rocchigiani zweimal zum Weltmeister. Die Fans lieben ihn, er verdient Millionen, lebt in Saus und Braus - und stürzt ab. Mehrfach muss er hinter Gitter, kommt aber wieder auf die Beine. Nun stirbt der 54-Jährige bei einem Autounfall.

Der deutsche Boxsport ist geschockt und trauert um einen seiner ganz Großen: Ex-Weltmeister Graciano "Rocky"  Rocchigiani ist bei einem  Autounfall in Italien ums Leben gekommen. Das bestätigte Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer. Die italienische Polizei hatte die Brandenburger Kollegen gebeten, die Angehörigen über den Tod zu informieren.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, ereignete sich der Unfall in der Nähe von Catania auf Sizilien. Dort soll seine italienische Freundin gewohnt haben. Rocchigiani soll zu Fuß am Rand der vierspurigen Schnellstraße unterwegs gewesen sein und um 23.30 Uhr von einem Smart erfasst worden sein. Am Steuer saß laut Polizeibericht ein 29-Jähriger. Der Aufprall war so heftig, dass die Windschutzscheibe des Kleinwagens durchschlagen wurde. "Rocky" war wohl auf der Stelle tot.

"Man glaubt es nicht, mir ist ganz schaurig", sagte Ex-Weltmeister Henry Maske im ARD-Magazin Brisant. Zweimal hatte er sich im Ring mit Rocchigiani duelliert, "es waren harte Kämpfe, aber mit ihnen ist der gegenseitige Respekt gewachsen." Mit tränenerstickter Stimme fügte er an: "Deshalb ist es umso erschütternder und bewegender, dass er so gehen muss."

Der 54 Jahre alte Ex-Champ galt über Jahre als einer der besten Profiboxer Deutschlands, fiel aber auch durch seine flotten Sprüche auf. Anfang des Jahres stieg er beim Fernsehsender Sport1 als Experte ein. "Es wird Zeit, dass mal wieder ein bisschen frisches Blut in die ganze Box-Geschichte kommt", hatte er sein Kommen angekündigt.

"Wie auf einer Achterbahn gefühlt"

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Rocchigiani wird mit einem Küsschen von Frau Christine belohnt.

(Foto: imago/Camera 4)

Rocchigiani war aber auch deshalb regelmäßig in den Medien, weil er ein Leben in Saus und Braus führte. Der Sohn eines sardischen Eisenbiegers erlernte im Westteil Berlins das Boxen, wurde zweimal Weltmeister, scheffelte Millionen, verprasste alles, stürzte ab und lebte lange von Hartz IV. "In der Vergangenheit habe ich mich oft wie auf einer Achterbahn gefühlt. Für kurze Zeit ganz oben, als strahlender Sieger, und dann plötzlich wieder ganz unten, am Boden zerstört. Einmal fand ich mich im Straßengraben wieder und dreimal auch im Knast", sagte der Bad Boy des deutschen Boxsports einmal.

Das ganze Drama seines Lebens wurde deutlich, als Ex-Ehefrau Christine im Jahr 2013 ihre Autobiografie ("K.o. nach zwölf Runden") veröffentlichte. Drogen, Prostituierte, häusliche Gewalt, Knast, Scheidung - Rocchigiani ließ keinen Skandal aus. Mehrmals musste der Mann aus Berlin-Schöneberg hinter Gitter - unter anderem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder wiederholten Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Die Ehefrau war auch dabei, als Rocchigiani einen der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte des Profiboxens führte - und gewann.

Rocchigiani bekommt Schadenersatz-Millionen

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"Rocky" und "Tiger".

(Foto: imago/Sven Simon)

Am 22. März 1998 hatte sich der Rechtsausleger vor 9000 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle durch einen Sieg gegen den Amerikaner Michael Nunn den WM-Titel der WBC im Halbschwergewicht gesichert. Als erster deutscher Boxer widerlegte er das Motto "They never come back" und wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere Champion.

Vier Monate später sorgte das World Boxing Council (WBC) für einen Eklat. Der Verband, in dem bereits Muhammad Ali Weltmeister war, ernannte plötzlich den Amerikaner Roy Jones zum neuen Champion. Rocchigiani fühlte sich bestohlen und zog in den USA vor Gericht. Am Ende wurden ihm 31 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Dem WBC drohte der Konkurs, 2004 ging Rocchigiani auf ein Vergleichsangebot ein und bekam 4,5 Millionen Dollar. Es dauerte aber nicht lange, da war auch diese Summe durchgebracht.

Über Nacht zum Shootingstar

Zur tragischen Figur wurde "Rocky" zur Zeit des deutschen Boxbooms in den 90er-Jahren in Kämpfen gegen die damaligen TV-Lieblinge Henry Maske und Dariusz Michalczewski. Beide Weltmeister hatte er am Rande einer Niederlage, verlor aber jeweils umstritten. Die Rückkämpfe gab er klar ab, sodass ihm der Aufstieg zum nationalen Helden verwehrt blieb.

Am 11. März 1988 war der Stern des Profiboxers Graciano Rocchigiani aufgegangen. Vor 6000 Zuschauern prügelte der damals 24-Jährige in Düsseldorf den Amerikaner Vincent Boulware (USA) im IBF-Titelkampf des Supermittelgewichts windelweich. Schon damals zeigte sich sein typischer Stil: Sobald er sich bei einem Gegner festgebissen hatte, war der jüngere Bruder von Profiboxer Ralf Rocchigiani nicht mehr zu halten und zeigte spektakuläre Schlagserien. Über Nacht war der Shootingstar zum Champion geworden, Deutschland hatte nach Max Schmeling und Eckhard Dagge seinen dritten Weltmeister im Profiboxen.

Quelle: ntv.de, Nikolaj Stobbe, sid