Sport

Serben verweigern Ukraine-Appell Roter Stern Belgrad sorgt in Litauen für Eklat

Eklat beim Spiel zwischen Zalgiris Kaunas und Roter Stern Belgrad in der EuroLeague im Basketball. Die Gäste aus Serbien verweigern sich vor der Partie einer Friedensbotschaft für die Ukraine. Die litauischen Fans pfeifen laut, der serbische Klub ruft nach Strafen - für die Litauer.

Die Grenzen zwischen Sport und Politik sind spätestens seit der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in die Ukraine auch für die breite Öffentlichkeit aufgehoben. Nicht, dass es vorher anders gewesen wäre, doch viel zu oft hatte sich der Sport mit seinen angeschlossenen Abteilungen aus unter anderem Verbänden, Klubs, Funktionären, Sponsoren, Sportlern und einigen Medien deutlich positioniert. Politik hat mit Sport nichts zu tun, hieß das dann immer wieder.

Mit dem Angriff auf die Ukraine hat sich die Situation grundlegend geändert. Russische Klubs und Sportler sind von zahlreichen Verbänden ausgeschlossen worden, Vereine sowie Verbände und Rennställe haben sich von russischen Sponsoren wie Gazprom getrennt. Die Ukraine kann sich der überwältigenden Solidarität des Sports und der Fans sicher sein. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie nicht zuletzt der FIFA-Kongress bewies, auf es dem Fußball-Weltverband um den Präsidenten Gianni Infantino gelang, den russischen Verband mit den Worten nicht zu suspendieren.

Auf Anweisung der Klubführung

Eine weitere Ausnahme trug sich am Sonntag im litauischen Kaunas zu. Dort gastierte in der EuroLeague das Basektball-Team von Roter Stern Belgrad und verweigerte vor den obligatorischen Mannschaftsfotos ein blau-gelb gefärbtes Banner mit dem Schriftzug "Stop War" zu halten. Während die fünf Startspieler von Zalgiris Kaunas und die drei Offiziellen das Transparent hielten, standen die fünf bei Roter Stern unter Vertrag stehenden Profis daneben. Diese Abfälligkeit wurde vom Publikum in der Zalgirio Arena in der litauischen Hauptstadt mit lauten Buhrufen und einem gellenden Pfeifkonzert beantwortet. Die Stimmung gegenüber den Serben blieb über die Dauer des Spiels feindselig.

"Ich hoffe wirklich, dass bald Ruhe einkehrt, das war's", sagte Belgrad-Trainer Dejan Radonjic im Anschluss der Partie. "Das ist keine Frage für mich", wich der ehemalige Coach der Basketballer des FC Bayern München danach der Frage nach den Pfiffen aus. Nur wenig später jedoch meldete sich der US-Spieler Aaron White auf Twitter zu Wort. "Als Team wurde uns gesagt, dass wir die Flagge nicht berühren sollten", schrieb White, der einst auch bei Kaunas unter Vertrag stand und erklärte, dass er den Krieg nicht unterstütze.

Seine Frau, Grace, soll Roter Stern in der Folge heftig attackiert und die Klubführung bezichtigt haben, ihrem Mann die Meinungsfreiheit geraubt zu haben. Das lässt sich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen. Ihr Account in dem sozialen Netzwerk ist mit einem Schloss versehen.

Roter Stern fordert Strafe

In einem Statement des Klubs bestätigte Roter Stern die Anweisungen an die Spieler. Der Verein habe der EuroLeague und Kaunas bereits im Vorfeld der Partie mitgeteilt, "dass er keine Politisierung zulassen und kein Banner in den Farben der Flagge irgendeines Landes tragen und sich nicht an der Manipulation und Politisierung einer der menschlichsten und universellsten Parolen "Stop War" beteiligen" werde.

Der serbische Klub, dessen Profifußball-Abteilung weiterhin von Gazprom unterstützt wird, verurteilte die "Fuck You, Serbia"-Rufe der litauischen Fans und die "politische Performance" des gegnerischen Vereins, die "die Grundprinzipien der EuroLeague und des Basketballs ernsthaft verletzt" habe. Roter Stern forderte weiterhin Strafen für Zalgiris Kaunas. Sonst öffne man "Tür und Tor" für andere EuroLeague-Teilnehmer, weiter Sport und Politik zu vermischen.

Kaunas gewann das für den Fortlauf der Liga bedeutungslose Spiel mit 103:98 in der Verlängerung. Die Litauer beenden die Runde auf dem letzten Platz und für die Serben gibt es keine Möglichkeit mehr, die nächste Runde zu erreichen. Die russischen Teilnehmer ZSKA Moskau, Kazan und Zenit St. Petersburg waren nach dem Angriff auf die Ukraine vom Wettbewerb ausgeschlossen worden.

Quelle: ntv.de, sue

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